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Onlinestudie belegt: Es wird immer mehr gestreamt

13.10.2017 | Von Jörg Schieb

Mobility

Junge Leute gucken kein Fernsehen mehr – die sind alle im Netz, heißt es. Aber stimmt das wirklich? Wer es genauer wissen will, wirft einfach einen Blick in die neue ARD/ZDF-Onlinestudie, die jedes Jahr neu aufgelegt wird – auch jetzt wieder.

Die ARD/ZDF-Onlinestudie 2017 ist da. 90 Prozent der Deutschen sind mittlerweile online. Das bedeutet: 62,4 Mio. Menschen ab 14 Jahren sind Internetnutzer. Täglich gehen 50 Millionen Deutsche ins Netz. Das sind 72 Prozent. Tendenz: Steigend: Es gehen immer mehr Menschen online, sie gehen immer häufiger online und verbringen immer mehr Zeit online. Das gilt für alle Altersstufen.

Schaut man sich genauer an, was die sogenannten „jungen Leute“ so treiben, lässt sich feststellen: Die jungen Leute sind 4,5 Stunden am Tag online. Wer 14 bis 29 Jahre alt ist, kommt im Durchschnitt auf 274 Online-Minuten am Tag. Interessant ist aber natürlich vor allem, was in der Online-Zeit gemacht wird. Da gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den jungen und reiferen Semestern.

Junge User nutzen anders

Die meisten nutzen das Netz vor allem zur Kommunikation, zum Surfen, Einkaufen oder Spielen. Bei den 14- bis 29-Jährigen sieht das interessanterweise anders aus: Von den 274 Online-Minuten am Tag gehen ganze 116 Minuten und damit rund 42 Prozent der Online-Zeit für Mediennutzung drauf.

Das bedeutet: Sie hören Audios und schauen Videos, Filme oder Serien. Das Internet wird also für fast die Hälfte der Zeit genutzt, um sich konkrete Inhalte anzuschauen oder anzuhören. Das zeit, wie wichtig es für öffentlich-rechtliche Sender ist, das Internet als Distributionskanal zu verwenden: Radio- und Fernsehprogramme, aber auch einzelne Beiträge müssen also möglichst überall im Netz verfügbar sein, nicht nur in den Mediatheken, um die Unter-30-Jährigen dort zu erreichen, wo sie Medien nutzen. Online. Darauf zielt auch der Kommentar des Intendanten des HR – und Recht hat er.

Smartphone über den Wolken

Immer mehr Streaming

Streaming explodiert. Die Nutzungszahlen haben hier enorm zulegt. 23 Prozent aller Nutzer verwenden mindestens einmal die Woche einen Videostream-Anbieter wie Netflix oder Amazon Prime Video, 19 Prozent Musikstreamingdienste wie Deezer, Spotify oder Apple Music. Interessant: Mehr Videonutzung als Audio. Hier gibt es Wachstumszahlen im Vergleich zum Vorjahr, bei Mediatheken und YouTube nicht.

Flatrate fürs Handy

Apropos Streaming. Wer unterwegs streamen will, also auf dem Handy, der braucht starke Nerven, denn die meisten Mobilfunktarife sind in punkto Datenkontingent so knapp bemessen, dass man nicht gerade nach Herzenslust streamen kann – schon gar nicht Videoinhalte. Jetzt wollen Telekom und Vodafone mit Flatrates auf den Markt kommen, die aber alles andere als unumstritten sind. Trotzdem hat die Bundesnetzagentur die neuen Tarife erst mal genehmigt. Worum geht es da konkret?

Die Telekom hat einen neuen Tarif eingeführt, StreamOn genannt. Das sind kostenlos zum Magenta-Tarif zubuchbare Flatrates. Es gibt drei StreamOn-Tarife: Music, Music&Video und Music&Video Max. In der Flatrate kann man unterwegs so viele Daten in der jeweiligen Kategorie streamen, wie man möchte – ohne Zusatzkosten. Je größer der gebuchte Magenta-Tarif, desto größer die Flatrate, die man dazu buchen kann.

Das Problem: Die Telekom-Flatrate gilt nicht etwa für alle Musik-Streamingdienste, sondern nur für ausgewählte. Dasselbe gilt für die Videos: YouTube  und Netflix sind dabei, die ARD-Mediathek ist es nicht. Das ist intransparent für die Kunden – und für die Anbieter. Das verstoße gegen die Netzneutralität, sagen Kritiker, also gegen das Prinzio der Gleichbehandlung aller Daten im Netz. So sieht das auch die Verbraucherzentrale Bundesverband. Doch die Bundesnetzagentur hat dem Tarif jetzt trotzdem genehmigt – allerdings auch einiges kritisiert.

Kritik an den Flatrate-Tarifen

Die Telekom reduziert in einem Flatrate-Tarif die Bildqualität der Videoinhalte auf DVD-Niveau, während es eine solche Reduktion bei Audios nicht gibt. Das sei ein Verstoß gegen das Gleichheitsprinzip, sagt die Behörde. Hier muss die Telekom nachbessern. Auch dass man die Flatrate nur in Deutschland nutzen kann, aber nicht im Ausland, gefällt der Behörde nicht.

Vodafone startet am 26. Oktober mit etwas Vergleichbaren. Da gibt es dann Flatrate-Pakete für Einsatzzwecke, etwa Social-Pass, Chat-Pass, Music-Pass und Video-Pass. Auch hier sind also nur ausgewählte Inhalte in der Flatrate enthalten. Und: Man kann die Pakete auch kaufen. Was in den Augen der Kritiker ein klarer Verstoß gegen die Netzneutralität darstellt.

Bessere Lösung

Bessere wäre eine echte Flatrate: Alle Daten dürfen transportiert werden – zum Festpreis. So etwas gibt es im Ausland. Wer höhere Tarife bezahlt, bekommt die Daten schneller geliefert, also mit höheren Datenübertragungsraten. Wer weniger bezahlt, bekommt die Daten langsamer – aber er bekommt sie. Ohne dass einzelne Angebote oder Inhalte bevorzugt oder diskriminiert werden.




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