Microsoft schließt seinen eBook-Bereich im Microsoft Store – und alle jemals gekauften eBooks verschwinden von den Geräten der Kunden. Was mal wieder deutlich macht: Digital Rights Management mutet ehrlichen Kunden einiges zu.

Bücher, Musik, Filme, Spiele – gibt’s heute alles online. Wir kaufen eBooks, lauschen Musik-Streams, verfolgen Hörbücher, leihen oder kaufen Filme beim Anbieter unseres Vertrauens – und lassen uns immer öfter sogar auf Games-Streamer ein.

Das alles scheint so unheimlich bequem: Keine Bücher mehr transportieren müssen, keine CDs mehr suchen und auf gefühlt nahezu alle Filme zugreifen können. Man könnte meinen: Wir befinden uns im Unterhaltungs-Paradies – tun wir aber nicht.

DRM bedeutet: Gekauft – aber nicht deins

Was den meisten jedoch gar nicht bewusst ist: Die überwiegende Mehrheit aller gekauften oder geliehenen Inhalte – ob eBooks, Musik oder Filme – sind mit einem „Digital Rights Management“ (DRM) versehen. Wir bemerken das in der Regel nicht – außer, irgendwas läuft schief. Im Hintergrund wird regelmäßig überprüft, ob wir die Inhalte überhaupt nutzen dürfen. Sind wir die Käufer – und sind wir noch Kunde?

Das kann fatale Folgen haben. Microsoft hat jetzt seinen eBook-Store geschlossen – wegen Erfolglosigkeit. Die Folge: Alle eBooks, die hier gekauft(!) wurden, lassen sich jetzt nicht mehr nutzen. Sie verschwinden einfach aus dem Regal. Lassen sich nicht mehr öffnen. Und das, obwohl die eBooks gekauft wurden – sie sind nicht etwa nur geliehen!

 

Nur geliehen und nicht gekauft

Was belegt: Uns gehören die Dinge nicht, für die wir Geld bezahlen. Das könnte uns auch mit Filmen passieren, die wir bei Apple oder Amazon Prime gekauft haben. Während die Microsoft-eBooks wenigstens auf unseren eigenen Geräten gespeichert sind, verbleiben gekaufte Filme bei Apple, Amazon und Co. Wir haben sie gekauft und dürfen sie auch beliebig häufig anschauen – sie gehören uns aber trotzdem nicht.

Würde Apple, Amazon oder ein anderer Anbieter seinen Dienst einstellen – so wie jetzt Microsoft, nicht eben eine Klitsche -, sind die Inhalte futsch. Für immer. Das „Digital Rights Management“ (DRM) ist schuld, mit dem sich Verlage, Musiklabels oder Studios absichern wollen, dass gekaufte Inhalte nicht einfach weitergegeben werden. Das Bedürfnis der Anbieter kann man verstehen – aber wer setzt sich für die Bedürfnisse der Menschen ein, die gutes Geld bezahlen und zu Recht erwarten, dass ihnen gehört, was sie gekauft haben?

Die Anbieter sollten nicht von kaufen sprechen, wenn sie nur ausleihen meinen – eigentlich nicht mal das: Denn ausgeliehene Bücher kann ich weitergeben, online geliehene Inhalte aber nicht. Die sind mit meinen Geräten und meinen Konten verknüpft.

Mehr Freiheit? Nein: weniger. Die Digitalisierung treibt schon merkwürdige Blüten.