Facebook hat eine neue Suchfunktion vorgestellt, die sich “Graph Search” nennt und, glaubt man Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, die Art und Weise auf den Kopf stellen soll, wie wir suchen – oder besser: Wie wir Fragen im Internet stellen und welche Antworten wir bekommen. Denn anders als Google und Co. will Facebook keine objektiven Antworten liefern, sondern auf das Wissen in der Community zurückgreifen, insbesondere auf das der eigenen Freunde.

Wie funktioniert Graph Search, wonach kann man suchen, welche Art von Fragen kann man stellen?

Wer wissen will, wann Albert Einstein geboren wurde oder wie die chemische Formel für Wasser lautet, ist bei Graph Search falsch aufgehoben. Graph Search beantwortet Fragen, die mit den eigenen Freunden zu tun haben, direkt oder indirekt. Welche Musik hören meine Freunde gerade, welche Kinofilme gefallen ihnen? Welches Restaurant ist gut oder welcher Freizeitpark? Auf welchem Foto bin ich selbst zu sehen oder ein Freund von mir? Solche Fragen kann Graph Search beantworten, und zwar sehr gut. Jeder, der Graph Search befragt, bekommt also andere Antworten, weil Graph Search alle Daten der Freunde zu einer gigantischen Datenbank zusammenfasst und daraus die Antworten destilliert – und weil jeder andere Freunde mit anderen Erfahrungen hat, bekommt auch jeder andere Antworten.

Und das soll funktionieren?
Das funktioniert dann gut, wenn man viele Freunde hat und die bereit sind, viele Informationen in Facebook zu stellen.

Welche Art von Fragen kann man denn anfangs konkret stellen?
Fragen, die mit Personen, Orten, Fotos oder Interessen zu tun haben. Das ist aber nur ein Anfang, später sollen auch viele andere Aspekte dazu kommen. Alle anderen Fragen werden auch beantwortet – allerdings werden diese Anfragen von Bing von Microsoft weitergeleitet. Microsoft kooperiert hier mit Facebook.

Wie kommt Facebook an die Daten, was wird dafür analysiert?
Facebook analysiert alles, was so anfällt: Fotos sind mit Geodaten versehen, also weiß Facebook, wo seine Mitglieder gewesen sind. Jeder Klickt auf “Gefällt mir” wird registriert und ausgewertet, welche Gruppen habe ich abonniert, mit wem bin ich befreundet, welche Themen kommentiert ein User? Das sind alles Daten, die für Facebook relevant sind und bei solchen Antworten herangezogen werden können.

Mark Zuckerberg hat bei der Präsentation von Graph Search aber mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass der Privatsphäreeinstellungen geachtet werden, dass der Datenschutz wichtig ist. Nur das, was öffentlich zugänglich ist oder eben für Freunde freigeschaltet wurde, kann von Facebook auch in der neuen Suchfunktion genutzt werden.

Trotzdem werfen Datenschützer ihre Stirn mal wieder in Sorgenfalten. Warum? Was wird an der neuen Suchfunktion kritisiert?
Facebook nutzt intensiver als bislang die Daten aus dem Netzwerk. Es werden zwar keine neuen Daten erhoben und angeblich auch nur die Daten ausgewertet, die öffentlich oder für Freunde zugänglich sind, aber bislang sind solche Infos vielleicht verborgen geblieben – jetzt werden sie immer öfter an die Oberfläche gezerrt. Das muss jedem klar sein, der bei FB Mitglied ist und den Dienst benutzt.

Facebook und Microsoft kooperieren hier, ein Schulterschluss von zwei Onlinegiganten gegen Google. Muss Google da was befürchten?
Jein. Natürlich bedeutet es was, wenn zwei Riesen wie Facebook und Microsoft zusammenarbeiten, allerdings werden sie Google nicht gleich gigantische Userscharen wegnehmen. Allerdings setzen sie Google durchaus unter Druck, denn zumindest Suchmaschinen, die soziale Aspekte berücksichtigen, gehört die Zukunft.

Hier muss man Erfahrungen sammeln, hier muss man etwas anzubieten haben. Da ist Google bislang schlecht aufgestellt – und nun droht eben Konkurrenz von zwei Seiten. Man darf nie vergessen: Facebook hat eine Milliarde Mitglieder und kann schon einiges bewegen.