Das Smartphone weiß heute mehr über uns als wir selbst. Kein Wunder, dass viele Menschen ihre Daten im Smartphone sicher verschlüsseln – damit nicht jeder Dieb, nicht jeder Geheimdienst einfach so darauf zugreifen kann. Aber auch nicht das FBI, das das Smartphone des Attentäters von San Bernardino untersuchen will – aber den Code nicht knacken kann. Deshalb will das FBI Hilfe von Apple. Doch Apple weigert sich.

Worum genau geht es eigentlich: Was will das FBI von Apple?
Das FBI will an Daten kommen, die auf dem Smartphone des Attentäters von San Bernadino gespeichert sind. Ein iPhone 5C. Das Problem: Das Smartphone ist gesperrt, also durch einen PIN-Code gesichert. In diesem Modus sind alle Daten im Speicher verschlüsselt. Man kommt nur an die Daten, wenn man den richtigen PIN-Conde eingibt.

Ein Gericht hat angeordnet, dass Apple dem FBI hilft, den PIN Code zu knacken, um so an die Daten zu kommen. Nach zehn Fehleingaben werden die Daten komplett gelöscht, deshalb können die FBI-Ermittler nicht einfach alles PINs ausprobieren. Ein Gericht in Kalifornien hat nun angeordnet: Apple soll die Löschfunktion deaktivieren. Außerdem sollen die PIN-Codes auch digital an das Smartphone übertragen werden können (statt Eingabe am Gerät). Und drittens sollen keine Wartezeiten bei der Eingabe entstehen.Doch Apple weigert sich zu kooperieren.

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Warum weigert sich Apple, die gewünschten Veränderungen an der Software vorzunehmen?
Apple hat wohl durchaus bei den Untersuchungen geholfen. Was Apple aber ablehnt, ist, eine so genannte „Backdoor“ in die Betriebs-Software iOS einzubauen, die Behörden wie das FBI nutzen können, um vorhandene Sicherheitsmechanismen auszuhebeln. Genau das verlangen FBI und Gericht ja.

Wenn es ein solches „Hintertürchen“ im mobilen Betriebssystem gäbe, könnte sie auch von Personen genutzt werden, die nicht autorisiert sind. „In den falschen Händen könnte diese Software – die es bis heute nicht gibt – potenziell jedes iPhone entschlüsseln“, sagt Tim Cook, der Apple-Chef. Eine Garantie, dass eine solche Software nur in diesem einen Fall genutzt würde, könne man nicht geben.

Würde Apple diese Hintertür einbauen, wäre ruckzuck das Vertrauen von Millionen Kunden verspielt, die genau das nicht wollen. Wer seine Daten verschlüsselt, will keine Hintertür. Weder für Geheimdienste noch für Kriminelle.

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Gibt es dieses Problem mit den verschlüsselten Daten denn nur in Apple-Smartphones?
Nein, dass Daten automatisch verschlüsselt werden, wenn das Smartphone oder Tablet gesperrt ist, gibt es bei Apple-Geräten und iOS ab Version und bei Android-Geräten ab Version 5. Eine Reaktion übrigens auf die Snowden-Enthüllungen: Apple, Google und einige andere Anbieter haben danach größere Anstrenungen unternommen, um die Daten der Nutzer besser zu schützen.

Generell wird seit Snowden mehr verschlüsselt: Die meisten Onlinedienste setzen standardmäßig verschüsselte Datenverbindungen ein, Daten werden verschlüsselt auf Cloud-Servern gespeichert, auch auf Festplatten in im Speicher werden Daten immer öfter verschlüsselt und so vor dem Zugriff durch Behörden, Geheimdiensten und Kriminellen bewahrt.

In den USA und in Großbritannien wird der Ruf nach einem Verbot von Verschlüsselung laut – oder zumindest der Anspruch, überall eine „Backdoor“ für Behörden zu haben. Wie realistisch ist es, dass so etwas kommt?
Man wird nicht weltweit die Verschlüsselung verbannen können. Es wird immer effektive Verschlüsselung geben, etwa als OpenSource. Wer etwas verschlüsseln will, der macht es dann. Deswegen wäre es für die amerikanischen Unternehmen ein großer Wettbewerbsnachteil, wenn dort Verschlüsselung verboten würde – und es wäre noch nocht mal hilfreich.

Denn wer wirklich etwas verschlüsseln möchte, der macht es auch. Dann eben nicht mit den Standard-Apps und den Standardwerkzeugen. Doch Verschlüsselung komplett zu verbieten oder zu schwächen bedeutet auch, dass Kriminelle leichter an Daten herankommen. Der Preis ist zu hoch, da gibt es nahezu eine einhellige Meinung zu – mit Ausnahme natürlich der Behörden und Geheimdienste.