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IFA Trends: Wenig frischer Wind

01.09.2017 | Von Jörg Schieb

Hardware

 

In Berlin ist mal wieder IFA Time – die Internationale Funkausstellung will zeigen, was es rund um Radio, Fernsehen und Unterhaltungsindustrie Neues gibt. Was wurde dort nicht alles gezeigt in besseren Zeiten: Die erste Videokassette, die erste CD, das Farbfernsehen wurde dort angeknipst – und zum ersten Mal in 16:9 gesendet. Doch was gibt’s dieses Jahr Neues? Das, was wir auch schon letztes Jahr gehört haben – und auf den vielen anderen Messen, die sich kaum noch unterscheiden, ob CES, Cebit oder Mobile World Congress. Aber gibt’s tatsächlich einen Innovationsstau, oder gibt es doch das ein oder andere interessante Thema?

Es gibt definitiv nicht den riesigen Schritt nach vorne, auch nicht den großen neuen Trend. Es werden ohnehin vorhandene Trends weiterentwickelt, etwa Smart Home oder Vernetzung des Haushalts, das Internet of Things, natürlich werden auch Fernseher ein bisschen besser. Aber einige Trends aus den vergangenen Jahren, 3D etwa, spielt überhaupt keine Rolle mehr. Virtual Reality – klar, aber ein Massenthema ist es immer noch nicht.

Zu viele Trendmessen

Aber woran liegt das? Schließlich gilt die IFA trotz allem als sehr wichtige Messe, weltweit. Und während sie früher alle zwei Jahre stattfand, gibt es sie jetzt sogar jedes Jahr. So kurz vor dem Weihnachtsgeschäft müssten die Hersteller doch aus allen Rohren feuern!?

Das Problem ist aber, dass es so viele Messen gibt – und alle decken mittlerweile mehr oder weniger alles ab. Die CES in Las Vegas Anfang des Jahres, die CeBIT im März, dann der Mobile World Congress in Barcelona und, und, und… Wenn es etwas Neues gibt, wird es mehr oder weniger sofort vorgestellt – wer will angesichts so vieler Messen und Shows lange warten?

Darüber hinaus klinken sich große Hersteller wie Google, Apple und auch Microsoft fast komplett aus dem Messegeschehen aus und veranstalten eigene Events. Sie definieren eigene Termine – und da dreht es sich dann nur um ihre Produkte und Visionen. Klar, dass auf den großen Messen dann nichts mehr passiert.

Fernseher mit Wau-Faktor

Eigentlich dreht sich auf der IFA ja traditionell ums Thema Fernsehen. Doch diesmal gibt es nichts Bahnbrechendes, was die Leute dazu motivieren könnte, die Geschäfte zu stürmen. Man kann erkennen, dass immer mehr Fernseher mit OLED-Displays ausgestattet sind.

Die Bildqualität ist hier noch einen entscheidenden Tick besser als sonst, klarere Farben und vor allem ein sattes Schwarz. Aber das sind Optimierungen auf einem hohen Level. Auch Fernseher mit HDR (High Dynamic Range) gibt es immer öfter. Hier gibt es ein breiteres Farbspektrum und brillanteres Bild. Spielt sich aber eher in der oberen Preisliga ab.

Apropos: Zwei Fernseher haben vorab für Aufmerksamkeit gesorgt. Der Samsung-Fernseher „The Frame“ hängt wie ein Bilderrahmen an der Wand, lässt sich hin- und herrücken und zeitgenössische Kunst, bis man ihn einschaltet – und aus der Kunst plötzlich eine Soap Opera wird. Und der LG W7 ist nur 2,57 Millimeter dünn und sieht aus wie ein 77 Zoll großes Poster an der Wand. Kostenpunkt: Ab rund 20.000. Habe ich mir also nicht einpacken lassen.

Neue Gadgetes

Interessant ist eine Art Hörgerät, das LiNX 3D der dänischen Firma ReSound. Eigentlich ein Hörgerät, ein sehr kleines, aber eins, das man mit Bluetooth koppeln und ansprechen kann. Und zack: Schon wird das Ding interessant. Denn wer sich den diskreten Stöpsel ins Ohr steckt, kann sich so per Smartphone mit Musik versorgen – oder mit akustischen Informationen.

Man denke nur daran, dass Sprachassistenten heute ja auf Fragen antworten. Wenn man nun Fragen stellt und bekommt die Antworten direkt ins Ohr, wie ein Fernsehmoderator, dann hat das eine neue Qualität. Oder man lässt sich Navigationsansagen auf den Knopf schicken… Das macht das Minigerät und vergleichbare Geräte nun plötzlich interessant.

Auch Live-Übersetzungen sind denkbar: Das, was der andere sagt, wird live übersetzt und einem aufs Ohr gegeben. Auf der CeBIT gab es da auch schon einen Prototyp für eine solche Lösung. Gut möglich also, dass wir in Zukunft nicht über Google Glass und Co. Sprechen, sondern über Audiolösungen. Eine hörbare Form von Virtual Reality sozusagen. Solche Kopfhörer kosten übrigens so ab 250 EUR.

Thema Vernetzung

Es ist in der Tat ein großes Problem, dass es keine einheitlichen Standards gibt. Wenn man alles aus einer Hand kauft, von einem Hersteller, dann funktioniert das mit der Vernetzung. Aber Haushaltsgeräte, Beleuchtung, Heizung, Garagentor, Fernseher – das alles gemeinsam im Smart Home zu organisieren, ist eine Herausforderung. Die Hersteller würden sich einen großen Gefallen tun – und uns auch! –, wenn sie mehr Grips in das Wie investieren würden. Wie lässt sich alles koordinieren und bequem bedienen? Über die Sicherheit wird auch viel zu wenig gesprochen.

Eine gute Nachricht gab es aber in punkto Zusammenarbeit: Amazon und Microsoft kooperieren bei den Sprachassistenten. Amazon Echo kann künftig auch Microsoft Cortana nutzen – und umgekehrt. Das ist gut für die User, weil zum Beispiel Geräte, die sich eigentlich nur mit einem Assistenten bedienen lassen, dann in zwei Welten gesteuert werden können. Mal ein gutes Beispiel für weniger Abschottung.

 




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