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Im Netz kursieren zahllose Videos, die Falschinformationen über Impfschäden verbreiten. Nicht nur zur Corona-Impfung. Youtube stemmt sich dagegen: Das Portal hat viele Videos gelöscht – und sogar einige Konten von Prominenten gesperrt. Was steckt dahinter?

Youtube – kennt heute wohl heute jeder. Hier gibt es Videos satt: Private Videos, Profi-Videos, Beiträge von Influencern, Film-Trailer, Fernsehsendungen… Alles. Leider aber auch Videos mit Desinformation und Propaganda. Jede Menge davon.

Dagegen hat Youtube kürzlich etwas unternommen und diverse Videos von Impfgegnern gesperrt, teilweise ganze Kanäle. Keine einfache Aufgabe für eine Plattform, die Balance zwischen dem Recht auf freie Meinungsäußerung und dem Schutz der Allgemeinheit vor Falschinformationen zu finden.

Youtube hat Konten gesperrt

Youtube entfernt Videos von polemischen Impfgegnern

Youtube ist jetzt auf seiner Plattform entschlossen gegen Impfgegner vorgegangen. Was ist passiert?

Google als Betreiber von Youtube hat erkannt, welche enorme Wirkung Falschinformationen und Impf-Mythen entfalten können, die über Plattformen wie Youtube verteilt werden. Deshalb hat die Plattform bereits 130.000 Videos gelöscht, die den eigenen Covid-Richtlinien widersprechen.

Nun sind aber auch komplette Konten dran, zum Beispiel von Robert F. Kennedy jr., der Neffe des berühmten und 1963 ermordeten John F. Kennedys – in den USA ein bekannter Anti-Impf-Aktivist. Sein Konto wurde gesperrt. So wie auch die Konten vieler anderer Aktivisten. Und da geht es nicht nur um Kampagnen gegen die Corona-Impfung, sondern Impfungen ganz allgemein.

In Deutschland wurde sogar „Russia Today deutsch“ gesperrt, ein Kampagnen-Sender Russlands mit 600.000 Abonnenten. Die aktuellen Sperrungen entfalten eine enorme Unruhe, weil Google nun erstmals zeigt, entschlossen vorgehen zu wollen.

Impfdose

Auf Youtube herrscht Meinungsfreiheit

Youtube ist 2005 gestartet. Die Idee war sympathisch: Die Gründer wollten eine Plattform starten und damit anbieten, auf der jeder seine privaten, persönlichen Videos hochladen und so anderen Menschen zeigen kann. So etwas gab es damals noch nicht. Wir können uns das heute gar nicht mehr vorstellen, wo wir Smartphones besitzen, die Videos in kristallklarerer Qualität aufnehmen können.

Damals gab es erste Digitalkameras, mit denen man digitale Videos drehen konnte. Und um die nicht nur selbst ansehen zu können, brauchte es eine Plattform, die für jeden zugänglich ist. Das war die Idee der Gründer. Das erste Video hatte den Titel „Me at the zoo“, also „Ich im Zoo“ von Youtube-Gründer Jawed Karim. Das Video würde heute keine Likes bekommen und auch nicht geteilt: Karim brüllt nichts in die Kamera. Es passiert auch nichts. Es war einfach ein Schnappschuss im Zoo.

Private Videos kaum noch zu sehen

Seitdem hat sich halt eine Menge getan – heute sehen wir kaum noch private Video.

Dabei laden auch heute noch Menschen private Videos hoch. Nur stellen sie das entweder so ein, dass das Video nur Freunde und Familie sehen können. Und selbst wenn nicht: Youtube hat heute knallharte operierende Algorithmen, die versuchen, das nach oben zu spülen und zu verteilen, was möglichst viele Menschen interessiert, die aufregt oder berührt – und zum Liken oder Teilen animiert.

Ein Typ im Zoo, wo nichts passiert, gehört ganz sicher nicht dazu. Das erste Video auf der Plattform würde heute von den Algorithmen verschluckt. Der Grund ist klar: Youtube ist ein kommerzielles Unternehmen, ein Medien-Imperium. Und hier geht es nur darum: Geld verdienen. Und deshalb gehen Google und andere Plattform-Betreiber auch nicht so beherzt gegen Desinformation, Fake-News oder Mythen vor wie es richtig wäre. Weil sie damit am Ende sogar Geld verdienen. Denn insbesondere solche Inhalte verbreiten sich rasant.

Youtube Fernseher

Druck auf Plattformen steigt

Doch Plattformen wir Youtube oder Facebook stehen immer stärker unter Druck, gegen die Verbreitung von Falschinformationen vorzugehen.

Youtube – so wie auch Facebook und einige andere – verstehen sich als ur-demokratische Instrumente. Zumindest prinzipiell. Es entspricht dem amerikanischen Spirit: Das Recht auf freie Meinungsäußerung hat einen enormen Stellenwert. Jeder darf erst mal alles sagen.

Das Problem ist aber: Auf Plattformen wie Youtube verbreiten sich auch Verschwörungen und dreiste Lügen blitzschnell, weil es keine relativierenden Kräfte gibt: Keine Redaktion, keine Standespflichten wie bei Journalisten. Für die Zuschauer verschwimmen die Grenzen zwischen professionell erstellten Inhalten – und die Inhalte von Menschen, denen alle Regeln egal sind.

Das macht es für Plattformen durchaus schwer zu entscheiden, was erlaubt sein soll und was gelöscht werden muss, weil dann die Vorwurf „Zensur“ kommt. Es führt kein Weg daran vorbei, dass es in freien Demokratien dringend Lösungen für das Problem braucht. Denn weder sollte die Politik, noch sollten die Plattformen entscheiden dürfen, wessen Accounts gesperrt werden. Das muss im Zweifel ein unabhängiges Gremium tun, denn die Justiz ist zu langsam und vor allem operiert sie auch nicht international3.