Überall auf der Welt schickt Google Autos durch die Straßen, um Aufnahmen von den Straßen, Häusern und Plätzen zu machen und die Aufnahmen dann als Google Streetview kostenlos im Netz anzubieten. Nirgendwo regt sich dagegen mehr Widerstand als hierzulande: Hausbesitzer und Wohnungsmieter befürchten den Untergang des Abendlandes, wenn ihre Behausungen im Web zu sehen sind – selbst wenn diese Häuser jeder sehen kann, der durch die Straßen flaniert.

Ohne wiede Widerstände wäre sicher auch Deutschland längst als Google Streetview im Netz – so müssen Streetview-Fans noch warten.

Sehenswert ist das Video, das Google in dieser Sache hergestellt hat – und das Funktionsprinzip von Google Streetview sehr charmant und sympathisch erklärt. Das ist dann auch zu sehen, dass Gesichter wie Autokennzeichen automatisch gepixel und damit unkenntlich gemacht werden. Dasselbe gilt für Häuser, sofern die Besitzer/Eigentümer Widerspruch gegen die Aufnahmen einlegen und das Google per Onlineformular oder Mail an streetview-deutschland@google.com wissen lassen.

Mir persönlich erschließt sich die ganze Aufregung nicht so recht. Ich finde: Mit der Unkenntlichmachung von Gesichtern und Autokennzeichen ist eigentlich ausreichend viel getan, um die Privatsphäre von Menschen zu schützen. Häuser an öffentlichen Straßen sind nunmal öffentlich zugänglich. Jetzt ernsthaft zu diskutieren, ob der Fotoarm 2,90 Meter hoch sein darf (was er ist) oder auf zwei Meter beschränkt werden müsste, weil das die Augenhöhe eines Erwachsenen ist, halte ich für absurd. Das erinnert mich ein bisschen an die Sorge mancher Eingeborenen, ihre Seele würde entfernt, wenn sie fotografiert werden. Man kann diese Sorge respektieren – aber wirklich verstehen kann sie wohl kaum jemand.

Ganz ähnlich geht es mir mit jenen, die Sorge haben, wenn ihr Haus oder ihr Viertel in Google Streetview auftaucht.

8 Kommentare
  1. PC-blog-Berlin
    PC-blog-Berlin sagte:

    Es ist schon merkwürdig still geworden um Wikileaks und Julian Assange. Könnte natürlich auch sein, dass da im Background einge Deals abgelaufen sind. Bares, Straffreiheit bei der Vergewaltigungsgeschichte, einen gewissen Status, wie ihn nur Staaten verleihen können, wer weiss? Zumindest fällt auf, dass nach dem anfänglichen weltweiten Hype, der seinesgleichen suchte, inzwischen gegen Null tendiert. Grüße aus Berlin

  2. Jörg Schieb
    Jörg Schieb sagte:

    Wieso entsetzt? Und was hat das mit der Wohnung zu tun? Google (oder wer auch immer, es gibt auch andere Streetview-Dienste) machen ja keine Aufnahmen von der Wohnung, sondern Aufnahmen vom Haus – von einer öffentlich zugänglichen Straße aus. Der zitierte Artikel 13 schützt doch etwas ganz anderes: Dass niemand in meine Wohnung eindringen darf, auch und besonders nicht staatliche Gewalt. Das ist ja auch mehr als richtig so. Aber diese Dinge zu verquicken, halte ich für vollkommen unverhältnismäßig. Abgesehen davon halte ich auch das Datenkrake-Argument bei Streetview für unpassend: Das kann an anderer Stelle absolut berechtigt vorgetragen werden, aber nicht bei Streetview.

  3. Susi
    Susi sagte:

    Ich bin gespannt auf Google-Streetview und würde es mit Internet-Freunden aus Übersee ebenso gern nutzen wie Google-Earth, um zu schauen, wie es bei ihnen aussieht. Habe keine Bedenken, es Ihnen zu zeigen.
    Allerdings sehen mein Haus und Grundstück nicht so aus, dass sich Einbrecherbanden aus Bukarest her bemühen würden.
    Ergibt sich noch die Frage: Wieso Bukarest?

    @ Dennis
    Meiner Meinung nach ist der Vergleich mit Eingeborenen gar nicht so unpassend, zumal der Autor dazu schrieb, er könne deren Sorge respektieren. Deine letzten beiden Sätze sind unsachlich.

  4. Abraxl
    Abraxl sagte:

    Sehr geehrter Herr Schieb,

    ich bin bei einem Journalisten, sowie ich Sie bisher einschätzte, regelrecht entsetzt wie Sie versuchen der Datenkrake Google Tür und Tor zu öffnen.

    Übrigens; kennen Sie den?

    Artikel 13

    (1) Die Wohnung ist unverletzlich.

  5. Jörg Schieb
    Jörg Schieb sagte:

    Also ich kenne die Sorgen der Streetview-Gegner. Und natürlich ist es denkbar, dass Kriminelle mit solchen Fotos recherchieren. Aber das ist halt eine Güterabwägung: Wieviel Nutzen bringt es einer Gesellschaft – und welcher Schaden entsteht tatsächlich und konkret? Ich finde, die potenzielle Gefahr wird heillos übertrieben.

  6. Orthokls
    Orthokls sagte:

    Ist ja ganz schön, aber es ist so dann auch gewährleistet, daß potentielle Einbrecherbanden aus z.B. Bukarest sich fröhlich und mühelos aus weiter Ferne Häuser z. B. in Hamburg oder Köln oder sonstwo ansehen können, um so in aller Ruhe potentiell interessante Objekte auszubaaldowern und zu sammeln und dann diese kampagnenweise abgrasen zu können.

  7. Dennis
    Dennis sagte:

    Hallo,

    der Vergleich mit den Eingeborenen ist ja wohl lächerlich. Wenn ich etwas nicht verstehe, dann frage ich. Das würde dem Autor auch gut tun. Denn es gibt durchaus nachvollziehbare Gründe, warum manche Menschen Streetview ablehnen. Versteht man deren Sorgen nicht, dann kann man sie fragen, aus welchem Grund sie Streetview ablehnen. Aber das könnte dazu führen, daß man selber kritischer wird. Und das scheint dem Autor zu gefährlich zu sein.

    LG D e n n i s .

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  1. […] in den virtuellen Gassen von Google Streetview. In keinem anderen Land der Erde weht Google der Wind so stark ins Gesicht wie bei uns in Deutschland. Viele fragen sich: Dürfen die das? Sollen die das? Müssen die […]

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