Über Ultra-Books, Kinect auf dem PC und Google TV

Diese Woche war eine Menge los. In Las Vegas hat die “Consumers Electronic Show” (CES) stattgefunden, die größte und wichtigste IT-Messe in den USA – und traditionell der richtige Ort für die Branche, um neue Produkte und Ideen zu zeigen. Klarer Trend: Computer werden immer mobiler. Als Alternative zu den immer populäreren Tablets hat sich Intel die neue Geräteklasse des Ultrabook einfallen lassen. Super flach, schick, mit Touchscreen – aber dann doch ein vollwertiger PC. Interessantes Konzept.

Ein weiterer klarer Trend: Das Zusammenwachsen von Fernsehen und Internet. Samsung, LG Electronics und Sony sind die ersten Hersteller, die im großen Stil Fernsehgeräte mit eingebautem Google TV bauen. Wer sich solche Smart-TVs ins Wohnzimmer stellt, kann aufs Internet zugreifen und die von Google TV zur Verfügung gestellten Youtube-Kanäle anschauen. Google will sein Google TV in diesem Jahr groß voranbringen. Apple ist mit Apple TV im selben Segment unterwegs. Gerüchten zufolge ist demnächst mit einem eigenen Fernsehgerät von Apple zu rechnen, das iTV vielleicht… Warten wir es ab. Bis dahin kann jeder die Apple-TV Settop-Box an seinen Fernseher anschließen und via iTunes Filme ausleihen oder ins Internet gehen.

Google hat diese Woche in den USA seine Suchfunktion umgestellt. Ab sofort sucht Google personalisiert. Wer einen Suchbegriff eintippt, bekommt nicht nur die üblichen Webseiten präsentiert, sondern auch Inhalte aus dem sozialen Nettwerk Google Plus, etwa Kommentare von Freunden, die zum Thema passen, oder Fotos, Videos oder Empfehlungen. Auf diese Weise hängt die Liste der Ergebnisse ganz entscheidend davon ab, mit wem man befreundet ist – und was die eigenen Freunde so ins soziale Netzwerk einstellen. Das hat durchaus einen gewissen Charme, kann aber auch ganz schön nerven. Deshalb ist es wichtig und gut, dass sich die soziale Suchkomponente auch abschalten lässt. Klar, dass Facebook und Twitter nicht begeistert sind von der neuen Suchfunktion in Google, denn sie bleiben außen vor. Wann auch deutsche Benutzer personalisiert suchen, steht noch nicht fest.

Spannend auch, was Microsoft auf der Messe kundgetan hat: Schon bald soll es die Fuchtelsteuerung Kinect, die es ermöglicht, mit Hüpfen, Springen oder Gesten auf der Spielekonsole Xbox 360 Spiele zu steuern, auch auf dem PC geben. Ein mehr als überfälliger Schritt, denn längst haben Hacker die Kinect an den PC angeschlossen. Schon bald wird man auch Windows und Windows-Anwendungen durch Gestik steuern können, ganz offiziell. Ich bin gespannt, welche Lösungen sich die Entwickler so ausdenken dafür.

Youtube drängt ins Fernsehen: Das Video-Portal startet mit 100 eigenen Fernseh-Kanälen

Was hat Youtube mit Fernsehen zu tun? Auf den ersten Blick wenig, denn Fernsehen ist Fernsehen und Youtube ist Youtube, eine Videoplattform im Internet. Allerdings eine, die immer mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht. Musikvideos? Schauen sich junge Menschen heute nicht mehr im Fernsehen an, sondern auf Youtube – und vergleichbaren Videoportalen. Jetzt hat Youtube über 100 eigene „Kanäle“ angekündigt, mit hochwertigen Inhalten, die immer mehr Leute weg vom Fernseher zu Youtube ziehen sollen. Eine Kampfansage ans klassische Fernsehen und ein weiterer Schritt in Richtung Verschmelzung von Fernsehen und Internet.

Bislang kennen wir Google als Videoplattform, auf der unzählige Videos abrufbar sind, Musikvideos, private Videos, viel Belangloses, aber auch gut gemachte, hochwertige Inhalte. Derzeit werden jeden Tag rund drei Milliarden Videos auf Youtube angeschaut. Doch das reicht Google nicht: Youtube soll an Bedeutung gewinnen und dem Fernsehen, wie wir es heute kennen, stärker Konkurrenz machen. Das kann aber nur gelingen, wenn hochwertige, interessante und möglichst auch exklusiv Inhalte angeboten werden können, die es eben nur auf Youtube und nicht im Fernsehen zu sehen gibt.

100 eigene Fernsehkanäle

Bei den Kanälen handelt es sich vor allem um massentaugliche Themen wie Musik, Lifestyle, Unterhaltung und Sport, vor allem aus den USA. Die Kanäle werden nicht von Nobodys bestückt, sondern teilweise von Weltstars, vor allem aus den USA. Poplegende Madonna zum Beispiel wurde für einen eigenen Tanz-Kanal gewonnen. Ein früherer Basketballstar präsentiert auf Youtube ein Comedy-Programm. US-Schauspieler Ashton Kutcher macht mit. Nur einige von zahlreichen Beispielen. Google soll rund 100 Millionen Dollar in die Hand genommen haben, um die neuen TV-Kanäle zu bestücken. Die Produzenten werden mit Garantien gelockt, aber auch an den Werbeeinahmen beteiligt. Die neuen Youtube-Kanäle sollen nach und nach eingeführt werden, gestartet wird jetzt im November.

Google beschreitet damit einen neuen Weg. Der Grundgedanke ist klar: Wenn mehr hochwertige Inhalte auf Youtube angeboten werden, lassen sich mehr Menschen davon überzeugen, Yoputube zu nutzen – und die schauen sich dann womögich noch mehr Videos an, verbringen mehr Zeit in dem Videoportal. So kann Google mehr Anzeigen verkaufen, sowohl Textanzeigen wie Werbeeinblendungen in den Videos.

Youtube soll auf die Glotze im Wohnzimmer

Google will Youtube auf den Fernseher im Wohnzimmer bringen. Schon heute steht Youtube auf immer mehr Fernsehern zur Verfügung. Viele moderne Fernseher sind heute serienmäßig mit Internetzugang ausgestattet. Wer mag, kann dort auch Youtube-Filme schauen. Da diese in HD-Qualität zur Verfügung stehen, ist das praktisch wie fernsehen.

Google bietet mittlerweile aber auch eine kleine Box an, Google-TV genannt, die kann man an jeden handelsüblichen Fernseher anschließen. Viele Sony-Fernseher sind bereits serienmäßig damit ausgerüstet. Der Fernseher bekommt dann eine Bedienoberfläche , die stark an Google erinnert: Man kann über einen Browser nicht nur in Youtube stöbern, sondern im Internet ganz allgemein. Es ist jedenfalls kein Problem mehr, blitzschnell passende Videos zu finden und auf dem Fernseher(!) anzuschauen. Man braucht keinen Computer mehr.

Auch Apple geht diesen Weg – mit Apple-TV. Für rund 100 Euro kann man sich die winzige Erweiterungsbox kaufen und an jeden Fernseher anschließen. Damit kann man nicht nur in Youtube und anderen Videoplattformen stöbern und die Inhalte auf dem Fernseher anschauen, man kann auch Videos/Filme kaufen oder ausleihen und anschauen, über iTunes. Fernsehen und Internet wachsen erkennbar zusammen. Eine Unterscheidung gibt es kaum noch. Und das macht die Ankündigung von Google, nun 100 eigene Fernsehkanäle zu starten, noch interessanter: Es sind eben richtige Fernsehkanäle, die man sich auch auf Fernsehern anschauen kann – via Internet.

Google TV und Apple TV

Google TV und Apple TV gibt es in den USA, da sind diese Settop-Boxen und die Angebote auch schon ein großer Erfolg. In Deutschland kann an Apple-TV auch schon lange kaufen, seit einigen Tagen auch mit deutscher Benutzeroberfläche, Google-TV gibt es hier noch nicht offiziell. Fürs nächste Jahr ist aber Google TV auch in Deutschland angekündigt. Beide Anbieter starten da nun groß durch.

Es ist offensichtlich, dass solche Angebote boomen werden. Auch die Telekom hat mit Entertain etwas Vergleichbares am Start. Fernsehen kommt in Zukunft aus dem Internet. Es ist einfach auch bequemer: Denn wer schon mal versucht hat, aus einem Angebot von mehreren hundert Kanälen den Passenden auszuwählen, weiß, wie schwierig das ist. Wer Apple-TV oder Google-TV benutzt, muss sich darüber keine Gedanken machen. Man browst durch das TV-Angebot wie durchs Web, sucht die passenden Sendungen, kann sie direkt sehen oder auch aufnehmen und später anschauen.

Bundesregierung setzt auf Youtube

Aber auch die Bundesregierung setzt nun verstärkt auf Youtube. Im Netz hat Regierungssprecher Steffen Seibert angekündigt, dass Bundeskanzlerin Merkel demnächst Fragen der Bürger auf Youtube beantworten will. Alle Bürger haben jetzt die Möglichkeit, Fragen an die Bundeskanzlerin zu stellen – und die will diese Fragen beantworten. Nein, nicht alle Fragen, sondern nur eine kleine Auswahl. Die Idee ist folgende: Bis zum 7. November kann jeder Fragen auf der Homepage der Regierung stellen, wahlweise in Textform oder in einem Video. Die Fragen werden moderiert, durch den automatisierten Google Moderator. Die User können abstimmen, welche Fragen die besten sind und von der Bundeskanzlerin im Anschluss beantwortet werden.

httpv://www.youtube.com/watch?v=bVmidyEX_2M

Ab Mitte November sollen die Antworten dann im Youtube-Kanal der Bundesregierung veröffentlicht werden – nicht alle auf einmal, sondern nach und nach. Ob die Bundesregierung diese Art der Kommunikation mit dem Bürger in Zukunft regelmäßig anbieten will, steht noch nicht fest.

Google TV startet

Jetzt greift Google auch noch nach dem TV-Markt: Im Herbst will der Internetkonzern mit einem neuen Dienst namens Google TV starten. Damit soll es möglich sein, bequem mit dem Fernseher im Web zu surfen und gleichzeitig komfortabler als bisher Fernsehsendungen aufzunehmen oder Filme aus Online-Videotheken auszuleihen.

Die Idee: Fernsehen wird immer komplizierter. Nicht nur, weil es immer mehr Fernsehkanäle gibt, sondern auch, weil digitales Fernsehen immer komplizierter wird. Eine Fernsehsendung oder Film aufzunehmen ist heutzutage eine regelrechte technische Herausforderung.

Das will Google TV ändern. Google will Fernsehen alles einfacher machen – und gleichzeitig Youtube, das ja auch zum Google-Konzern gehört. als Abspielstation aufwerten.
Damit dürfte auch klar sein, dass bei Youtube bezahlte Videos kommen werden. Google TV soll den Markt dafür bereiten. Google sucht derzeit nach Partnern, Kabel- und Satellitenbetreiber, die mit dem Konzern kooperieren wollen. Und wer weiß: Vermutlich hat Google auch schon ein Konzept in der Schublade, wie Fernsehen und Filme über Google-Werbung kostenlos ins Wohnzimmer kommen.

Datenschützern dürfte das Kopfzerbrechen bereiten, wenn Google künftig auch noch weiß, welche Fernsehsendungen wir anschauen…

Google kooperiert zunächst mit Sony und Logitech. Die ersten Sony-Fernseher mit eingebautem Google TV sollen im Herbst auf den Markt kommen. Logitech will eine Settop-Box anbieten, die dann jeden gewöhnlichen Fernseher mit Google TV verbindet.