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DeepL: Dolmetscher durch Deep Learning

20.09.2017 | Von Jörg Schieb

Other

Wo bekommt man eine richtig gute Übersetzung geboten? Was die Onlinedienste bislang bietet, ist ganz ordentlich, aber weit davon perfekt zu sein. Doch dank Deep Learning werden die Übersetzer immer besser. Einer kommt aus Deutschland und ist auffallend talentiert – DeepL.

Wenn ein Text zu übersetzen ist, greifen die meisten von uns zu Google Translate, Microsoft Translator oder vergleichbaren Diensten, wenn sie ein Wort, einen Satz oder eine Webseite übersetzen lassen wollen. Die kostenlose App Google Translate ist besonders nützlich, weil man damit auch Texte auf Menüs, Karten oder Schildern übersetzen kann – einfach, indem man die Smartphone-Kamera drauf hält.

Die Macken und Tücken der Übersetzer

So weit, so nützlich. Fehlerfrei übersetzen kann aber auch Google Translate nicht. Den Sinn erfasst man in der Regel, trotzdem sind die Übersetzungen manchmal etwas holprig. Hier gibt es noch viel Luft nach oben. Und in diesem Segment möchte sich der Übersetzungsservice eines Kölner Start-Ups etablieren: Deepl übersetzt automatisch Texte. Auf Hochleistungsrechnern, die in Island stehen und leistungsfähig genug sind, um bis zu eine Million Wörter pro Sekunde übersetzen können.

Dank neuronaler Netze und Deeplearning (was die Konkurrenz natürlich auch einsetzt) wird die Software immer besser. Die Programme analysieren vorhandene, von Menschenhand vorgenommene Übersetzungen von Reden, Ansprachen, Büchern, Artikeln, Songs, eBooks etc. – und lernt daraus. Die Folge: Die Übersetzungen werden von Mal zu Mal besser, vor allem bei Redewendungen, umgangssprachlichen Formulierungen und allem, was sich im weitesten Sinne als Eigenheiten einer Sprache bezeichnen lässt.

 

Der Teufel steckt im Detail

Fangen wir mal mit einfacher Sprache an – mit Tweets von US-Präsident Donald Trump. Etwa diesem Tweet, den er nach seiner jüngsten Ansprache vor den Vereinten Nationen gehalten hat:

Das übersetzt Deepl mit: „Ein großer und wichtiger Tag bei den Vereinten Nationen: Treffen mit Staats- und Regierungschefs vieler Nationen, die mit vielen (oder allen) von dem einverstanden sind, was ich in meiner Rede gesagt habe!“ Hervorragend. Beeindruckend finde ich, dass aus „leaders of many nations“ völlig korrekt „Staats- und Regierungschefs“ wird.

Dass das leider nicht selbstverständlich ist, zeigt die Übersetzung von Google Translate: „Ein großer und wichtiger Tag bei den Vereinten Nationen. Mit Führern vieler Nationen, die mit viel (oder allen) von dem, was ich in meiner Rede gesagt habe, zustimmen!“ Mit „Führern“ also – und danach wird es grammatikalisch sehr verdreht.

Und wie sieht es mit schöner Sprache aus – mit Literatur? Auch das wollte ich wissen und habe deshalb die deutsche und französische Ausgabe von „Der kleine Prinz“ aus dem Regal geholt. Google Translate macht aus dem berühmten Satz: „Man sieht nur mit dem Herzen gut!“ folgendes: „On ne voit que le cœur bien!“ Was man versteht, aber nicht korrekt ist. Wie im Original übersetzt es Deepl: „On ne voit bien qu’avec son cœur.“ Treffer!

Kostenpflichtiger Service geplant

Der Übersetzungsdienst DeepL ist kostenlos – und kommt von einem deutschen(!) StartUp. Ich wollte von den Machern wissen, wie sie mit diesem Service Geld verdienen wollen, denn die Webseite ist komplett werbefrei und Geld wird auch nicht verlangt. Kommt irgendwann Google, Microsoft, Apple, Facebook oder wer auch immer – und kauft den Laden einfach auf, weil die Übersetzungen deutlich besser sind? Nein, sagt Dr. Silvia Lipski von DeepL.

Demnächst soll eine API eingerichtet werden, also eine Schnittstelle, damit Dritte den Dienst nutzen können – gegen Entgelt. Dann sehen wir DeepL vielleicht auch in anderen Onlinediensten, ohne es zu merken.




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