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Die eigenwillige Welt von Twitter

Bei Twitter ist einiges los: Zum einen will der Nachrichtendienst die maximale Zeichenlänge auf 280 Zeichen erweitern – aber erst mal nur testweise und auch nicht in Asien -, zum anderen wurden die Spielregeln angepasst, weil US-Präsident Trump über Twitter Gewalt angedroht hat.

Donald Trump ist bekanntlich ein Twittermaniac. Er hat fast 40 Millionen Follower und betreibt große Teile seiner Präsidentschaft auf Twitter. Vor kurzem hat Trump Nordkorea auf Twitter wenig diplomatisch mit „Auslöschung“ gedroht. Das ist nicht nur Säbelrasseln eines „Commander in Chief“, sondern eine Gewaltandrohung gegen andere im Sozialen Netzwerk. Das verstößt gegen die Nutzungsbedingungen von Twitter, sagen viele – und fordern den Messengerdienst auf, etwas dagegen zu unternehmen. In Zeiten von Hatespeech, die in den Sozialen Netzwerken eingedämmt werden soll, eine durchaus nachvollziehbare Forderung.

Zuerst hat Twitter große Töne gespuckt. Twitter-Gründer und Chef Jack Dorsey behauptet, man würde alle User gleich behandeln – und man würde auch nicht davor zurückschrecken, Donald Trump von Twitter auszuschließen. Doch das ist wenig glaubwürdig. In Wahrheit haben die Twitter-Chefs eine andere Lösung gefunden: Sie formulieren einfach die Spielregeln neu. Künftig werden Tweets nämlich selbst bei Verstößen nicht gelöscht, wenn sie einen „Nachrichtenwert“ haben oder wenn ein „öffentliches Interesse“ daran besteht, dass sie weiter sichtbar bleiben. Eigene Regeln – eigene Interpretation. Und alles ist wieder fein.

Maximal 280 statt 140 Zeichen

Nicht die einzige Neuerung, die Twitter angekündigt hat. Eine andere betrifft die maximale Länge der Tweets. Twitter hat angekündigt, künftig Tweets von maximal 280 Zeichen Länge zu erlauben. Überall, außer in Asien. Denn in Korea, Japan und China könnte man mit 140 Schriftzeichen ohnehin schon deutlich mehr sagen als im Rest der Welt.

In Asien sind Tweets daher statistisch gesehen auch kürzer, es werden weniger Zeichen verwendet. Im Rest der Welt will Twitter die nun längeren Tweets einführen. Doppelt so viele Zeichen. Aber erst mal nur in einem Test: Nur ausgewählte User können 280 statt 140 Zeichen schreiben. Wenn sich das bewährt, könnte das Limit weltweit für alle User erweitert werden.

StockSnap / Pixabay

Die Zukunft von Twitter

Immer wieder wird in Aussicht gestellt, das Zeichenlimit aufzuheben. Bei Direktnachrichten – also bei Nachrichten zwischen Twitter-Usern – ist das Limit schon lange aufgehoben. Auch werden bestimmte Bestandtteile in Tweets nicht mehr mitgezählt, etwa Bezüge auf Twitterer etc. Da blickt niemand mehr durch. Wenn Tweets nun doppelt so lang werden können, wird das willkürliche Limit von 140 Zeichen auf das willkürliche Limit von 280 Zeichen erhöht.

Als Twitter eingeführt wurde, konnte man auch per SMS twittern. SMS sind maximal 160 Zeichen lang. Deshalb die Beschränkung auf 140 Zeichen. Damals also technisch begründet. Aber nur wenige Wochen, denn der Austausch von Tweets per SMS hat praktisch nie eine Rolle gespielt. Trotzdem hat Twitter an dieser merkwürdigen Beschränkung festgehalten – aus technischer sich unnötigerweise.

Unterschiedliche Ansichten

Es gibt manche, die schwören auf 140 Zeichen und argumentieren: In der Kürze liegt die Würze. Aber das ist natürlich unzutreffend. Man kann auch mit wenigen Worten Unsinn verzapfen. Weniger Zeichen sind kein Qualitätsmerkmal. Mehr auch nicht. Eine unnötige Debatte. Witzig fand ich die Reaktion eines Zuhörers: Ich halte das für eine gute Idee, schreibt er, auf 280 Zeichen umzusatteln – so viele Zeichen könne Trump nicht. Aber auch das führt natürlich in die Irre. In Wahrheit sieht es so aus: Twitter hat keine Idee, wohin die Reise geht. 

Während Facebook, Instagram, Snapchat und andere Netzwerk abheben, scheint Twitter eine Netzwerk für die Elite zu sein, vor allem geliebt von Journalisten, vor allem bei uns in Deutschland. Zum Massenmedien entwickelt sich Twitter eher nicht.

Das liegt auch daran, dass Twitter in letzter Zeit keine guten eigenen Ideen mehr hatte, Es wurde nur kopiert: Fotofilter, Videos, Umfragen in Tweets. Alles nicht, was die Userzahlen explodieren lässt. Deshalb ist auch die Werbeindustrie nicht so scharf auf Twitter: Zwar lassen sich hier sehr gut bestimmte Zielgruppen ansprechen, es sind aber zu wenige und das Umfeld ist nicht so positiv und schmeichelhaft wie bei Instagram mit den hübschen Fotos. Twitter hat es wirklich schwer.

 




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