Google fördert mitunter merkwürdige Dinge zutage, das wissen wir spätestens seit dieser Woche. Welche unerfreulichen Begriffe Google präsentiert, wenn man „Bettina Wulff“ in die Suchmaschine eintippt, das weiß dank der Klage gegen Google und der sich anschließenden Medienberichterstattung nun wirklich jeder in Deutschland.

Aber warum diese Aufregung gerade jetzt? Vielleicht, weil ein Buch erscheint, das promotet werden will. Denn die Suchanfragen selbst können es unmöglich sein, die Bettina Wulff stören. Die haben nämlich seit Februar 2012 dramatisch abgenommen. Das belegt Google Trends: Hier kann man nachschauen, wie oft – über die Zeit – ein Begriff bei Google eingegeben wurde. „Bettina Wulff“ war in den letzten Monaten jedenfalls kein Thema mehr. Also eigentlich auch kein Grund, sich zu ärgern.

Erst durch die Klage hat das Abfragevolumen dramatisch zugenommen: Drei Mal mehr Anfragen zum Thema „Wulff“ als zur Hochzeit kurz vor Rücktritt des Ex-Bundespräsidenten Anfang des Jahres. Wenn Frau Wulff weniger Aufmerksamkeit bei Google wollte, ist das misslungen. Wenn sie mehr wollte, hat’s geklappt.

3 Kommentare
  1. Gilhorn
    Gilhorn sagte:

    Nachdem Der BP Wullf zurückgetreten war oder worden ist, hätte seine Frau besser den Mantel des Schweigens über alles gehüllt. Dass Sie mit Ihrem Buch publizitysüchtig in die Öffentlichkeit drängt, birgt auch gewisse Risiken.

    Was die Klage gegen Google betrifft, ist hier mal ein sehr interessantes Urteil des Hanseatischesn Oberlandesgerichtes in Hamburg, Urteil vom 26.05.2011
    – 3 U 67/11 –
    „Google-„Snippets“: Suchergebnisse („Snippets“) haben keinen ehrverletzenden Aussagegehalt
    Unterlassungsanspruch gestützt auf eine Persönlichkeitsverletzung besteht nicht.“

    Hier der Link:
    http://www.kostenlose-urteile.de/Hanseatisches-Oberlandesgericht-in-Hamburg_3-U-6711_Google-Snippets-Suchergebnisse-Snippets-haben-keinen-ehrverletzenden-Aussagegehalt.news14147.htm?sk=9a3d902173ef9377d35d303cca231364

  2. Jörg Schieb
    Jörg Schieb sagte:

    @stefan: Ich muss und will mich nicht interessant. Frau Wulff soll sich wehren dürfen, aber die Ursache an der Quelle zu bekämpfen ist zweifellos sinnvoller. 🙂 Bei einem Algorithmus ist wohl keine Sympathie oder Antipathie zu erwarten, von daher auch keine Motivation für einen „Rufmord“ — oder PR. Autocomplete präsentiert ohne Beachtung der Person ein Abbild des aktuellen Suchbids. Darauf Einfluss nehmen zu wollen ist in etwa so schlau, wie sich gegen Statistiken wehren zu wollen. Wer diese PR-Lawine derzeit nicht im Zusammenhang mit dem Buch sieht, übersieht in meinen Augen etwas. 🙂 Natürlich ist es auch das gute Recht von Frau Wulff, ein Buch zu schreiben, aber dann muss sie sich auch die Kritik gefallen lassen, dass die Kritik an Google oder Jauch ZU DIESEM Zeitpunkt eher PR ist.

  3. Stefan Kampmann
    Stefan Kampmann sagte:

    Was soll das denn, Herr Schieb? Wird der perfide Rufmord an Bettina Wulff weniger schlimm, weil sich Googler weniger oft dafür interessieren? Es ist Frau Wulffs gutes Recht, sich zu wehren, und sie hat gute Gründe, das erst jetzt zu tun. Und statt anzuprangern, was da passiert ist, unterstellt man ihr gleich wieder, sie wolle doch nur ihr Buch promoten? Glauben Sie, dass die Frau eines ehemaligen Bundespräsidenten so etwas nötig hat?
    Ich schätze Ihren Newsletter. Aber müssen Sie sich wirklich auf diese Weise interessant machen?

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