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tl;dr: Wie können lange Inhalte erfolgreich werden?

09.05.2019 | Von Jörg Schieb

Internet

Die re:publica ist die größte und wichtigste Digitalisierungs-Konferenz in Europa. Diskutiert wurde dieses Jahr unter anderen, wie anspruchsvolle Inhalte (Texte, Podcasts, Videos) so hergestellt werden, dass sie von den Leuten auch wahrgenommen werden – und nicht unter der Welle der Belanglosigkeiten untergehen.

Noch nie haben sich so viele Menschen mit der kryptischen Abkürzung tl;dr beschäftigt. Dank der re:publica jetzt schon – sogar der Bundespräsident. Zumindest mal für einen Vormittag…

Die berechtigte Frage ist ja: Macht uns das Internet schlauer – oder verflacht alles im allgemeinen Gedrängel um die knappe Ressource Aufmerksamkeit? Eine Frage, der auf der re:publica intensiv auf den Grund gegangen wurde. Ich habe darüber mit einigen Experten gesprochen.

Besser keine einfachen Antworten suchen

Zum Beispiel mit re:publica-Chef Markus Beckedahl. Er sieht durchaus einen Hang zur Verflachung. Vor allem, weil die Welt immer komplexer wird – und viele Menschen einfache Antworten bevorzugen. Unbestreitbar richtig – und hier liefert das Internet gerne den nötigen Stoff.

Vor allem die Sozialen Netzwerke verleiten dazu ganz besonders. „Auf der anderen Seite gibt es eine große Sehnsucht nach Long Read“, sagt der re:publica-Gründer – und meint damit vor allem, dass zum Beispiel Podcasts sich zunehmender Popularität erfreuen – eben weil viele sich Zeit nehmen und in die Tiefe gehen.

Nur muss man diese Inhalte finden können – und auch gleich wissen, ob der Inhalt einen interessiert. Hier sieht Netzaktivist Sascha Lobo die Kreativen, die Macher, in der Pflicht. Sie müssten dafür sorgen, dass bei potenziellen Lesern, Zuhörern und Zuschauern das Interesse geweckt wird. Also: Gleich am Anfang sagen/schreiben, was einen erwartet, ist seine Message. Dann würden auch lange Texte wie seine gelesen – oder Podcasts angehört, die stundenlang dauern.

Alle in der Pflicht: Inhalte besser „verpacken“

Es sind also alle in der Pflicht: Die Nutzer müssen genauer hinschauen und sich auch auf längere Artikel, Audios oder Videos einlassen – es gibt sie! Und Anbieter von Inhalten sollten nicht nur den Mut haben, umfangreichere Inhalte anzubieten, sondern sollten sie auch schlau „verpacken“ und den Usern im Netz deutlich machen, dass es sich lohnt, sich genügend Zeit zu nehmen.

Mehr Langsamkeit, mehr Zeit nehmen – das ist auch eine zentrale Forderung von Prof. Dr. Sybille Krämer. Sie ist Philosophin und untersucht sehr genau, wie uns die Kulturtechnik Internet verändert. „Wir lassen uns leicht verleiten und ablenken“, sagt sie. Und mahnt: Wir sollten zu einer Langsamkeit des Denkens zurückkommen. Das kann gelingen – sogar im Internet. Da sind sich die meisten Experten auf der re:publica einig.

Markus Beckedahl mahnt: Nicht nach einfachen Antworten suchen

 

 




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