Wenn Google zu seiner Entwicklerkonferenz Google I/O einlädt, schauen alle hin: Entwickler, Journalisten – und natürlich auchz die Konkurrenz. Denn es ist wichtig zu sehen, welchen Weg ein Riese wie Google einschlagen möchte. Auf diese Frage hat Google klare Antworten gegeben: Mehr Virtual Reality, mehr in den Schulen präsent sein, mehr in überhaupt allen Geräten mit Android dabei sein (Stichwort „Internet der Dinge“).

Google hat eine Neuauflage seines Verkaufsschlagers Project Cardboard angekündigt. Die Hardware ist aus Pappmasché, das Bastel-Set gibt es schon für 18 Dollar. Project Cardboard ist ein Bausatz. Man faltet das Pappgestell zusammen und hat dann eine Art 3D-Brille zum Aufsetzen. Die kommt ohne Technik aus, weil man nämlich sein Smartphone reinsteckt – und das präsentiert einem dann die virtuelle Welt in 3D.

Project Carboard

Project Cardboard ist nicht neu, wurde aber insofern erweitert, dass man jetzt auch größere Smartphones über sechs Zoll reinstecken kann. Außerdem bietet Google seine Software nun auch für iOS an. Der Erfolg spricht für sich: Über eine Million Mal hat sich Project Cardboard verkauft (und war damit deutlich erfolgreicher als das Vorzeigeprojekt Google Glass).

cardboard

Das Ganze ist mehr als Spielerei. Zum einen macht Google damit Facebook eine lange Nase, das für das Virtual Reality Headset Ocolus Rift rund 1500 Dollar verlangen will. Zum anderen will Google damit von der Schlappe mit seiner Datenbrille ablenken.

Ab in die Schule: Google Expeditions

Vor allem aber stößt man Türen zu neuen Märkten auf. Google will die Papp-Brille nämlich tatsächlich in die Schulen bringen. Teuer ist die Brille schließlich nicht. Mit einer neuen Software namens Google Expeditions will Google es schaffen, dass Schüler sozusagen virtuelle 3D-Ausflüge in fremde Welten unternehmen. Die Brillen von Schülern und Lehrern sollen synchronisiert werden. Eine ausgefallene Idee, muss ich wirklich sagen, die es wert wird, weiter verfolgt zu werden.

Neue Android Versionen

Neugierig waren die Entwickler aber natürlich vor allem auf die neue Android-Version, die Android M getauft wurde. Wichtige Neuerung: Endlich können auch Android-Nutzer besser kontrollieren, welche Daten einzelne Apps nutzen dürfen. Das war bei Android bislang eher umständlich oder gar nicht möglich, weshalb viele Android-User Extra-Apps nutzen, um ihre Daten zu schützen und die Einstellungen zu kontrollieren. Künftig soll es so einfach sein wie bei iOS – es wird aber auch wirklich Zeit.

google android

Bezahlen mit Google

Außerdem will Google seinen bislang völlig unbedeutenden Bezahldienst Pay ausbauen. 700.000 Shops in den USA sollen Android Pay unterstützen. Ein Angriff auf Apple Pay. Darüber hinaus führt Google mit Android M die systemweite Unterstützung der Identifizierung per Fingerabdruck ein, zumindest bei allen Geräten, die das unterstützen. Eine lange Liste von „We too“. Google eifert bei Android in vielerlei Hinsicht Apple nach. Besonders innovativ ist das nicht.

google pay

Wirklich interessant hingegen ist der neue Fotodienst Google Photo. Hier können User – mit einer entsprechenden App, die es auch für iOS gibt – unendlich viele Fotos und Videos hochladen. Fotos mit bis zu 16 Megapixel Auflösung und Video in Full-HD. Es gibt kein Speicherlimit.

Das ist freilich eine Kampfansage an alle Online-Fotodienste, auch an flickr, wo auch schon sagenhafte 1 TB für jeden User gratis zur Verfügung stehen. Das macht deutlich: Google will unbedingt alle Daten haben.

google fotos