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Facebook Graph Search: Fragen und Antworten

13.07.2013 | Von Jörg Schieb

Tipps

Über eine Milliarde Menschen weltweit nutzen Facebook, trotz der zahlreichen Bedenken in Sachen Datenschutz, die immer wieder bekannt werden. Ab sofort haben wir alle nun noch direkteren Zugriff auf die gespeicherten Daten. Denn Facebook hat eine neue Suchfunktion namens „Graph Search“ eingeführt. Im Januar hat Mark Zuckerberg sie angekündigt, jetzt also ist sie da. Mit Graph Search kann man nach Personen in Facebook suchen und eine Menge über ihre Eigenheiten erfahren. Praktisch finden das die einen, bedenklich die anderen.

  • Was steckt hinter Graph Search, was kann diese Funktion?

Wenn ich in einer Suchmaschine wie Google einen Suchbegriff eingebe, dann sucht Google mir Webseiten heraus, auf denen der Suchbegriff häufig vorkommt, wo der Begriff eine große Rolle spielt. Man sucht nach Schlagwörtern, zumindest im weitesten Sinne. Graph Search funktioniert anders. Graph Search ist eine soziale Suche. Ich suche nach Eigenschaften, gebe bestimmte Kriterien an und lasse mir von Facebook sagen, auf wen diese Eigenschaften und Kriterien zutreffen.

Ich kann zum Beispiel fragen: Wer meiner Arbeitskollegen fährt gerne Fahrrad? Oder: Wer aus meiner Familie war schon mal in New York? Man gibt die Fragen wirklich genau so ein, in Klartext, in Deutsch – danach macht sich Facebook auf die Suche und präsentiert mir die Namen der Personen, auf die diese Kriterien zutreffen. Das kann hilfreich sein, etwa wenn ich jemanden für eine Fahrradtour suche oder einen Tennispartner brauche.

Ich kann aber auch praktische Fragen stellen, wo am Ende keine Namen herauskommen, etwa wenn ich wissen will, welche Musik meine Freunde gerade hören oder welche Fotoaufnahmen aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis vor 1990 gemacht wurden. All das kann Graph Search tatsächlich für mich rausfinden.

  • Klingt doch eigentlich ganz praktisch, trotzdem sprechen Kritiker von „Rasterfahndung“ und warnen vor der neuen Funktion. Wieso eigentlich?

Der Begriff „Rasterfahndung“ klingt vielleicht etwas beängstigend, aber genau das bietet Graph Search in der Tat an: Wer nach bestimmten Kriterien sucht und am Ende eine Liste mit Namen von Personen bekommt, der betreibt schon eine Form von Rasterfahndung – oder besser: eine Rastersuche. Denn es wird ein Raster über die Datenbank aller User gelegt, die Eigenschaften werden überprüft und am Ende weiß man, auf wen die Eigenschaften zutreffen.

Genau das sehen einige durchaus kritisch: Man erfährt etwas über Personen, das man vorher möglicherweise gar nicht gewusst hat, bloß weil man nach etwas sucht. Was denn: Onkel Otto war auch schon mal in Paris? Noch letzten April? Wieso hat er uns das nicht erzählt? Da sind peinliche Dinge denkbar. Graph Search berücksichtigt bei der Suche nicht nur Freunde, sondern durchaus die Eigenschaften von Fremden. Das kann dann noch heikler werden.

  • Aber bekomme ich denn auch Informationen gezeigt, die nicht für mich gedacht sind?

Also streng genommen geht alles mit rechten Dingen zu. Graph Search verarbeitet und präsentiert ausschließlich Daten und Informationen, die auch für einen bestimmt sind. Wenn ich zum Beispiel wissen will, wer aus meiner Familie oder von meinen Freunde schon mal in Paris war, dann erfahre ich das auch nur, wenn die nötigen Hintergrundinformationen auch für mich zugänglich sind. Aber es reicht schon ein Foto, aufgenommen in Paris und versehentlich nicht ausreichend geschützt, schon landet man auf der Trefferliste „War schon mal in Paris“. Ohne die Suchfunktion Graph Search wäre das Foto vielleicht weitgehend unbeachtet geblieben.

  • Ist das gut oder schlecht?

Das ist eine große Stärke und zugleich eine Schwäche von Graph Search: Man macht auch verborgene Informationen sichtbarer, die einzelnen User sind transparenter. Wenn mir das weiterhilft und die betroffenen User damit kein Problem haben, ist das wunderbar und auch nützlich. Wenn aber auf diese Weise ungewollt Informationen an die Oberfläche geraten, ist das im Einzelfall auch schon mal unerfreulich.

  • Kann man sich denn dagegen schützen, als Ergebnis in den Suchergebnissen von Graph Search aufzutauchen?

Natürlich. Alles entscheidet sich in den Privatsphäreeinstellungen. Hier lege ich selbst fest, wer was sehen darf. Ich kann ja bei jedem Posting, bei jedem Foto, jedem Video, jeder Information, die ich Facebook anvertraue, individuell festlegen und auch bei Bedarf später nachträglich korrigieren, wer davon erfahren darf. Das ist nicht immer ganz einfach und schnell hat man mal aus Versehen die falsche Option gewählt, aber die Möglichkeit besteht. Der Trick ist nun der, sehr gewissenhaft sowohl die allgemeinen Einstellungen für die Privatsphäre unter die Lupe zu nehmen und nötigenfalls zu korrigieren, als auch bei jedem Posting und Upload diese Einstellungen zu überprüfen.

  • Wieso macht Facebook das, wieso führt Facebook diese neue Funktion ein?

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die Suchfunktion bedient durchaus die Bedürfnisse vieler Menschen. Wir wollen doch oft wissen, welche Erfahrungen unsere Freunde oder Kollegen mit etwas gemacht haben, welche Tipps sie geben, wo sie schon überall gewesen sind, welche Musik sie hören… Die neue Suchfunktion fördert all das im wahrsten Sinne des Wortes zutage, liefert uns Antworten, ohne dass wir unsere Freunde selbst fragen müssen. So etwas kann durchaus das Interesse an dem sozialen Netzwerk erhöhen, die Bindung zu Facebook erhöhen. Andere Onlinedienste und Suchmaschinen bieten so etwas bislang nicht an.

Last not least will Facebook aber natürlich Geld verdienen. Das kann gleich doppelt gelingen: Zum einen sind die User länger im Onlinedienst, zum anderen geben sie durch ihre Fragen aber auch wieder etwas über sich selbst preis. Wer etwas fragt, ist neugierig, interessiert sich für etwas – und da kann man wunderbar Werbung platzieren, die etwas mit dem jeweiligen Interesse zu tun hat. Und davon lebt Facebook, vom Platzieren möglichst optimal passender Onlinereklame.

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