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Facebook ist eine Kooperation mit großen Verlagshäusern in aller Welt eingegangen, darunter Spiegel und Bild in Deutschland, aber auch mit BBC. National Geographics, New York Times und einige andere. Die Verlage können ihre Inhalte direkt bei Facebook einstellen – und die User können sie sofort lesen und anschauen, ohne zu den Webseiten der Anbieter wechseln zu müssen. Klingt verlockend – birgt aber auch Risiken.

Instant Articles“ sind Artikel, die direkt im Facebook-Network hinterlegt werden und von uns auch gleich dort gelesen werden können. Man bekommt also keinen Abriss präsentiert und landet nach einem Klick auf der Webseite des Inhalteanbieters, sondern liest alles von vorne bis hinten direkt in Facebook. Fotos und Videos inklusive, die im Artikel eingebunden sind. Der Leser muss das soziale Netzwerk also nicht verlassen – was im Interesse von Facebook ist.

Verlage können Werbeeinnahmen einstreichen

Die Verlage werden dafür belohnt: Sie können 100% der Werbeeinnahmen behalten, die sie im Umfeld zu ihren Artikeln machen. Sie können sogar ihre eigenen Anzeigen mitbringen. Normalerweise bekommt man deutlich weniger, bei Google AdSense zum Beispiel 68%.

Aber dafür behält man im anderen Netzwerken die vollständige Kontrolle über die eigenen Inhalte sowie die Nutzerdaten. Wer 32% mehr kassieren möchte, verzichtet also mal eben auf jedwede Kontrollmöglichkeit. Und liefert dem ohnehin schon größten und am schnellsten wachsenden System noch zusätzliches Futter, um weiter zu wachsen.

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Besonders schlau ist das sicher nicht. Denn wenn sich die User erst mal daran gewöhnt haben, „ihr“ Netzwerk nicht mehr verlassen zu müssen, dann wollen sie es irgendwann auch nicht mehr. Mark Zuckerberg wird sich freuen. Die User vielleicht auch. Aber es darf bezweifelt werden, dass sich auch alle anderen darüber freuen.

Eine Win-Win-Win-Situation ist das nämlich ganz sicher nicht. Auch wenn Facebook erst mal mit 100% der Werbeeinnahmen lockt: Man kann sicher sein, dass die Anteile deutlich reduziert werden, wenn Facebook mächtig genug geworden ist, wenn jeder praktisch gezwungen ist, seine Inhalte bei Facebook zu präsentieren. Und dann werden die Pioniere von heute die sein, die den Karren als erste in den Mist gezogen haben.

Ein gutes Dutzend machen mit

Spiegel und Bild sind natürlich nicht allein. Auch New York Times, National Geographic, NBC News, Atlantic und Buzzfeed machen mit, in Großbritannien die BBC und der Guardian. Sie alle legen ihr Schicksal in die Hände von Mark Zuckerberg.

Ich kann verstehen, dass man neue Wege gehen und sich auch ausprobieren möchte. Die Info-Junk-Schleuder Buzzfeed geht den Weg schon länger, seine Inhalte in die sozialen Netzwerke einzustellen – und das auch erfolgreich. Aber will man so sein wie Buzzfeed?