Internet-Tempo: Was bringt die Transparenz-Verordnung wirklich?

von | 03.12.2016 | Tipps

Egal ob Glasfaser-Router, Kabel-Modem oder 5G-Smartphone: Das vom Provider versprochene Daten-Tempo wird nach wie vor eher selten eingehalten. Meist bekommen die Kunden dauerhaft eine niedrigere Bandbreite geboten – oft sogar erheblich niedriger. Die seit 2017 geltende TK-Transparenz-Verordnung sollte Provider zwingen, neben Mindest- und Maximal-Tempo auch das durchschnittliche Daten-Tempo zu veröffentlichen. Was ist daraus geworden?

Die Tempo-Angaben der Provider sind nach wie vor hoffnungslos optimistisch – um es mal höflich auszudrücken. Mit dem üblichen Zusatz „bis zu“ bei den Tempo-Angaben im Werbeprospekt („bis zu 1 GBit/Sek“) ist praktisch jedes Daten-Tempo möglich. Das beworbene Maximal-Tempo wird in der Realität selten erreicht. Wir wissen das mittlerweile alle, aber es ärgert uns trotzdem – zu Recht. Denn was sollen diese Angaben bedeuten, wenn sie praktisch wertlos sind?

WLAN Router

Was bringt die Transparenz-Verordnung wirklich?

Seit 2017 gilt die TK-Transparenz-Verordnung der Bundesnetzagentur. Das Ziel war klar: Internet-Anbieter sollten beim bereitgestellten Daten-Tempo nicht mehr so einfach mogeln können. Sie müssen seither drei konkrete Werte angeben: minimales, durchschnittliches und maximales Tempo.

Die Realität? Die meisten Kunden schauen immer noch hauptsächlich auf das maximale Tempo – und werden weiterhin enttäuscht. Das durchschnittliche Tempo, eigentlich der wichtigste Wert, geht im Marketing-Getöse unter. Dabei zeigt es am ehrlichsten, was ihr wirklich erwarten könnt.

Besonders problematisch: Mobilfunk-Anbieter dürfen laut Verordnung sogar ausdrücklich Schätz-Werte angeben. Bei 5G werden mittlerweile Fantasie-Geschwindigkeiten von „bis zu 10 GBit/s“ beworben – Werte, die nur unter Laborbedingungen erreicht werden.

SpeedTest Download

Speed-Tests zeigen die Realität

Regelmäßige Speed-Tests mit Tools wie der Connect-App, Speedtest.net oder der Breitbandmessung der Bundesnetzagentur decken die Wahrheit auf. Besonders die offizielle Breitbandmessung-App ist interessant: Damit könnt ihr bei erheblichen Abweichungen sogar euer Sonderkündigungsrecht geltend machen.

Die Bundesnetzagentur definiert „erhebliche Abweichung“ so: Wenn die normale Geschwindigkeit nicht mindestens 90 Prozent der vertraglich vereinbarten maximalen Geschwindigkeit erreicht, die verfügbare Geschwindigkeit nicht mindestens 90 Prozent der vertraglich vereinbarten normalerweise zur Verfügung stehenden Geschwindigkeit erreicht oder die minimale Geschwindigkeit unterschritten wird.

Glasfaser: Neue Hoffnung, alte Probleme

Mit dem massiven Glasfaser-Ausbau der letzten Jahre sollte sich die Situation eigentlich verbessern. Glasfaser kann die beworbenen Geschwindigkeiten theoretisch problemlos liefern. Trotzdem gibt es auch hier Flaschenhälse: überlastete Server der Anbieter, schlechte Peering-Verbindungen oder einfach veraltete Router beim Kunden.

Viele Provider setzen mittlerweile auf symmetrische Tarife – Upload und Download gleich schnell. Das ist besonders für Homeoffice und Video-Calls wichtig. Aber auch hier gilt: Prüft regelmäßig, ob ihr bekommt, wofür ihr zahlt.

5G und die nächste Täuschungs-Runde

Bei 5G wiederholt sich das alte Spiel in noch extremerer Form. Die Provider werben mit Multi-Gigabit-Geschwindigkeiten, die praktisch nur direkt am Sendemast bei perfekten Bedingungen erreicht werden. In der Realität sind die 5G-Geschwindigkeiten oft kaum besser als bei gutem LTE.

Dazu kommt: 5G-Tarife sind deutlich teurer, haben aber oft Datenvolumen-Begrenzungen. Nach wenigen Gigabyte wird gedrosselt – dann sind auch theoretisch mögliche Höchstgeschwindigkeiten irrelevant.

lte

Was könnt ihr tun?

Erstens: Messt regelmäßig euer tatsächliches Tempo, am besten zu verschiedenen Tageszeiten. Die offizielle Breitbandmessung-App der Bundesnetzagentur ist rechtlich besonders relevant.

Zweitens: Schaut beim Tarifvergleich nicht nur aufs Maximum, sondern fragt nach Erfahrungen anderer Kunden in eurer Region. Online-Foren und Bewertungsportale helfen dabei.

Drittens: Nutzt euer Sonderkündigungsrecht, wenn die Leistung dauerhaft nicht stimmt. Die Bundesnetzagentur hat die Regeln dafür 2022 verschärft – zugunsten der Verbraucher.

Fazit: Noch immer viel heiße Luft

Die Transparenz-Verordnung war ein Schritt in die richtige Richtung, aber kein Durchbruch. Die Provider-Lobby hat verhindert, dass wirklich bindende Mindeststandards eingeführt wurden. Das Ergebnis: Wir bekommen mehr Zahlen präsentiert, aber keine Garantie für bessere Leistung.

Immerhin: Mit den neuen Mess-Tools und Sonderkündigungsrechten habt ihr heute mehr Möglichkeiten, euch zu wehren. Nutzt sie auch – nur so entsteht Druck auf die Anbieter, ihre Versprechen einzuhalten.

Zuletzt aktualisiert am 05.04.2026