Fake-News sind jetzt schon eine ganze Weile ein großes Thema im Netz. Denn welche News tatsächlich „Fake“ sind und welche nicht, darüber kann man im Einzelfall vortrefflich streiten. Facebook hat bereits einige Methoden entwickelt, um Fake-News und Hasskommentare in seinem Netzwerk zu erkennen und zu filtern. Jetzt hat auch der Onlineriese Google ein Projekt an den Start gebracht, dass Fake-News im Web erkennen soll.

„Project Owl“ heißt das Projekt. Google arbeitet nach eigenen Angaben bereits seit einigen Monaten daran. Es geht darum, Fake-Inhalte zuverlässig zu erkennen, damit sie nicht oder nicht mehr so prominent in den Suchergebnissen auftauchen. Auch in der Autocomplete-Funktion soll aufgeräumt werden.

Das ist für Google noch etwas schwieriger als für Facebook, denn Facebook kontrolliert die Inhalte in seinem Netzwerk und kennt seine User. Google muss Milliarden von Webseiten aus den unterschiedlichsten Quellen bewerten – und das allein anhand des Inhalts. Natürlich versucht Google, mit Hilfe von Algorithmen (Computerprogrammen) die Inhalte zu bewerten. Aber das funktioniert in der Regel nicht 100% zuverlässig, deshalb werden derzeit Tester beschäftigt, die dem Algorithmus helfen sollen, besser zu werden.

Testpersonen helfen dem Algorithmus

Derzeit sollen weltweit Tausende von Nutzen im Einsatz sein, im deutschsprachigen Raum rund 600. Aufgabe der Tester ist es, die Suchergebnisse in einem Blindtest zu bewerten. Sie sollen sagen, ob ihnen die Ergebnisse mit gefilterten Inhalten oder die ungefilterten Ergebnisse besser gefallen. Die Tester machen also keine Angaben zu den betreffenden Webseiten, sondern zu den Suchergebnissen, die mal bereinigt, mal nicht bereinigt sind.

Mit Hilfe der Antworten sollen die Algorithmen lernen, besser zu werden. Die Tester können aber auch Webseiten melden, die irreführende Informationen, unerwartet anstößige Suchergebnisse, Falschmeldungen und unbestätigte Verschwörungstheorien enthalten.

Effekt auf Suchergebnisse

Wenn der Algorithmus zur Beurteilung von minderwertigem Content erst mal zuverlässig zu Ende entwickelt ist, werden es bestimmte Inhalte schwerer haben, in den Suchergebnissen auf den ersten Plätzen zu erscheinen. Damit sind die Inhalte natürlich nicht aus dem Netz verschwunden, das liegt aber außerhalb des Machtbereichs von Google.

Google kann lediglich dafür sorgen, seine Suchergebnisse zu verbessern – und eben minderwertige Inhalte nachrangig oder gar nicht anzuzeigen. Durch Googles Maßnahmen wird die so genannten „Sichtbarkeit“ solcher Inhalte aber enorm reduziert, da die meisten Menschen über Google nach Inhalten suchen.

Webseite oder Website abstrafen?

Google hat viel Erfahrung in solchen Dingen und kann unterscheiden zwischen einer einzelnen Webseite, also einem Artikel zum Beispiel, und einer Website, also einem kompletten Angebot. Einzelne als minderwertig gekennzeichnete Artikel werden sicherlich die Reputation des übergeordneten Angebots, des Blogs zum Beispiel, beeinträchtigen, aber anfangs nur minimal.

Erst wenn sich nach einer Weile herausstellt, dass die Mehrheit der Beiträge minderwertig sind, wird das auch Einfluss auf den kompletten Blog haben, so dass möglicherweise auch „gute“ Artikel nicht mehr in den Suchtreffern erscheinen. Nach derselben Methode bewertet und filtert Google auch bei anderen Kriterien, etwa zu werbigen Inhalten oder Pornografie.

Sinnvoller Versuch

Ich finde die Diskussion um so genannte „Fake News“ grundsätzlich etwas problematisch, da gerne alles als „Fake News“ bezeichnet wird, was einem nicht gefällt – oder was man nicht glauben möchte. Eine Trennlinie zu ziehen ist oft schwierig, besonders für Algorithmen. Deshalb finde ich es gut, dass Google auch Menschen aus Fleisch und Blut zu Rate zieht, und das auf eine sehr diskrete und intelligente Art. Google arbeitet ständig daran, die Suchergebnisse zu verbessern.

Es gibt keine objektiven Kriterien, was eine gute Trefferliste ist. Aufgrund der unfassbar hohen Nutzerzahl hat Google aber die Möglichkeit, die Reaktion der User statistisch relevant zu erfassen und zu bewerten und zu ganz guten Ergebnissen zu kommen. Schwachsinnige Inhalte oder Lügen weniger gut sichtbar zu machen, ist ein gutes Ziel. Das Projekt gefällt mir deshalb.