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Facebook: Wer die Massen erreichen will, kommt um das Soziale Netzwerk nicht herum. 2,8 Milliarden Nutzer weltweit. Das ist einfach attraktiv. Und deshalb versuchen auch Verlagre und Sender, im Netzwerk präsent zu sein – wohl wissend, dass das auch eine Menge Nachteile mit sich bringt. Jetzt haben führende Verlage aus Europa eine Kooperation mit Facebook bekanntgegeben: Sie stellen exklusive Video-Inhalte auf Facebook Watch zur Verfügung. Ob das eine gute Idee ist?

Mark Zuckerbergs Soziales Netzwerk Facebook macht gemeinsame Sache mit großen Verlagshäusern aus Europa. Darunter Springer, Burda sowie Gruner+Jahr aus Deutschland.

Eine solche Headline liest man selten. Denn normalerweise sind Facebook und die großen Zeitungsverlage wie Hund und Katze. Sie verstehen sich nicht. Kommen aus anderen Welten. Und können fast unmöglich ein und dasselbe Herrchen haben…

Eigene Sendeformate auf Facebook Watch

Doch jetzt haben Facebook und einige Großverlage doch tatsächlich ein gemeinsames Projekt gestartet: Springer, Burda und Gruner+Jahr werden auf der Video-Plattform Facebook Watch mit eigenen Video-Formaten vertreten sein. Mit eigenen täglichen „Sendungen“, könnte man sagen. Aber eben nicht fürs lineare Fernsehen, sondern für die Video-Ecke bei Facebook.

„Bild Daily“, „Welt News“, „Focus Life Hacks“: So heißen die täglichen Sendungen, die künftig auf Facebook zu sehen sein sollen. „Bild daily“ gibt es sowieso schon und kommt jetzt auch auf Facebook Watch. „Welt News“ soll relevante Nachrichten aus der Welt präsentieren. Und „Focus Life Hacks“ eine Art Ratgebersendung sein: Die Zuschauer können sich mit Fragen an die Redaktion wenden und Feedback geben.

Facebook unterstützt die Verlage. Nicht nur bei der Konzeption und Erstellung der Formate, sondern auch finanziell. Laut Branchenmeldungen zahlt Facebook einen zweistelligen Millionenbetrag an die Verlagshäuser, um ihnen den Start in die Videowelt bei Facebook zu versüßen. Facebook hat keine eigenen Inhalte und ist auf namhafte Lieferanten angewiesen.

Man könnte es wohl auch als Köder bezeichnen.

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Unheilvolle Liäson eingegangen

Die Verlagshäuser haben angebissen – und hängen jetzt am Haken. Sie werden die Zusammenarbeit vertiefen und haben künftig ein starkes Interesse daran, dass es Facebook gut geht. Denn geht es Facebook gut, dann schauen auch mehr Menschen die Online-Sendungen der Verlage auf Mark Zuckerbergs Plattform. Gut für die Verlage. Noch besser für Facebook.

Die Werbeeinnahmen teilen sich Facebook und die Verlagshäuser. Es soll also ein eigenes Ökosystem entstehen. Klingt nach Win-Win.

Doch die Verlagshäuser gehen damit eine gefährliche Koexistenz ein. Denn wenn sie erst einmal angewiesen sind auf den Ausspielweg Facebook – und später vielleicht auch Instagram -, wie sich dann wieder trennen? Das ist fast unmöglich.

Gefährlich auch deswegen, weil Mark Zuckerberg unberechenbar ist. Sein Wort gilt nichts. Er macht, was er will – und schläge gerne Haken. Mal werden die Verlage umgarnt. Mal abserviuert.

Ein geschickter Schachzug von Facebook

Für die Verlage ist es schwierig. Facebook stellt eine riesige Zielgruppe zur Verfügung. 2,8 Milliarden Nutzer weltweit. Allerdings bestimmte Facebook die Spielregeln: Mal sind die Verlage willkommen – da werden ihnen Ausspielwege für Artikel versprochen. Dann wieder werden Artikel und Links darauf weniger sichtbar gemacht in den Timelines der User. Alle Verlage haben nach diesem Schritt erhebliche Einbußen in der Sichtbarkeit gehabt.

Das wird durch die Kooperation bei Facebook Watch nicht besser. Es wird schlimmer. Denn haben die Verlage erst mal einiges investiert in ihre Facebook-Watch-Sendungen, können sie auf den Ausspielweg kaum noch verzichten. Und müssen vielleicht noch größere Kröten schlucken, die Mark Zuckerberg ihnen künftig präsentiert. „Dann gehen wir halt zu Google“, wird als Drohung verpuffen.

Ein geschickter Schachzug von Facebook. Ein vermutlich unheilvolle Entscheidung der Verlage.