Eine Künstlergruppe hat in der unmittelbaren Umgebung von AfD-Politiker Björn Höcke ein Mahnmal aufgebaut, so wie in Berlin – nur kleiner. Das Projekt wurde in VIdeos festgehalten und diese auf YouTube veröffentlicht. YouTube hat zeitweise nicht nur die Videos aus dem Portal entfernt, sondern auch das Konto gesperrt. Und alle fragen sich: Warum?

Eine Kopie des Holocaust-Mahnmals in die Nähe des Wohnhauses von Björn Höcke aufzustellen, mag der eine als Kunst, der andere als Provokation verstehen. Vielleicht ist es beides. Doch interessant ist die Frage, wieso YouTube kommentarlos Videoberichte über die Aufstellung des Mahnmals aus seinem Angebot entfernt, wie Mittwoch (22.11.2017) geschehen. Nicht nur die Videos wurden gelöscht, sondern sogar der komplette Account der Initiative „Zentrum für politische Schönheit“ von YouTube gesperrt. Die Betreiber berichten:

„Das gesamte Konto wurde gelöscht, ohne mit uns Rücksprache zu halten. Bei Youtube ist niemand für uns zu sprechen. Der Inhalt der Videos ist juristisch geprüft und unproblematisch – wir wurden auch nicht von Bernd Höcke zur Unterlassung aufgefordert. Was dort vorgeht ist Zensur.“

Erst blockiert, dann wieder freigeschaltet

Zensur ist es nicht gleich, zumindest keine staatliche, wenn Beiträge aus einem Sozialen Netzwerk entfernt werden. Aber: Es ist natürlich ein erheblicher Eingriff. Und einer, der erstaunt. Denn normalerweise muss schon eine Menge passieren, damit ein US-Dienst etwas aus dem Netz entfernt.

Gewöhnlich passiert das nur, wenn gegen die berühmten Nutzungsbedingungen verstoßen wird. Was das konkret bedeutet und unter welchen Umständen wie gehandelt wird, das bleibt meist das gut gehütete Geheimnis der Onlinedienste. In diesem Fall das Geheimnis von YouTube, das zum Internet-Riesen Google gehört.

80 Minuten nach der Sperrung des Videos und des Accounts waren sowohl das Video wieder sichtbar als auch der Account wieder freigeschaltet – zweifellos das Ergebnis von massivem öffentlichen Druck. Eine plausible Begründung für die Sperrung gibt es bislang nicht. Möglicherweise hat ein Algorithmus entschieden: Das geht so nicht – und den Stecker gezogen.

Da niemand die genauen Spielregeln und Mechanismen der Algorithmen kennt, kann auch keiner sagen, ob diese Behauptung stimmt. Falls ja, ist dieser Fall ein weiterer eindrucksvoller Beleg, wie miserabel Algorithmen arbeiten. Wenn es kein Algorithmus war, sondern eine menschliche Entscheidung, ist es ein Beleg dafür, dass YouTube willkürlich handelt. So oder so beunruhigend.

YouTube entscheidet, was gezeigt werden darf

Willkür als Methode und Schieflage der Machtverhältnisse

Während Schockvideos für Kinder bei YouTube durchgewunken werden, reagieren Algorithmen oder Aufpasser blitzschnell und gnadenlos bei einer Kunstaktion, die sich gegen eine politische Provokation richtet und selbst provokativ ist. Das klingt alles andere als beruhigend. Das klingt äußerst beunruhigend. YouTube hat also das Recht, alles aus dem Netz zu entfernen, was dem Dienst – aus welchen Gründen auch immer – nicht passt. Wenn der Gesellschaft aber Inhalte nicht passen, dauert es ewig, bis sie entfernt werden. Eine völlig inakzeptable Situation. Eine völlige Schieflage der Machtverhältnisse.

YouTube ist ein öffentlicher Raum. YouTube will es so. Gleichzeitig ist YouTube aber ein privates Unternehmen. Komplett kommerziell. Es darf nicht sein, dass Algorithmen die Öffentlichkeit regulieren.