schieb.de > Tipps > Twitter, Facebook und Co. in der Türkei schwer zu erreichen

Twitter, Facebook und Co. in der Türkei schwer zu erreichen

16.07.2016 | Von Jörg Schieb

Tipps

Facebook, YouTube und Twitter waren in der Türkei schon wenige Minuten nach dem Beginn des Putschversuchs schwer oder gar nicht zu erreichen, möglicherweise durch eine Sperrung. Was in der Türkei durchaus häufiger passiert. Die Menschen in der Türkei konnten sich nicht mehr untereinander verständigen, sie konnten keine Bilder in die Welt schicken, ihre Angehörigen im Ausland nicht versorgen. Das hat natürlich viele verunsichert.

Wann genau wurden denn welche Dienste gesperrt oder eingeschränkt?

So etwas wird ständig überprüft und überwacht: Um 22:50 Uhr unserer Zeit waren Facebook, Twitter und YouTube schwer oder gar nicht zu erreichen, Instagram und Vimeo (ein anderer Videodienst) waren in der Türkei hingegen noch aktiv. Ob die Dienste komplett gesperrt wurden oder nur phasenweise nicht erreichbar waren, lässt sich schwer beurteilen. Viele Beobachter gehen von einer Sperrung aus. Eine Überlastung des Netzes insgesamt hätte auch die anderen Dienste blockiert.

Türkei Flagge

In der Türkei werden immer wieder soziale Medien blockiert. Wie ist das technisch überhaupt möglich – das Internet soll doch eigentlich tabu sein für solche Behinderungen?

Kommt auf die Infrastruktur an. In der Türkei wird regelmäßig blockiert und gesperrt, also gibt es bereits die nötigen Vorrichtungen. Zentral organisiert. Hier müssen keine Server abgeschaltet werden, es reicht, wenn Domain Name Server (DNS) manipuliert werden, eine Art Telefonbuch, wo drin steht, welche Server angesprochen werden müssen, wenn man einen Internetadresse wie facebook.com verwendet. Das ist sehr effektiv, denn liefert der DNS-Server keine oder eine falsche Antwort, können die meisten Computer oder Mobilgeräte keinen Kontakt aufnehmen.

 

Gibt es denn keine Möglichkeit, solche Sperren zu umgehen?

Doch, durchaus. Es ist ja nicht so, dass die Server von Twitter, Facebook und Co. abgeschaltet würden, darauf hat die Regierung ja keinen Zugriff. Die Verbindung wird gekappt. Indem man Hilfsmittel wie Virtual Privat Networks (VPNs) nutzt, bekommt man in der Regel dann doch Zugriff auf die Dienste. Doch das wissen die meisten nicht, und sie wissen auch nicht, wie das technisch geht.

Im Einzelfall reicht es auch schon, einen anderen Domain Name Server zu verwenden, der aus facebook.com den Server heraussucht, der angesprochen werden soll. Manchmal helfen aber auch andere Tricks: Es hat Menschen in der Türkei gegeben, die haben Mails geschrieben und Menschen im Ausland gebeten, das zu twittern und zu posten. Das hat funktioniert.

 

Bei solchen Ereignissen sind soziale Medien voll von Meldungen, nicht nur aus der Türke. In Ermangelung anderer, nachprüfbarer Informationen und Meldungen greifen auch traditionelle Medien Posts und Tweets auf. Wie verantwortungsvoll sind die Medien da?

Das ist sehr unterschiedlich. So hat es um 0.01 Uhr eine Meldung gegeben, auch bei Focus Online, Präsident Erdogan sei auf dem Weg nach Deutschland. Er wolle dort Asyl beantragen. Das hatte ein Produzent des Nachrichtensenders MSNBC getwittert – und wurde prompt zitiert. Das macht schon deutlich: In solchen Situationen wird nichts überprüft nicht mal auf Plausibilität überprüft. So etwas passiert immer wieder. Die seriösen Medien bemühen sich, abzuwägen, was man berichten kann und was nicht.

rp_twitter-logo-500x375.jpg

Das ist ja ein generelles Problem der sozialen Medien: Man weiß nie, was man da liest, wer das postet oder twittert, ob die Bilder echt sind. Wie geht man damit um?

Absolut richtig: Soziale Medien lassen sich wunderbar missbrauchen. Wenn Fotos, Videos und Nachrichten echt sind, können sie sehr hilfreich sein für Journalisten, um sich einen Eindruck zu verschaffen, wichtige Infos zu bekommen. Aber: Es kann eben auch Propaganda sein, Bilder können manipuliert sein – ist alles schon häufig vorgekommen.

Die Quelle einer Nachricht oder die Authentizität eines Bild zu beurteilen, ist nahezu unmöglich, erst recht in dem jeweiligen Moment und unter Zeitdruck. Wahre Informationen stehen gleichwertig neben falschen Informationen, die Infos von Experten gleichwertig neben Propagandisten und Idioten. Das ist schon ein Grundproblem des Internet allgemein. Umso wichtiger, dass es seriöse Medien gibt, die sortieren, ordnen und einordnen.

 




Jetzt schieb.de Pro Mitglied werden - und PDFs, eBooks und Extras sichern


Mitglieder von schieb.de Pro bekommen jede Woche einen umfangreichen, hochwertigen Report im PDF-Format zugeschickt. Außerdem können Mitglieder kostenlos hochwertige eBooks laden. Und weitere Extras.

Jetzt Mitglied werden. Nur 5 EUR/Monat.

Stichwörter: , , ,

Kommentarfunktion gesperrt.