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Twitter: 280 statt 140 Zeichen

Twitter hat angekündigt, die Zeichenbeschränkung für Tweets von 140 auf 280 Zeichen zu verdoppeln. Es gibt erst einen Test – danach wird eine Entscheidung gefllt. Was für ein Durcheinander.

Als mich ein Freund kürzlich fragte, was das denn überhaupt sei, dieses Twitter, und ich auf die (mittlerweile aufgeweichte) 140-Zeichen-Regel zu sprechen kam, winkte er entschieden ab: Warum sollte ich so etwas benutzen? Einen Dienst, der mir einschränkt, der mir vorschreiben will, wie viele Zeichen ich zu benutzen habe? Auf gar keinen Fall. Ihn hätte ich nicht damit beschwichtigen können, dass Twitter jetzt doppelt so lange Tweets ermöglicht: 280 Zeichen lang.

StockSnap / Pixabay |Twitter will es nun doch mal mit langen Tweets versuchen

280 Zeichen – außer in Asien

Bevor Ihr jetzt zu Euren Smartphones und Desktops stürzt, um es auszuprobieren: Noch ist die 280-Zeichen-Regel nicht aktiv. Twitter probiert es erst mal aus, wie es ankommt bei den Leuten und ob es technisch funktioniert. In allen Sprachen, außer in Chinesisch, Japanisch und Koreanisch. Nicht, weil die Asiaten benachteiligt werden sollen, sondern weil sie ohnehin schon mehr in 140 Zeichen packen können. Da steht ein einzelnes Zeichen häufig für ein komplettes Wort. Allerdings sollen erst mal nur wenige Menschen die 280-Zeichen-Tweets testen. Wie viele genau und wer, das wollte Twitter nicht verraten.

Nach Rückkehr an die Twitter-Spitze deutete Twitter-Gründer Jack Dorsey an, er wolle das Zeichenlimit aufheben. Für Direktnachrichten wurde es dann auch tatsächlich aufgehoben – und es wurden mehr Direktnachrichten verschickt. Für die regulären Tweets hingegen wurde es nicht aufgehoben, obwohl es technisch längst keinen Grund mehr dafür gibt. Weil Twitter ursprünglich auch mit SMS verschickt werden konnten, wurde die Beschränkung eingeführt – in einer SMS sind nur 160 Zeichen möglich. Doch schon nach wenigen Wochen war die SMS bedeutungslos im Twitter-Universum.

Free-Photos / Pixabay

Apps müssen angepasst werden

Kurze Texte sind nicht besser als lange

Es gibt also eigentlich nur noch einen einzigen Grund, Tweets in der Länge zu begrenzen: Man will ein künstlich erzeugtes und aus Unvernunft aufrecht erhaltenes Unterscheidungskriterium beibehalten. Mein Freund hat völlig Recht: Wieso eigentlich einen Dienst benutzen, der mir ohne vernünftigen Grund vorschreiben will, wie lang meine Texte zu sein haben? Wer es angenehm findet, nur kurze Texte zu lesen – das am häufigsten zu hörende und lesende Argument -, der kann ja kurze Texte schreiben und nur kurze Texte lesen. Ruckzuck ließen sich Twitter-Apps auf den Weg bringen, die sich so einstellen lassen, die nur Tweets anzeigen, die eine bestimmte Länge nicht überschreiten.

Als ob ein kurzer Tweet intelligenter, smarter oder sinnvoller wäre als ein langer. Mitnichten. Auch wenn Kollege Dennis Horn das anders sieht. Dass Jack Dorsey und die Seinen auch nicht wirklich an die 140-Zeichen-Regel glauben, sieht man ja: Erst die Aufhebung für Direktnachrichten, dann die Aufweichung, weil URLs von Bildern und @-Referenzen nicht mehr mitzählen – und jetzt das 240-Zeichen-Experiment. Weil denen bei Twitter nicht Schlaueres einfällt, um den kränkelnden Dienst auf Kurs zu bringen, beschäftigen sie sich mit solchem Kleinkram – und bringen damit alle n Aufruhr. Um es in 140 Zeichen zu sagen:

@twitter: Das ist ein Zeichen von #Schwäche, nicht von Stärke.

Wie sehr Ihr das?

 




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