:Auf der Internationalen Autoausstellung IAA in Frankdurt sind die Autos von Morgen zu sehen. Vollgestopft mit Hightech, teilweise elektrisch betrieben – und fast alle mit Internetzugang. Manche davon sogar selbst fahren. Google hat die Öffentlichkeit damit überrascht, konsequenterweise selbstfahrende Autos bauen zu wollen, die ohne Gaspedal und Lenkrad auskommen. Der Automarkt wird aufgewirbelt wie lange nicht.

Selbst fahrende Autos gibt es längst: Schon seit Monaten schickt Google komplett führerlose Fahrzeuge über die Straßen Kaliforniens. Niemand muss steuern. Mittlerweile cruisen Dutzende davon im ganz normalen Straßenverkehr herum. Aber auch deutsche Autohersteller testen aus, was möglich ist. „Piloted Driving“ nennt sich das, wenn ein Auto ganz alleine fährt.

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Der Fahrer sitzt zwar hinter dem Steuer, muss aber eigentlich gar nichts machen. Die deutschen Autohersteller sagen, sie wollen den Fahrer entlasten, etwa im Stop-and-Go-Verkehr.

Aber die Technik kann längst mehr. Das zeigen die Hersteller immer wieder. Heute brausen auch die Test-Wagen deutscher Hersteller bereits über unsere Autobahnen – und der Fahrer, wenn man ihn noch so nennen kann, berührt nicht mal das Lenkrad. Die eingebauten Sensoren erfassen alles – und der Computer steuert das Fahrzeug sicher über die Autobahn.

Mir wird schwindelig, wenn ich so etwas sehe. Aber die Technik ist tatsächlich schon so weit.

Fahren Computer besser als Menschen?

Man muss sich klar machen: Auch Menschen bauen Unfälle, fällen Fehlentscheidungen. Technik ist schneller, wird nicht müde und lässt sich auch nicht ablenken. Man kann also nicht sagen, dass es grundsätzlich schlecht wäre, wenn Technik einen Wagen steuert.

Die Frage ist nur, was die Technik alles steuert – und ob sie wirklich auf alle Situationen vorbereitet ist. Und wie wir als Autofahrer das eigentlich finden.

Manche Autohersteller sagen, dass komplett selbstfahrende Auto käme erst in 20 Jahren. Vor allem IT-Unternehmen halten den Einsatz von selbstfahrenden Autos deutlich schneller für realistisch. Etwa, um Kurierfahrten durchzuführen.

piloted driving; Rechte: Audi

Angreifbar durch Bordelektronik

Ein großes Problem, neben vielen anderen Bedenken, die man haben kann: Selbst fahrende Autos sind komplett computergesteuert. Und wie wir alle wissen, sind Computer äußerst angreifbar. Vor einigen Wochen haben Hacker gezeigt, dass sie mühelos die Bordelektronik in einem normalen Auto hacken und das Auto dann komplett fernsteuern können.

Wie sensibel die Bordelektronik im Auto ist, darüber werden sich die Autohersteller erst ganz allmählich im Klaren. Denn nicht nur selbstfahrende Autos sind angreifbar, sondern alle Autos. Alle Autos, die mit moderner Bordelektronik ausgestattet sind, die nicht ausreichend geschützt ist. Und das gilt für immer mehr moderne Fahrzeuge.

Cherokee

Natürlich kann moderne Elektronik eine Menge Vorteile bringen. Die Autohersteller wollen erreichen, dass sich Fahrzeuge miteinander unterhalten, dass sie wertvolle Daten austauschen. Bei Glatteis könnte die Elektronik nachkommende Fahrzeuge zum Beispiel warnen, ebenso bei Nebel, Behinderungen auf der Straße oder Staus. Die Folge: Weniger Unfälle.

Onlineanbindung im Cockpit

Das sind die positiven Beispiele. Doch dafür braucht man natürlich immer mehr Hightech im Auto. Darüber hinaus wollen wir im Auto auch moderne Kommunikationsmittel nutzen: E-Mail, Onlinekarten, Restaurant-Empfehlungen – oder Streamingdienste für Musik. Auch darauf stellen sich die Autohersteller ein.

Bedeutet aber, dass wir Onlinedienste von Google, Apple,  Microsoft und Co. im Auto haben – und diese Anbieter mit noch mehr Daten versorgt werden als ohnehin schon.

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Apple, Google und Microsoft machen mit

Google entwickelt Android Auto – das schon viele Autohersteller nutzen. Das bekannte mobile Betriebssystem fürs Auto. Hier geht es in erster Linie um Navigationshilfen und Entertainment. Aber auch um Onlineanbindung ganz generell. Wer die Fehleranfälligkeit von Android kennt, der macht sich so seine Gedanken, wenn Android im eigenen Auto mitfährt.

Apple nennt seine Lösung CarPlay. Ähnliche Ansätze: Navigation. Musik. Internet. Aber auch Nachrichten und E-Mails. Die Systeme werden in immer mehr Autos eingebaut – und damit geben die Autohersteller Kontrolle ab. Möglicherweise keine so gute Idee. Denn wer möchte schon, dass Google, Apple und Co. im eigenen Auto das Steuer übernehmen – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

carplay; Rechte: Apple