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Facebook, Google, Twitter und Co. und der US-Wahlkampf

02.11.2017 | Von Jörg Schieb

Internet

Schon lange wird behauptet, russische Kräfte hätten Einfluss auf die Wahl des US-Präsidenten genommen – und dabei klar Donald Trump favorisiert. Mittlerweile sind Details bekannt, die die großen Onlinedienste wie Google, Facebook und Twitter blöd dastehen lassen, da sie diese Einmischung aus Russland zugelassen haben. Sogar mehr als das. Deshalb müssen sich die IT-Konzerne derzeit vor dem US-Kongress verantworten. Und da geht es hoch her.

Facebook, Google und Twitter als „Bad Guys“: Das kennt man sonst nur aus Deutschland. In den USA gelten die Konzerne normalerweise als Mustschüler. Doch jetzt hagelt es Kritik. Wegen Einmischung im US-Wahlkampf.

Da wurde immer behauptet, Russland hätte versucht, mit Hackangriffen in den US-Wahlkampf eingegriffen – dabei war so viel Aufwand offensichtlich gar nicht nötig. Die Russen haben einfach dreiste Anzeigen bei Google, Facebook und Twitter gebucht – und dafür bezahlt. So sind die manipulativen Anzeigen dann auf Millionen Rechnern, Bildschirmen und Displays erschienen.

Ermittler haben diverse Beispiele für diese geschalteten Anzeigen präsentiert. Zum Beispiel ein Bild, in dem Hillary Clinton Teufelshörner hat und mit Boxhandschuhen gegen Jesus kämpft, der ebenfalls Boxhandschuhe trägt. Darunter steht: „Klicke auf Gefällt mir, wenn Du möchtest, dass Jesus gewinnt“.

Das spricht nicht nur konservative Christen an. Die Botschaft: Clinton als Satan, Trump als ihr Gegner. Nur eins von vielen Beispielen, die zeigen, wie „subtil“ hier vorgegangen wurde. Die Anzeigen haben klar Stimmung gemacht – und die großen Onlinedienste haben das nicht nur zugelassen, sondern daran sogar ziemlich gut verdient.

Mit Anzeigen Reichweite erzielen

Da stellt sich manch einer die Frage: Kann denn jeder so ohne Weiteres Anzeigen schalten und sie auf diese Weise verteilen? Grundsätzlich schon, Google, Facebook und Twitter sind sogar dankbar dafür – schließlich leben sie von Werbung. Wer eine Anzeige schalten will, muss das online einreichen – und dann prüfen Algorithmen und teilweise auch Mitarbeiter, ob die Anzeigen geschaltet werden können oder nicht.

Wichtig ist eigentlich nur, dass nicht gegen die Werberichtlinien der Konzerne verstoßen wird. Es geht eine Menge durch, wie man sieht. Das Charmante an Google, Facebook und Twitter ist ja, dass man sehr gezielt Personen ansprechen kann, in bestimmten Regionen, in einem bestimmten Alter, mit einer bestimmten Gesinnung. Von diesen Möglichkeiten haben russische Quellen offensichtlich intensiv Gebrauch gemacht – viele Anzeigen wurden genehmigt und gezeigt. Facebook allein hat rund 3.000 Anzeigen identifiziert.

Desinformation im Wahlkampf

Man muss natürlich fairerweise sagen, dass Wahlkampf keine Zeit für Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit ist. Auch die politischen Parteien selbst nehmen es mit der Wahrheit nicht so genau, ebenso die jeweiligen Unterstützer. Doch wenn sich der US-Senat in Anhörungen mit der Frage beschäftigt, ist es eine ernste Sache. Schon allein deswegen, weil es nach US-Recht Ausländern verboten ist, mit Geld den US-Wahlkampf zu beeinflussen.

Das Volumen der Manipulationsversuche erschreckt, weil keineswegs nicht nur Anzeigen geschaltet wurden: Twitter allein hat 37.000 Accounts identifiziert, die mutmaßlich russischen Ursprung haben. Diese Account haben 1,4 Mio. Tweets abgesetzt und so 288 Mio. Menschen erreicht. Facebook berichtet von Postings aus solchen Quellen, die bis zu 126 Mio. Menschen erreicht haben. Google meldet 1100 Videos, die 309.000 Mal angeklickt wurde. Ein riesiges Ausmaß also.

Gezielte Stimmungsmache

Nein, im Gegenteil: Die identifizierten Werbeanzeigen haben offensichtlich sogar eher selten direkt den US-Präsidentschaftswahlkampf oder die Kandidaten erwähnt. Stattdessen wurden häufig besonders kontroverse Themen ins Gespräch gebracht, Themen wie Waffenrecht, Geschlechterrechte oder Rasendiskriminierung.

Damit lassen sich gut Wähler mobilisieren. Offensichtlich haben die Verantwortlichen auch geschickt die üblichen Möglichleiten genutzt, die Anzeigen regional zu verteilen, also dort, wo sie am besten funktionieren. Das wiederum setzt gute Kenntnisse über die politische Landschaft voraus. Darum gehen manche davon aus, dass es Hilfe aus den USA gegeben haben muss.

Was soll nun passieren?

Die Politik ist nicht amüsiert. Es kündigen sich schärfere Vorschriften an. Das merken auch die Chefs der US-Konzerne, werden kleinlaut, räumen Fehler ein und kündigen bessere Verfahren an, um so etwas künftig zu vermeiden. Wie genau das funktionieren soll, wird allerdings nicht verraten. Mark Zuckerberg nimmt man seine Bekehrungen sowieso nicht ab. Als vor einigen Monaten die ersten Vorwürfe laut wurden, Facebook könnte womöglich den Wahlerfolg Trumps durch die Verbreitung von Fake News begünstigt haben, hat Zuckerberg noch als „irre Idee“ bezeichnet. Mittlerweile ist klar: Die Idee ist alles andere als irre, sondern sehr begründet – und real.

Ich kann nur sagen: Die Macht der Sozialen Netzwerke ist beängstigend. Es muss Schluss sein mit der Verharmlosung der Netzwerke. Ihr Einfluss kann gar nicht zu hoch eingeschätzt werden.

 

 




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