Die Nachrichten sind äußerst widersprüchlich: Während das Online-Musikportal musicload.de, das bei T-Online untergebracht ist, für Dezember 2004 einen Rekordumsatz melden konnte (1,4 Millionen verkaufte Titel) und sich auch Apples Music Store “iTunes” recht großer Beliebtheit erfreut, müssen andere Portale dicht machen, etwa popfile.de. Ende 2004 hat der Musikladen für immer seine virtuellen Pforten geschlossen. Aus und vorbei. Es hat sich ausgepoppt.

Dabei war popfile.de hierzulande einer der ersten Anbieter von Musik im Internet. Allerdings wurde der Pioniergeist nicht belohnt. Obwohl das Herunterladen von Musik immer beliebter wird, haben die Kunden popfile.de den Rücken gekehrt. Ein Grund mag sein, dass sich popfile.de nicht besonders entwickelt hat. Das Angebot war stets verhältnismäßig bescheiden. Doch das wohl größte Handicap: Bei popfile.de gab es nahezu ausschließlich Musiktitel von Universal Music zu kaufen.

Was ist teuer – und was zu teuer?

Oft wird argumentiert, Musik sei im Internet einfach zu teuer. Und das, obwohl Anbieter wie iTunes einzelne Songs für 99 Cent und ganze Alben mitunter bereits für 9,99 Euro verkaufen. Günstiger bekommt man im Laden ganz sicher nicht. Das erfolgreichste deutsche Musikportal musicload.de greift den Musikfans teilweise etwas tiefer in die Tasche: Hier kann ein einzelner Song ohne weiteres bis zu 1,59 Euro kosten. Was viele nicht bedenken: Früher musste man zumindest eine Maxi-Single kaufen. Oder eine Mini-CD mit drei, vier Titeln, obwohl man eigentlich nur einen Titel haben wollte.

Ist Musik im Netz also wirklich zu teuer? Verlangen die Musikkonzerne zu viel Geld? Natürlich gilt auch hier das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Die Nachfrage ist zweifellos groß, das zeigt das ungeheure Interesse an Tauschbörsen jeder Art. Aber immer mehr Konsumenten haben wohl das vage Gefühl, für ihr Geld keinen angemessenen Gegenwert zu bekommen. Obwohl man sich auch darüber mitunter wundern kann. Vor allem angesichts der Tatsache, dass viele ohne mit der Wimper zu zucken 1,99 Euro oder noch mehr für einen aktuellen Charthit als Klingelton auszugeben.

Für zwei bis drei Euro einen Klingelton – ein Schnäppchen!

Zwei, drei Euro für einige Sekunden Chartgedudel. Wohl gemerkt landet der gewählte Song keineswegs in CD-Qualität auf irgendeinem Kopfhörer, sondern die ersten 20, 30 Sekunden des Stücks als stark verfremdeter, bestenfalls mit Mühe zu erkennender polymorpher Klingelton im Mobiltelefon. Aber dafür zahlt die Jugend – während die Originale zum digitalen Ladenhüter werden, weil angeblich zu teuer.

Verrückte Welt? Zweifellos. Doch im einen Fall gibt es keine Alternativen. Es gibt keine Tauschbörsen für Klingeltöne. Weil das technisch aufwändiger ist. Aber vor allem, weil der Versand der musikalischen SMS-Nachrichten auf jeden Fall Kosten verursacht. Da bleibt man lieber ehrlich – und kauft artig im Klingelton-Shop ein.

Verwendungsbeschränkungen verstören die jungen Konsumenten

Bei “richtiger” Musik ist das anders. Die ist schnell auf den PC geholt, noch schneller über das Internet verschickt oder auf dem MP3-Player verstaut. Technische Hürden: Keine. Es sei denn, man kauft die Musik in einem Onlineshop. Dann sind die Musikstücke mit “Digital Right Management” (DRM) versehen, auf gut deutsch: Die Musik kann nicht beliebig kopiert, abgespielt, gebrannt werden. Kein Wunder, dass so etwas nicht so gut ankommt…

Es sind also gar nicht mal die Preise, die viele vom ehrlichen Einkaufen im Musikshop abhalten dürften – es ist eher die Gängelei, der bunte Reigen an Einschränkungen, die sich ein ehrlicher Käufer gefallen lassen muss. Das fängt schon damit an, dass ein Kunde am besten vorher prüft, ob sein MP3-Player vom jeweiligen Musikshop überhaupt unterstützt wird. Auf dem PC lässt sich die Musik immer abspielen (wenn nicht gerade Linux eingesetzt wird), auch das Brennen bereitet meist keine Probleme. Aber das Überspielen auf einen MP3-Player kann zum Abenteuer, wenn nicht zum Albtraum werden.

Auch das Format sollte frei wählbar sein

Musikfans im Netz verlangen einhellig: Das Dateiformat der gekauften Musik sollte frei wählbar sein. Ein verständlicher Wunsch. Denn wenn ein Musikshop nur das Musikformat WMA anbietet (Windows Media Audio), lässt sich die Musik auf einem Apple Macintosh oder einem Linux-PC nicht abspielen – selbst wenn es kein Digital Right Management gäbe. Entsprechendes gilt für Apples Musikformat, das sich nur dank der kostenlos verteilen iTunes-Software auf einem Windows-PC abspielen lässt. Mit anderen Playern aber nicht.

Könnte der Kunde beim Kauf selbst wählen, in welchem Format er die Musik gerne hätte, gäbe es die nachgerade babylonische Formatverwirrung nicht. Im Interesse des Kunden wäre das zweifellos. Und ganz bestimmt würde das auch die Bereitschaft erhöhen, im Internet Musik einzukaufen. So wie Klingeltöne mit wachsender Begeisterung geladen – und eben bezahlt! – werden. Weil alles ganz easy ist: Das verwendete Handy auswählen. Auf “Senden” klicken. Fertig. Alles funktioniert reibungslos.