Wenn Apple ein neues Produkt einführt, dann gibt es am selben Abend immer auch neue Webseiten – und PR-Videos. Das ist generalstabsmäßig geplant und perfekt koordiniert.

Vor allem die PR-Videos finde ich klasse. Sie bringen die Neuheiten auf den Punkt und versuchen, Emotionalität zu transportieren. Das können Menschen besonders gut. Und wen zerren die PR-Filmdreher immer wieder vor die Kameras? Apple-Manager. Die Leute, die für die Produkte verantwortlich sind.

Manger wie Jony Ive, der “Senior Vice President Design”. Er erklärt uns, in schönstem britischen Englisch, was das jeweils neueste Zaubergerät von Apple so besonders macht, warum so wunderbar gestaltet ist, warum es so wunderbar aussieht, sich so einzigartig anführt, so phänomenal ist.

Jony erläutert das immer mit einer Überzeugung, einer Imbrunst, als hätte er gerade den Weltfrieden gesichert. Dabei hat er “nur” ein neues Produkt auf den Weg gebracht. Dass er dabei von seiner eigenen Leistung schwärmt und sich mithin unentwegt selbst lobt, scheint ihn nicht sonderlich zu stören.

Ich bewundere das auf der einen Seite, weil es deutlich macht, wie gerne die Jungs bei Apple ihren Job machen. Das ist wichtig – und trägt Früchte. Aber es ist auf Dauer eben auch ein bisschen albern, sich derart über sich selbst, seine eigenen Ideen und Konzepte auszulasen. Den Interviews fehlt es an jeder Selbstironie, es gibt keine Distanz.

Im aktuellen PR-Video zum iPhone 4 folgen weitere Enthusiasten wie Bob Mansfield, der für Hardware zuständig ist und vom neuen Display und vom super-flotten Prozessor A4 schwärmt.

Am schlimmsten ist aber Scott Forstall, Senior Vice President Software. Er wirkt regelrecht betrunken vom Erfolg. Es sei ihm und seinen Freunden gegönnt. Apple baut derzeit das meiner Meinung nach beste Handy der Welt. Aber muss man das so ungeniert zelebrieren?

Vielleicht muss man es tatsächlich – allerdings wirkt das auf Dauer peinlich.

Ich würde mir jedenfalls etwas mehr Gelassenheit und Ehrlichkeit wünschen. Wenn Software-Chef Scott Forstall in die Kamera juchzt, wie fantastisch es sei, mit dem neuen iPhone 4 Videogespräche zu führen, dann wirkt das nur noch albern. Der gute Scott vermittelt nämlich fast den Eindruck, als hätte Apple diese Form des Telefongesprächs erfunden, als hätte es vorher keine Videogespräche mit dem Handy gegeben. Doch das ist nun wirklich lächerlich.

In Wahrheit hat es Apple drei Gerätegenerationen lang versäumt, sein Handy mit entsprechneden Kameras und Funktionen auszustatten. Warum auch immer. Jetzt bietet das iPhone – wie hunderte andere Smartphones – auch diese Funktion, und jetzt wird so getan, als wäre das neu. Dabei ist lediglich neu, dass das iPhone für diese Videogespräche WLAN nutzen kann. Selbstironie in der Präsentation? Nein!

1 Antwort
  1. Robert
    Robert sagte:

    Das ist wohl v. a. auch eine Kulturfrage. Die Amerikaner sind hier nun mal deutlich lockerer und ungezwungener als die Europaer und v. a. die Deutschen 😉 Was aus deutscher Sicht mehr als uebertrieben scheint, ist in den USA gerade recht. Man muss sich doch nur die Wahlkampfveranstaltungen in den USA mal ansehen. Die strotzen nur so von Eigenlob und sagen nichts zum Hintergrund oder sind irgendwie selbstkritisch.

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