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Scott Galloway: Das Problem mit den Big Four

21.01.2016 | Von Jörg Schieb

Profitipps

Aber auf der DLD 2016 wurden auch noch andere Themen aufgegriffen. Ein Vortrag hat besonders viel Aufmerksamkeit verdient – auch wenn er inhaltlich eher harter Tobak war. Und zwar der Vortrag von Scott Galloway. Ein Wirtschaftsprofessor aus New York, der schon länger die IT-Branche unter die Lupe nimmt – und zwar ganz genau. Und jede Menge Kritik äußert.

Was für ein Typ ist denn Scott Galloway?
Also rein optisch fällt er gar nicht weiter auf, er könnte glatt der Boss von einem Startup oder auch einem dieser Megakonzerne sein: Groß, schlank, extrem dynamisch, rastlos, getrieben, mitteilungsstark – er erinnert mich ein bisschen an Steve Jobs. „Ich habe 148 Folien mitgebracht und nur 900 Sekunden Zeit“, so startet er seinen Vortrag. „Also: Bitte anschnallen.“

Seine Ware sind aber keine teuren Gadgets, sondern ist der kritische Blick auf die Branche. Vor allem auf die vier großen, die „Gang of Four“ oder die „4 Horseriders“, wie Galloway sie nennt. Apple. Facebook, Google und Amazon.

Scott Galloway; Rechte: DLD2016

Warum ausgerechnet diese vier Unternehmen – worum geht es bei seiner Kritik?
Galloway beschäftigt sich mit Marken und Zahlen. Diese vier Unternehmen sind Marken – und ihr Wachstum ist enorm. Ihr Wachstum in Umsatzdollar und ihre Marktanteile. Dagegen kommt keiner an: Die andere Unternehmen nicht. Und auch Staaten kaum. Die vier Unternehmen zusammen machen 1,3 Billionen Dollar Umsatz um Jahr. Das entspricht dem Bruttosozialprodukt von Spanien oder Kanada.

Allerdings mit deutlich weniger Einwohnern: Wenn man alle Mitarbeiter dieser vier Unternehmen zusammenzählt, ist das weniger als die Lower East Side in Manhattan. Jeder einzelne Mitarbeiter macht 5 Millionen Dollar Umsatz – im Schnitt. Das macht schon deutlich, wie verrückt dieses Business ist. Und Galloway macht keinen Hehl daraus: Das ist ungesund – und andere zahlen die Zeche dafür, die anderen verdienen entsprechend weniger.

Erfolgreich sein will natürlich jedes Unternehmen. Was ist bei diesen vier Unternehmen so besonders – außer, dass wir sie alle kennen?
Ihre ungeheure Macht, die den jeweiligen Markt, in dem sie unterwegs sind, erdrückt. Wenn ein Unternehmen wie Apple eine Smartwatch auf den Markt bringt, sind gleich alle alle anderen Hersteller nahezu platt gemacht – auch wenn die Umsätze in diesem Markt von Apple für Apple selbst eher Peanuts sind. Apple dominiert den Markt für Mobile Hardware. Apple fährt die fettesten Margen bei den Geräten ein (90% der Margen in diesem Markt). Galloway denkt, Apple wird wohl das erste One Trillion Dollar Unternehmen werden, eine Billion Dollar pro Jahr.

Niemand macht so viel Geld mit Werbung wie Google. Oder Facebook: Das Unternehmen wächst und wächst, macht immer mehr Kohle mit all seinen Diensten, auch mit Instagram, WhatsApp und Obolus Gift wird schon bald Geld verdient. Für Facebook sagt Galloway eine rosige Zukunft voraus. Schon jetzt macht Mark Zuckerbergs Unternehmen mehr Geld als alle gedruckten Magazine zusammen.

Warum ist Amazon mit in der Liste der „Big Four“, denn Amazon kennt zwar jeder, aber Gewinne macht der Konzern doch eher wenig.
Das stimmt: Amazon reinvestiert Gewinne sofort. Und das ist das Gefährliche: Amazon will der größte Alleeverkäufer der Welt  werden – und Mediengigant. Amazon ist schon der größte eCommerce–Shop der Welt. Amazon macht doppelt so viel Umsatz wie die nächsten zehn Onlineshops zusammen. Galloway spricht von „Amazon und den sieben Zwergen“.

Diese Unternehmen sind mittlerweile so groß und mächtig, sie können machen was sie wollen. Sie ersticken Innovation, kaufen, was ihnen gefällt und übernehmen alles. Die Großen diktieren die Spielregeln, sie mischen überall mit, wollen überall Platzhirsch sein – und sind es oft auch. Denn Verluste können Google, Apple, Facebook und Amazon locker wegstecken – andere nicht.

Gibt es denn einen Weg aus der Spirale?
Es gibt eigentlich nur einen Weg heraus: Jeder Einzelne muss Verantwortung übernehmen – was natürlich nicht leicht ist, weil wir alle auch Herdentiere sind. Aber wenn wir alle Apple-Produkte kaufen, bei Google suchen, bei Amazon bestellen und die gekauften Produkte bei Facebook herzeigen, dann dürfen wir uns nicht wunder, wenn diese Unternehmen weiter wachsen und die Kontrolle übernehmen.

Ich denke, wir sollten umdenken. Öfter mal eine andere Suchmaschine verwenden. Unsere Daten bei einem anderen Onlinedienst hinterlegen. Nicht alles bei Amazon bestellen, sondern auch bei anderen Shops nachschauen. Wir sollten die Vielfalt fördern. Natürlich gibt es auch Totalverweigerer, aber das dürfte für die meisten wohl ein bisschen zu schwierig sein, Es lohnt sich, mal seine Gewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen. Denn noch haben wir oft die Wahl. Noch. Geht es nach den „Big Four“, haben wir sie bald nicht mehr. Denn natürlich wollen sie am liebsten immer 100% Marktanteil. und wenn sie den haben, sind sie ja nicht etwa zufrieden, dann ist der nächste Markt dran.

 




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