Apple hat die dritte Generation seines Browsers Safari vorgestellt: Zum ersten Mal gibt es das Programm nun auch für Windows. Allerdings mit erhebliche Schwächen.

Steve Jobs ist kein Mann, der Bescheidenheit für eine Tugend hält. Der Apple-Chef protzt gerne – und häufig. Kaum jemanden überrascht es deshalb, wenn Jobs seinen eigenen Browser „Safari“, der in der Mac-Welt recht populär ist, unbescheiden als „schnellsten Browser überhaupt“ bezeichnet. Jetzt ist damit auch die Windows-Welt gemeint, denn die dritte Generation von Safari gibt es auch für Microsoft Windows.

Konkurrenz für IE, Firefox und Co.

Damit bekommen die in der Windows-Welt üblicherweise verwendeten Browser Internet Explorer, Firefox und Opera also Konkurrenz. Seit Dienstag können Apple- wie Windows-Benutzer auf Apples Homepage den Safari-Browser kostenlos abholen. Keine Version, die fix und fertig wäre, sondern eine „Public Beta“. Quasi zum öffentlichen Test freigegeben.

Bis zu zwei Mal schneller als der Internet Explorer soll Safari sein, sogar schneller als der für sein hohes Tempo geschätzte kostenlose Browser Firefox. Safari macht tatsächlich einen flotten Eindruck: Webseiten erscheinen im Blitztempo auf dem Bildschirm.

Wer Safari auf seinen Windows-Rechner installiert, startet unübersehbar ein Apple-Produkt. Safari sieht auf Windows-Rechnern genauso aus wie auf einem Macintosh.

Optik wie auf dem Mac

Fensterrahmen, Scrollbalken, Icons – alles wie in der Mac-Welt. Selbst der Fortschrittsbalken in der Adresszeile sieht genauso aus wie auf dem Mac. Wer vom Mac zu Windows wechselt, wird das zu schätzen wissen. Eingefleischte Windows-Benutzer hingegen dürften die Optik irritierend finden, da sie in der Windows-Welt nun mal unüblich ist.

Bedienung und Funktionsumfang sind gut durchdacht. Safari importiert auf Wunsch vorhandene Bookmarks aus bereits vorhandenen Browsern. Die Verwaltung der Bookmarks funktioniert ganz ähnlich wie in iTunes: Einfach die gewünschte Webseite oder Adresse in die Bookmark-Liste ziehen und dort durch Fallenlassen ablegen. Das versteht man sofort. Auch die Verwaltung von „Tabs“ ist gut gelöst: Zum ersten Mal lassen sich Tabs durch Drag and Drop neu anordnen. Wer auf ein Tab klickt und bei gedrückter Maustaste auf den Desktop zieht, öffnet so ein neues Fenster. Gute Idee.

Stolperfallen in Safari 3 Beta

Als praktisch erweist sich auch eine „Snapback“ genannte Funktion: Ein Klick auf das kleine orangefarbene Pfeilsymbol in der Adressleiste führt den Benutzer automatisch zum letzten Suchergebnis oder in die oberste Ebene der aktuellen Webseite. Wer „Private Browsing“ aktiviert, surft im Web, ohne Spuren zu hinterlassen. Safari speichert in diesem Modus nichts auf der Festplatte, keine Cookies, keine temporären Dateien, keine Suchergebnisse. Das erhöht die Privatsphäre, vor allem, wenn man einen PC mit anderen Personen teilt.

Safari enthält viele gute Ideen und überzeugt durch ein innovatives Layout sowie eine eingängige Bedienphilosophie. Allerdings ist Safari für Windows noch allzu spürbar in der Testphase: Auf vielen Rechnern stürzt Safari bereits wenige Sekunden nach dem Start ab, und das nicht nur auf Windows-Rechnern, sondern auch auf Apple Macintosh. Benutzer beklagen sich über fehlende Schriften und vor allem über erhebliche Probleme bei der Darstellung von Webseiten.

Webseiten werden nicht korrekt dargestellt

Das ist besonders ärgerlich: Es gibt zwar grundsätzlich allgemein verbindliche HTML-Standards, aber jeder Browser interpretiert die Spielregeln der Webdarstellung anders – und reklamiert gleichzeitig den Anspruch, als einziger Browser die Regeln korrekt umzusetzen.

Darum ist es durchaus üblich, dass der Internet Explorer manche Webseite anders darstellt als Firefox oder Opera. Solange es sich um Kleinigkeiten handelt, etwa eine leicht verrutschte Grafik oder ein unpassender Schatten, ist das auch nicht weiter tragisch.

Safari 3 jedoch hat erhebliche Darstellungsprobleme. Viele populäre Webangebote werden teilweise bis zur Unkenntlichkeit entstellt und lassen sich deshalb nicht benutzen. Selbst die im Web allgegenwärtigen Google-Anzeigen stellt Safari nicht korrekt dar. Allein die Apple-Seite scheint keine Probleme zu bereiten. Das Aufrufen der Bookmarks oder der History verursacht nicht selten einen Absturz. Viele Apple-Fans sind entsetzt.

Das ist sehr schade, denn eigentlich macht Safari einen guten Eindruck. Apple hätte allerdings besser testen sollen, bevor erste Schritte in der Windows-Welt unternommen werden. Beta hin, Beta her: So lässt sich Safari leider erst mal nicht vernünftig benutzen.