Auch dieses Jahr gibt es wieder Protest gegen den Castor-Transport, der von der französischen Wiederaufbereitungsanlage in La Hague in die Atomanlage Gorleben fährt. Früher Wurfzettel wurden verteilt, heute rühren Gegner online die Werbetrommel für Demos, sie informieren auf Webseiten und in sozialen Netzwerken über Projekte und organisieren online Kundgebungen oder Aktionen.

Es gibt mittlerweile diverse Webseiten, die gegen Castor-Transporte protestieren. Unter www.castor-schottern.org erfahren Besucher, dass sich Castor-Gegner ständig neue Strategien ausdenken, wie sie den Castor-Transport erschweren oder behindern können. Eine Strategie: Den Schotter aus den Gleisen entfernen. Denn wenn nicht genügend Schotter vorhanden ist, kann der Castor-Zug nicht sicher fahren. Der Schotter muss erst nachgefüllt werden – oder eine andere Strecke her.

www.castor-schottern.org informiert aber nicht nur über diese Strategie, sondern bietet auch reichlich Hintergrundinfos, etwa wann und wo Busse losfahren, über 160 Busse sind laut Webseite bereits organisiert, wann man wo übernachten kann (es gibt sogar eigene Camps), ob und welche Demos die Polizei verboten hat und vieles andere mehr.

Die Webseite www.atomkraft-abschalten.de hat ganz ähnliche Ziele. Diese für Castor-Gegner wichtigen Infos bekommt man auf Wunsch aber auch als Newsletter per E-Mail zugeschickt, insbesondere in den Tagen vor und während des Castor-Transports. Auf diese Weise sind Gegner und Demonstranten bestens im Bilde. Weil es aber auch durchaus Ärger wegen der Aktion gibt – einige Plakate wurden bereits beschlagnahmt –, hat die Webseite auch eine Anlaufstelle für Rechtsfragen eingerichtet, an die sich jeder wenden kann, der Fragen hat oder betroffen ist.

Ziel von www.x-tausendmalquer.de hingegen ist es, möglichst viele Sitzblockaden zu organisieren. Eine Protestmethode mit Tradition: Sitzblockaden führen immer wieder dazu, dass der Zug anhalten muss. Mit dem zivilen Ungehorsam wollen die Betreiber Zeichen setzen. X-Tausende Menschen widersetzen sich gemeinsam dem Transport mit einer großen, gewaltfreien Sitzblockade – dieser Idee verdankt die Webseite ihren Namen.

Auch hier gibt es reichlich Hintergrundinfos, etwa zur Anreise, wo man übernachten kann, wo geeignete Stellen für Sitzblockaden sind. Die Webseite erklärt aber auch die Beweggründe – und wer das Projekt alles unterstützt, erfährt man auch, darunter Bund, Attac, Naju, Jusos und viele andere. Auf einer Onlinekarte von Deutschland kann man sehen, wo im Vorfeld Infoveranstaltungen stattfinden.

Besonders erfolgreich ist auch das Aktionsnetzwerk Campact. Die hier bereits initiierten Online-Petitionen gegen die Laufzeitverlängerung waren sehr erfolgreich. Mehrere 10.000 Unterzeichner in wenigen Tagen – das kriegt man auf der Straße kaum hin. Die Macher von Campact sind erkennbar Protestprofis: Sie finanzieren das Onlineangebot, für das sogar kostenpflichtige Anzeigen bei Google geschaltet werden, über Spenden. Zielgruppe des Onlineprojekts sind vor allem Menschen, die bisher noch nicht politisch aktiv waren. Über die Unterzeichnung einer Online-Petition wollen sie Menschen dazu bringen, sich zum ersten Mal an einer Demonstration zu beteiligen.

Natürlich werden heute aber nicht nur Webseiten genutzt, um sich zu informieren oder etwas zu organisieren, sondern alle verfügbaren Mittel. Newsletter per E-Mail zu verschicken sind eine Möglichkeit. Natürlich werden heute aber auch Twitter und Facebook genutzt, um aktuelle Ereignisse bekannt zu machen oder kurzfristig neue Versammlungsorte bekanntzugeben. So gibt es zum Beispiel auf dem Twitter-Kanal #castornixda organisatorische Tipps, Links und Hinweise für alle, die schon zur Demo unterwegs sind. Wer auf der Twitter-Homepage nach “Castor” sucht, findet schnell die passenden Kanäle.

Auch bei Facebook formiert sich der Widerstand. Die Greenpeace Jugend will auf ihrer Facebook-Seite Mitglieder dazu bringen, dem Protest ein Gesicht zu geben. Castor-Gegner sollen sich mit einem großen gelben X fotografieren lassen, als Zeichen für die Ablehnung von Atomkraft, Laufzeitverlängerungen und Castor-Transporten. Die Bilder sind auf der Facebook-Seite der Gruppe zu sehen, Hunderte haben bereits mitgemacht.

Auch politische Parteien schalten sich ein: Die SPD in Uelzen/Lüchow-Dannenberg, wo sich der Verladebahnhof für den Castor-Konvoi befindet, betreibt eine eigene Facebook-Gruppe. Die Facebook-Gruppe fordert unter anderem dazu auf, eine Online-Petition gegen die Verlängerung der Restlaufzeiten von Atomkraftwerken zu unterzeichnen. Der Vorteil von Präsenzen bei Facebook und Co: Die User können die Angebote bequem weiterempfehlen. Der Schneeballeffekt tritt leichter ein.

Der Castor-Transport ist ein sehr aktuelles Thema, die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke ist aber auch ein Thema, das im Web eine immer größere Rolle spielt. Wer sich über dieses Thema informieren will, findet im Web jede Menge Infos. Auch auf Youtube. Dort habe ich ein sehr schönes Video entdeckt, das genau erklärt, in nicht mal vier Minuten, was es mit Castor eigentlich auf sich hat

httpv://www.youtube.com/watch?v=BnoTcBCNGDE