Auf der Frankfurter Buchmesse wurden diese Woche nicht nur jede Menge neuer Bücher vorgestellt und auch einige Autoren geehrt, es wurde durchaus auch über die Zukunft des Buchs diskutiert.

Das eBook ist schon Realität und findet immer mehr Käufer: Rund 6% aller Deutschen kaufen mittlerweile ausschließlich eBooks, rund 13% kaufen eBooks und gedruckte Bücher. In den USA sind eBooks bereits viel populärer. Doch jetzt kommt bereits die nächste Generation von eBook auf den Markt: Das Social Book. Und das stellt wieder alles auf den Kopf. Darüber spreche ich jetzt mit unserem Netzkenner Jörg Schieb.

  • Auf der Messe wurde ganz konkret das Konzept des Social Books vorgestellt. Was dürfen wir uns darunter vorstellen?

Social Books sind eine ganz besondere Form von eBooks. Es gibt sie nicht gedruckt, sondern ausschließlich digital – aber eben nicht als starres digitales Buch für den eBook-Reader, jedenfalls nicht ausschließlich, sondern als digitale Buch, das bequem in jedem internetfähigen Gerät gelesen werden kann und dabei eng mit den sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter verzahnt ist. Die sozialen Netzwerke werden zu einem Lesenetzwerk. Man liest nicht mehr alleine, sondern in der Gruppe, gemeinsam mit anderen, zumindest wenn man möchte.

Um ein Sobook zu lesen, braucht man keinen eBook-Reader, also kein spezielles Lesegerät. Denn jedes Buch steht komplett im Netz, ohne DRM (Digital Rights Management) oder Kopierschutz. Das ist ein Novum: Technisch gesehen ist jede Buchseite eines Social Books eine Webseite.

  • Das stellt ja einiges auf den Kopf, was wir über eBooks wissen. Welche Vorteile bringt das?

Es gibt mehrere Vorteile. Zum einen können Leser mit jedem internettauglichen Gerät das Social Book lesen, egal ob PC, Notebook, Tablet oder Smartphone. Selbst auf einer Spielekonsole kann man Social Books lesen.

Doch das Besondere ist die Handhabung. So ist es zum Beispiel mühelos möglich, Lesezeichen zu setzen oder in jede beliebige Stelle des Werks zu verlinken, direkt in die Stelle des Buchs, die interessant sein soll. Man kann Texte oder Textstellen teilen. Außerdem können User Texte kommentieren, komplette Bücher oder einzelne Seiten oder Textstellen liken, sharen oder verteilen.

  • Aber nervt das nicht, wenn man beim Lesern über Dutzende vom Kommentaren, Lesezeichen oder Hinweisen stolpert? Manchmal will man doch einfach nur lesen…

Das wird natürlich die Praxis zeigen. Aber natürlich kann man die Kommentare jederzeit ein- oder abschalten, je nachdem, ob man ungestört lesen oder ob man sich mit anderen austauschen möchte. Was aber auch möglich sein soll: Dass nur Kommentare von Freunden angezeigt werden, also nicht alle Kommentare. Das ist eine schöne Idee, um die Flut an Kommentaren einzudämmen.

  • Mit Sascha Lobo hat ein prominenter Internet-Promi eine eigene Plattform für Social Books an den Start gebracht: Sobooks genannt. Ein eigener Verlag – oder nur eine Verkaufsstation?

Sobook ist definitiv kein Verlag, es werden keine Autoren akquiriert oder betreut. Sobook ist eine Plattform, um digitale Bücher anders als bisher zu vermarkten, im Web zu vermarkten. Sobooks kooperiert mit klassischen Verlagen, darunter auch größere Verlage wie Random House, Hoffman & Campe oder Rowohlt, die allerdings mitunter schwer zu überzeugen waren. Denn nicht jeder Verlag oder Autor ist glücklich bei dem Gedanken, dass Texte freie im Netz verfügbar sind.

Sobooks ist jetzt in einer geschlossenen Beta gestartet, in einem Testbetrieb – mit erst mal 20 Buchtiteln. Zur Buchmesse in Leipzig im März 2014 will Sobooks dann offiziell starten, mit einer größeren Zahl an Büchern – und für alle offen.

  • Damit Social Books funktionieren, landen die kompletten Texte eines Buchs im Netz. Wie soll denn das funktionieren, wie wird Geld verdient?

Geld verdient wird mit den Werken, die zum Download angeboten werden, in klassischen Formaten wie PDF oder ePub für elektronische Lesegeräte. Das sind dann klassische eBooks, die dann nicht mit den Social Networks verzahnt sind. Die kostenlos im Netz zugänglichen und mit den sozialen Netzwerken verknüpften Inhalte sorgen für Aufmerksamkeit und sollen potenzielle Käufer anlocken.

Auch eine schöne Idee: Bei Sobooks soll man ganz einfach eBooks verschenken können. Das ist bislang eher schwierig. Bei Sobooks soll es ausreichen, die E-Mail-Afresse des zu Beschenkenden einzugeben, schon bekommt der Beschenkte das Social Book zugeschickt, mit virtueller Schleife drum.

  • Da drängt sich die Frage auf: Gehört Social Books die Zukunft?

Abwarten. Erst mal hat Sascha Lobo für frischen Wind im Buchgeschäft gesorgt, und das will schon was heißen. Die Idee ist erfrischend und innovativ. Bei jüngeren Leuten kommt die Idee ganz sicher gut an. Funktionieren kann es nur, wenn sich genügend Verlage finden, die mitmachen – und genügend Menschen auch für die Social Books bezahlen. Aber die Chancen stehen nicht schlecht.

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