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US-Regierung verbannt Kaspersky-Software aus den Behörden

14.09.2017 | Von Jörg Schieb

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Die US-Regierung hat angeordnet, dass US-Behörden keine Schutz-Software des russischen Anbieters Kaspersky mehr einsetzen dürfen – und zwar aus Gründen der „nationalen Sicherheit“. Die Behörden haben 60 Tage Zeit, eine Strategie zu entwickeln, um die Kaspersky-Produkte abzulösen – und 90 Tage Zeit, die Software tatsächlich zu ersetzen.

Offizielle Begründung: Es sei nicht auszuschließen, dass der Kreml über die weit verbreitete Software bereits Spionage betrieben hat – oder noch betreiben wird. In der Warenhauskette „Best Buy“ kann man keine Kaspersky-Produkte mehr kaufen. Dort können sich Kunden sogar dabei helfen lassen, die Software wieder von ihren Geräten zu entfernen.

Schutz-Software kann schnüffeln

Eine besondere Form von Protektionismus. Kaspersky selbst bestreitet die Vorwürfe vehement (was soll er auch sonst tun). Beweise vorlegen für ihre Vorwürfe kann die US-Regierung nicht. Grundsätzlich ist es absolut denkbar, dass mit solcher Software spioniert wird. Technisch ist es jedenfalls problemlos möglich, weil solche Software tief ins Betriebssystem eingreift und viele Rechte hat.

Das muss sogar so sein, damit das Schutzprogramm überhaupt funktionieren kann. Die Software kann alle verwendeten Programme „sehen“ und auch auf alle Dateien zugreifen, jedenfalls grundsätzlich. Selbst E-Mails mitlesen – gar kein Thema. Je nachdem, welche Software man verwendet.

Natürlich wäre es denkbar, dass so eine Software – von mir aus auf Anweisung aus dem Kreml – diese Möglichkeiten missbraucht. Allerdings würde das aller Wahrscheinlichkeit nach sehr schnell auffallen. Vielleicht nicht unbedingt dem privaten Windows-Benutzer, aber in Unternehmen ganz sicher.

Denn geklaute Daten müssten ja über das Internet transportiert werden. Ganz sicher würden die Alarmglocken läuten, wenn eine Schutz-Software plötzlich Gigabyte an Daten nach Hause schickt. Das wäre dann automatisch das Ende für Kaspersky in der westlichen Welt.

Auch US-Software kann schnüffeln

Der springende Punkt ist: Die US-Hersteller unterliegen generell denselben Schwierigkeiten wie ein russisches Unternehmen. Wenn NSA oder Homeland Security an ein Unternehmen herantritt und sie per Gesetz zwingt, Daten rauszurücken oder gezielt zu spionieren, werden sie das aller Wahrscheinlichkeit nach machen – und sie dürften nicht mal darüber reden.

Genau das ist – das wissen wir seit Snowden – bei den Internet-Providern ja auch passiert. Also wäre es denkbar, dass Produkte von Symantec oder McAfee – um nur zwei Beispiele zu nennen – genau das machen, was man Kaspersky nun unterstellt: Sie könnten jederzeit ihre Kundschaft ausspionieren. Natürlich ebenfalls mit dem Risiko, entdeckt zu werden.

Wie glaubwürdig ist also die Argumentation, die nationale Sicherheit sei gefährdet? Es ist eine politische Entscheidung. Man will vermutlich ablenken von den Untersuchungen, die Kontakte im Umfeld von Donald Trump nach zu Russland betreffend. Außerdem passt das Ganze natürlich auch wunderbar in die America-First-Strategie: Wenn kein ausländisches Produkt benutzt werden darf, dann natürlich das eines US-Konzerns. Wunderbar.

Aber die US-Regierung bedenkt die möglichen Folgen nicht. Was, wenn sich nun die gesamte Welt sagt: Schluss mit Windows, Office, Google, Apple, Norton und Co. auf unseren Rechnern, Smartphones, Internetgeräten – weil zu unsicher? Die Wachstumsbranche schlechthin in den USA würde dadurch einen mächtigen Dämpfer verpasst bekommen, von der sie sich kaum erholen dürfte. Ohne Beweise, ohne Belege, sind die Vorwürfe haltlos. Kaspersky hat sogar angeboten, den Quellcode seiner Software offenzulegen – ein Schritt, den US-Konzerne bislang stets vermieden haben.




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