Wenn es ums Fotografieren geht, sind die meisten von uns doch eher verspielt: Es kommt nicht so sehr auf die perfekte Bildgestaltung, auf tadellose Farben oder ansprechende Tiefenschärfe an. Viel wichtiger ist uns, dass die Fotos einen schönen Moment einfangen – und/oder einen Aha-Effekt auslösen. Kein Wunder, dass die neue Prisma-App, die seit diesem Wochenende die Runde macht und so vielen Leuten Freude bereitet. Die Prisma-App hat wirklich schöne Filter an Bord, mit denen man aus Fotos nahezu Gemälde machen kann.

prisma-app

Fotos landen auf russischen Servern

Solche Effekte kennt man auch aus anderen Foto-Apps, auch Instagram und Snapchat bieten so etwas generell an. Allerdings macht es Prisma wirklich besonders gut: Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Mit etwas Geschick werden aus simplen Fotos regelrechte Kunstwerke. Was daran liegt, dass die Effekte nicht im Smartphone berechnet werden, sondern auf Servern.

Allerdings werden die Fotos zu diesem Zweck unbemerkt zum Server des Betreibers geschickt. Dort werden sie blitzschnell analysiert und die Gemälde berechnet. Das geht schneller, als wenn das im Smartphone passieren würde – weil Server deutlich leistungsfähigere Prozessoren zur Verfügung haben.

Mittlerweile regt sich Protest dagegen: Curved warnt bereits vor dem Einsatz der App. Denn der User wird nicht gefragt, ob er das möchte. Es passiert einfach. Auf der Privacy-Seite des Betreibers gibt es lediglich ein paar Hinweise, dass Daten erhoben, analysiert und gespeichert werden.

Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass die Informationen möglicherweise mit Dritten geteilt werden. Um diesen Service in der Cloud anbieten zu können, wohl unerlässlich. Da die App vom russischen Mail-Provider mail.ru betrieben wird, ist die Skepsis groß. In der Tat ist es nicht schön, dass man als User nicht in Kenntnis gesetzt oder gefragt wird.

prisma-schieb

Fotos ungefragt in der Cloud

Allerdings ist das eine durchaus übliche Praxis. Auch Sprachassistenten wie Siri, Cortana oder Google Now greifen auf Ressourcen in der Cloud zurück. Was wir sagen, wird unbemerkt an die Server geschickt und dort analysiert. Das geht blitzschnell, ohne dass wir etwas davon merken.

Das Ergebnis kommt ebenso flink zurück. Dass irgendwas im Internet passiert, merken wir nur daran, dass Siri und Co. gar nicht funktionieren wollen, wenn wir keine Onlineanbindung haben. Aber auch hier werden wir nicht explizit gefragt – und den meisten ist es auch nicht bewusst.

Es ist richtig, sich zu fragen, ob es bei einer App in punkto Datenschutz mit rechten Dingen zugeht. Auch ist es gut, skeptisch zu sein. Allerdings verdient ein russischer Server nicht automatisch mehr Skepsis als ein US-Server, denn dort wissen wir, was NSA und Co. treiben. Immerhin greift die Prisma-App (anders als Whatsapp) keine Kontakte ab.

Jeder sollte selbst entscheiden, ob er sich wohl damit fühlt, wenn seine Fotos von Servern in der Cloud bearbeitet werden. Das ist alles andere als unbedenklich. Wer Bedenken hat, sollte Prisma daher nicht nutzen. Außerdem sollte die Prisma-App besser informieren – hier gibt es Nachholbedarf.