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Innenminister wollen beim Messenger mitlesen

15.06.2017 | Von Jörg Schieb

Profitipps

Bundes- und Landesminister des Inneren wollen enger zusammenarbeiten – und Zugriff auf Messenger bekommen. Der Wille ist ausgeprägt. Nur wie es funktionieren soll, hat keimner gesagt.

Die Innenminister der Länder und Bundesinnenminister Thomas de Maizière haben sich in Dresden getroffen, um über unsere Sicherheit zu sprechen. „Befugnislücken sind Sicherheitslücken“, so der einhellige Tenor der Innenministerkonferenz. Meint: Wir wollen auch wissen, was sich die Leute auf WhatsApp so schreiben. Künftig soll es rechtlich und technisch möglich sein, dass Polizei und Behörden auf WhatsApp zugreifen können.

Was bringt es, bei WhatsApp mitlesen zu können?

Der Wunsch von Polizei und Strafbehörden, im Zweifel bei WhatsApp mitlesen zu können, ist mehr als verständlich. Natürlich kann das im Einzelfall helfen, Straftaten aufzuklären – und vielleicht sogar, die ein oder andere zu verhindern. Obwohl das bislang eher ein Problem ist, wie Sascha Lobo in dieser Kolumne eindrucksvoll belegt: Nahezu alle Attentäter der jüngsten Zeit waren den Behörden vor ihren Attentaten bekannt. Es unternimmt nur keiner was gegen sie – etwa aus Personalmangel.

Darum ist wohl die Frage zu stellen: Brächte es denn überhaupt etwas, bei WhatsApp mitlesen zu können? Die Antwort: zweifellos. Natürlich ließen sich dann nachträglich über WhatsApp geführte Gespräche analysieren – und im besten Fall auch vor einem geplanten Attentat eingreifen. Einen gewissen Nutzen hätte das auf alle Fälle. Es ist im Grunde ein Albtraum für Ermittler, dass es selbst in absolut gerechtfertigten Situationen keine Möglichkeit gibt, ein Gespräch abzuhören.

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Ein aussichtsloses Unterfangen

Keine Antworten gibt es auf die Frage, wie das denn überhaupt gehen soll. Denn wenn zum Beispiel WhatsApp die Behörden auf Anordnung in die Lage versetzen können muss, sich in einen Chat einzuklinken, müsste im Grunde die erst vor wenigen Monaten eingeführte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aufgehoben werden. Oder WhatsApp müsste eine Backdoor einbauen, damit Behörden im Bedarfsfall über diese Hintertür in die Geräte der zu belauschenden User können, um den Datenverkehr unverschlüsselt abgreifen zu können.

Eine Backdoor ist ein Sicherheitsalbtraum. Jede Backdoor wird früher oder später entdeckt und missbraucht. Dann zahlen wir alle den Preis. Und ein Aufheben der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung kann auch niemand wollen. Wie also soll das funktionieren, liebe Innenminister? Welcher Preis soll gezahlt werden für das Mehr an Überwachungsmöglichkeiten?

Abgesehen davon: Nicht nur WhatsApp muss überwacht werden können, sondern jeder Messenger am Markt. Ein ganz schöner Aufwand. Und auch das würde nicht viel bringen: Die, die man aus gutem Grunde überwachen möchte, würden dann zur Not selbst entwickelte Messenger verwenden, die sich nicht überwachen lassen.




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