Auf einer Veranstaltung in Köln wurde die wichtige Frage gestellt – und diskutiert: Gefährden Facebook, Google und Co. die Demokratie? Für viele eine überraschende Frage. Denn die Netzwerke erlauben doch jedem, ihre Meinung zu sagen. Allerdings hat die Sache auch einen Preis.

Es ist wie Magie: Wir geben einen Suchbegriff ein – und Google präsentiert Fundstellen im Netz, die erstaunlich gut passen. Oder wir fragen einen Assistenten wie Siri oder Alexa und bekommen Ergebnisse vorgelesen. Soziale Netzwerke verbandeln alte und neue Freunde – und verteilen Nachrichten unter ihnen. Wir können überall unsere Meinung sagen und Fotos wie Videos sehen, die andere gemacht haben. Wunderbar, oder?

Schaden oder Nutzen für die Gesellschaft?

Weil die großen Onlinedienste so praktisch, so allgegenwärtig und mittlerweile so unverzichtbar sind – oder zu sein scheinen, das reicht ja schon -, machen wir uns kaum Gedanken, welche Wirkung das alles hat. Wie das funktioniert. Ob uns das als Gesellschaft eher nützt oder eher schadet. Deshalb ist es klasse, dass der Initiativkreis öffentlich-rechtlicher Rundfunk zu einem Symposium aufgerufen und die Frage gestellt hat: Bedrohen Facebook, Google und Co. unsere Demokratie?

Es wurden interessante Positionen und kluge Gedanken dazu ausgetauscht. Ein Vorteil, wenn auf einem Podium Menschen sind, die sich mit dem Thema auskennen und sich Gedanken gemacht haben – und es nicht, wie leider so häufig im Netz, nur darum geht, den anderen zu „dissen“. Denn das ist ein üblicher Reflex im Netz: Hat jemand eine andere Meinung oder Gedanken, die nicht gefallen, hat er oder sie schlichtweg keine Ahnung. Ist gestört. Fremdgelenkt. Schon wird er oder sie geteert und gefedert. Das kennen wir alle.

Auf der Bühne gibt es so etwas zum Glück eher selten. Damit sind wir schon bei einem sehr wichtigen Punkt: Viele glauben, das Internet an sich wäre automatisch gut, weil nun jeder sagen kann, was er denkt und fühlt und meint – Demokratie. Nicht mehr nur die Großen und Mächtigen. In der Tat ist dieser Gedanke charmant: Die Mehrheit ist nicht groß und mächtig und bekommt so also mehr Möglichkeiten geschenkt. Natürlich ist das charmant und reizvoll.

„Eine Gefährdung für die Demokratie“?

Aber führt das zu mehr Demokratie? Ist das gut für uns? Prof. Dr. Armin Grunwald – als Technik-Philosoph einer der Experten im Panel – sagt klar: Nein. Klipp und klar: „Facebook ist eine Gefährdung für die Demokratie.“

Weil sie unsere Kommunikationsgewohnheiten auf eine Weise verändern, die für die Demokratie nicht gut ist. Demokratie braucht eine offene, eine lebendige, eine wahrheitssuchende Öffentlichkeit. Das wird schwieriger. Und Demokratie braucht Meinungen, die frei entstehen können. Stattdessen sorgen diese Konzerne dafür, dass wir immer vorgefertigte Meinungen bekommen, Manipulation. Dass wir weniger frei entscheiden können, als es ohne diese Firmen der Fall war.

Prof. Dr. Grunwald

Das ganze – aus meiner Sicht sehr interessante Gespräch – findet Ihr im Video.

Das Problem scheint überdeutlich: Eben dass Konzerne wie Facebook oder Google tief in unsere Meinungsbildung eingreifen, bestimmen, was wir sehen – aber ganz eigene Vorstellungen haben, was richtig und wichtig ist. Ihnen geht es um Optimierung des Umsatz – nicht darum, die Demokratie zu fördern. Das kann nur die Politik ändern. Entschlossen. In Europa.