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Smart Cities: Intelligent, aber angreifbar

06.06.2017 | Von Jörg Schieb

Profitipps

Wir vernetzen unsere Haushalte und unsere Gesellschaft – und denken, das würde immer nur Vorteile bringen. Es gibt Vorteile – aber auch Risiken. Wie groß diese Risiken sind, davon bekommen wir immer öfter eine kleine Geschmacksprobe. Doch es droht der große Ausfall – und der hat dann Folgen.

Wenn der Hausbewohner das Haus betritt, geht wie von Zauberhand im Wohnzimmer das Licht an, wird je nach Jahreszeit die Klimaanlage aktiviert oder der Kamin entzündet – und eine Computerstimme liest die neuesten Nachrichten vor. Was wie die Szene aus einem Science-fiction-Film klingt, ist heute problemlos machbar. Haushaltsgeräte vernetzen und sie mit Hilfe einer smarten Hauszentrale steuern, gerne auch per Sprachbefehl – heute gar kein Problem.

Was auf der einen Seite mehr Komfort bringt, bedeutet gleichzeitig auch mehr Abhängigkeit. Deutlich mehr Abhängigkeit. Was, wenn man sich daran gewöhnt hat, dass das Licht von alleine angeht – oder bestenfalls durch eine gesprochene Aufforderung – doch die Smart-Home-Zentrale fällt aus? Was, wenn man keinen Schlüssel mehr verwendet, um das Haus zu betreten, sondern seinen Fingerabdruck – aber das System streikt? Oder wurde gehackt? Dann stehen wir da – und wissen nicht, was wir tun sollen.

Viel schlimmer, ja dramatisch ist, dass wir als Gesellschaft immer abhängiger werden von Computersystemen und Netzwerken. Wie sehr, das musste British Airways kürzlich erleben: Durch einen Ausfall der IT-Systeme mussten Hunderte Flüge gestrichen werden. Tausende Passagiere blieben am Boden. Ein Millionenschaden. Die Aktie von British Airways verlor dramatisch an Wert.

Nun stelle man sich vor, nicht eine Airline wäre betroffen gewesen, sondern alle. Ein Hackerangriff. Wenn dann auch noch die Bahnverbindungen gestoppt werden, etwa, indem Hacker Kontrolle über die Weichen erlangen, ist das Chaos perfekt. Gestörte Energieversorgung. Wasser wird gestoppt. Ampelanlagen spielen verrückt. Der Mobilfunk fällt aus. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, was dann passiert. Wenn solche Zustände länger anhalten, haben wir ganz schnell bürgerkriegsähnliche Zustände.

Ich weiß, darüber will keiner so gerne reden. Aber diese Gefahr besteht. Das Risiko ist groß – und leider auch real. Klar, jedes Unternehmen macht „Stresstests“, um herauszufinden, wie gut sie gegen Hackangriffe geschützt sind. Aber solche Tests sind nicht vorgeschrieben. Niemand kennt die Ergebnisse. Und wir erinnern uns: Ein vergleichsweise simpler Ransom-Trojaner wie Wannacry hat es vor wenigen Wochen geschafft, Krankenhäuser lahmzulegen. Das zeigt, was möglich ist. Nimmt sich eine fremde Macht vor, bestimmte Ziele konkret lahmzulegen, dann besteht guter Grund anzunehmen, dass das auch gelingen kann – mit unabsehbaren Folgen. Nur eins lässt sich mit Gewissheit sagen: Gut ausgehen wird das nicht.

Die Politik drückt sich vor der Verantwortung. Cyberabwehr-Zentren schützen bestenfalls die Systeme der Bundeswehr und die Systeme der Regierung. Mehr nicht. Alle anderen sind auf sich allein gestellt. Man ist kein Spielverderber und auch kein Technikfeind, wenn man diese konkreten Gefahren benennt und sich dagegen rüstet. Und auch Gedanken macht, wo eine Abhängigkeit komplett zu vermeiden ist. Denn der nächste Krieg ist – zumindest auch – ein Cyber-War. Cyber-Terrorangriffe sind besonders wahrscheinlich. Höchste Zeit, sich darauf vorzubereiten.




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