URL-Shortener wie Bitly machen aus langen Webadressen ganz kurze. Die lassen sich leichter weitergeben und verbrauchen nicht so viel Platz in Tweets oder E-Mails. Deshalb sind URL-Shortener beliebt. Am beliebtesten ist bitly: Mehr als 22 Milliarden Adressen wurden damit schon kurz gemacht. Jetzt ist bekannt geworden: Bitly manipuliert manche Adressen – und schmuggelt eigene Affiliate-Daten in die Adressen, um an den Klicks zu verdienen.

Bitly und andere URL-Shortener wie goo.gl, TinyURL und Twitters eigener URL-Kürzer bieten eine Menge Vorteil. Sie machen im Handumdrehen aus langen Adressen kurze. Oft passiert das sogar automatisch, zum Beispiel in Tweets oder auch innerhalb von WordPress. Wir haben uns daran gewöhnt, dass kryptische Adressen erscheinen, hinter denen interessante Webseiten stehen können.

Wer mag, kann bei Bitly sogar seine eigene Domain benutzen, das sieht dann besonders elegant: go.schieb.de/pro-gold. Keine Frage: Solche Kurz-Links lassen sich besser weitergeben und sparen vor allem in Tweets wertvollen Platz. Wer solche Kurz-URLs erzeugt, hat noch andere Vorteile. Man kann zum Beispiel sehen, wie oft der Link angeklickt wurde (und auch von welchen Leuten).

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Manipulierte Adressen

Auch die Betreiber von URL-Shortener müssen irgendwieGeld verdienen. Nicht ganz leicht, denn in die Links kann man keine Werbung einbauen – und auf die angesteuerten Webseiten hat man auch keinen Einfluss. Deshalb wird mit Premiumdiensten Geld verdient, etwa mit Unternehmen, die den Shortener-Dienst intensiv nutzen und auf ausführliche Statistiken zurückgreifen wollen. Das ist in Ordnung.

Doch bitly versucht auch auf andere Weise, Geld zu verdienen. Bitly geht hin, und ergänzt Links auf bestimmte Onlineshops unbemerkt durch so genannte Affiliate-Daten. Die Folge: Kauft der Klicker im verlinkten Onlineshop ein, gibt es eine Provision. Auch das ist grundsätzlich in Ordnung. Aber sicher nicht, wenn bitly bestehende Links eigenmächtig abändert.

Automatisch Affiliate-Links erzeugt

Der Benutzer merkt davon gar nichts. Er landet trotzdem im Onlineshopy XYZ, wie vom Erzeuger der Kurzadresse gewünscht. Allerdings ändert sich im Hintergrund eine Menge. Da durch die unbemerkt hinzugefügten Parameter noch ein Werbenetzwerk hinzugezogen wird, landen auch Tracking-Cookies auf der Festplatte des Benutzers.

Er wird zusätzlich überwacht. Das bedeutet: Selbst wenn derjenige, der den URL-Shortener benutzt, ausdrücklich keine Provision für den Verkauf bekommen möchte und Tracking-Cookies verabscheut, bekommt der klickende User trotzdem solche Cookies untergejubelt. Das ist schon extrem bedenklich!

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Misstrauen angeraten

Noch macht bitly das nicht im großen Stil, sondern lediglich in einem Test. Hinweise darauf gibt es aber nur versteckt auf einer Hilfeseite. Wie der Fachdienst om8 mitteilt, sind auch deutschsprachige Links betroffen. Immerhin: Wenn schon ein Affiliate-Link enthalten ist, wird der nicht überschrieben. Das wäre allerdings auch noch schöner.

Der aktuelle Fall macht ein grundlegendes Problem aller URL-Shortener deutlich: Man weiß schlichtweg nicht, was sich hinter einem Link verbirgt. Es kann ein nützlicher Inhalt sein, ein spannendes Video, es kann aber auch Werbung sein, Spam oder ein werblicher Inhalt. Schlimmstenfalls können sich auch kriminelle Inhalte hinter einer URL verbergen.

URL-Shortener haben also auch Nachteile. Sie verschleiern. Es gibt Plugins wie LongURL, die zeigen zumindest im Browser vor dem Klicken an, welche URL sich hinter einer Short-URL verbirgt. Das hilft sich zu entscheiden. Der Onlinedienst LongURL macht dasselbe. Finde ich sinnvoll und nützlich.