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Wie Mark Zuckerberg alle verrät – sogar seine Kinder

29.08.2017 | Von Jörg Schieb

Netzwerk

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ist zum zweiten Mal Vater geworden. Das weiß jeder, weil er es auf Facebook breit tritt – und sogar seine Kinder herzeigt. Von Verantwortungsgefühl hat Zuckerberg keine Ahnung.

Facebook ist der Ort, an dem man leicht jede Scham verliert. Wo Anstand keine Rolle spielt. Wo es nur um ein Sache geht: zu kommunizieren – egal, ob es anderen schadet. Wissen wir eigentlich alles nur zu gut – und stecken unsere Nase trotzdem immer wieder bei Facebook rein.

Doch kaum jemand betreibt den Wahnsinn derart rigoros – und das ist dann schon wieder konsequent – wie Mark Zuckerberg selbst. Der Facebook-Chef ist nun zum zweiten Mal Vater geworden und hat – wieder einmal, wie schon bei seinem ersten Kind – ein Bild und ein paar als rührend gedachte Worte veröffentlicht. Eine Art öffentliche Geburtsanzeige im „Fratzenbuch“, wie Kritiker gerne sagen.

Geburtsanzeige auf Facebook

Mark Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan sind also zum zweiten Mal Eltern geworden. Schön für sie. Aber muss man sich mitfreuen? Wohl kaum. Wie die nun vierköpfige Familie aussieht, mit der neugeborenen Tochter namens August („Die Erhabene“), können wir dort alle sehen. Stellt sich allerdings die Frage: warum?

Klar: Wir sind ja befreundet. Auf Facebook sind alle mit Mark Zuckerberg „befreundet“. Ganz automatisch. Ein paar warme Worte, dass August es gut haben soll, dass sie nicht so schnell groß werden soll etc. gibt es auch noch. Was Eltern so normalerweise denken und tun – nur in der Regel deutlich diskreter. In einem Rahmen, der angemessen ist.

Mark Zuckerberg und seine Frau wählen den öffentlichsten Weg, den es gibt: Facebook. Sie missbrauchen ihr Kind. Erst wenige Stunden alt, wird es bereits ungeniert für Marketingszwecke genutzt. Das schutzlose Kind kann sich nicht wehren. Die Eltern entscheiden – und machen einen riesigen Fehler. Das Interesse, für Facebook die Werbetrommel zu rühren, ist offensichtlich ungleich größer als ihre Fürsorge für den Nachwuchs.

Meiner Ansicht nach hat das Foto rein gar nichts auf Facebook verloren. Schon gar nicht in Kombination mit den geschwurbelten Worten für eine bessere Welt: Die Zuckerbergs wünschen sich, dass ihre Kinder in einer Welt „mit besserer Ausbildung, weniger Krankheiten, stärkeren Gemeinschaften und größerer Gleichheit“ aufwachsen. Esoterisches Gequatsche wie auf einem Schönheitswettbewerb. Sie wollen natürlich unterschwellig sagen: Seht her, wir sind eine ganz normale Familie, wir wollen wie Ihr, dass die Welt besser wird. Mit Facebook – natürlich. Guter Witz.

Eine obszöne Methode

Wie absurd. Ausgerechnet Mark Zuckerberg will die Welt besser machen. Der Mann, der Facebook erschaffen hat. Der dafür sorgt, dass im Eiltempo die Privatsphäre verloren geht, dass sich Narzissmus ausbreiten kann, dass folgenlos gepöbelt, gelogen und gehetzt werden kann. Weltweit. Der sich gegen jede Verantwortung wehrt, so lange es nur möglich ist. Und dieser Mark Zuckerberg will mir erzählen, er setze sich für eine bessere Welt ein? Und damit ich ihm das abkaufe, hält er mir seine neugeborene Tochter unter die Nase? Das ist obszön. Es ist abstoßend. Widerlich. Es ist unmoralisch und dient ausschließlich dem Kommerz.

Kann man jemandem trauen, der seine eigenen Kinder derart schamlos verrät? Der sie nicht beschützt, sondern für die eigenen Zwecke einsetzt? Kann man wohl nicht, Denn jemand, dem die Interessen seiner Kinder Wurscht sind, den kümmern auch nicht die Interessen seiner User – oder Kunden. So gesehen eine ehrliche Sache, diese Geburtsanzeige.

 




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