Ohne Akku geht heute nichts mehr. Smartphones, Tablets, Fitness Tracker und viele andere Geräte sind darauf angewiesen, dass Akkus sie möglichst lange und zuverlässig mit Energie versorgen. Gleichzeitig wollen wir Nutzer Akkus, die nicht teuer sind und immer kleiner werden, schließlich wollen wir kein unnötiges Gewicht mit uns herumschleppen. Deshalb werden immer neue Akkus entwickelt…

Manche werden zum Problem, etwa der Akku in Samsungs Luxus-Smartphone Galaxy Note S7. Einzelne Akkus sind explodiert – der koreanische Hersteller musste den Verkaufsstart in Deutschland stoppen und verkaufte Geräte in aller Welt zurückrufen. Was sind die Hintergründe?

Anfang September wurden die ersten Fälle von explodierenden Samsung Galaxy Note S7 gemeldet. Einzelfälle – oder ein grundsätzliches Problem?

Von Einzelfällen kann man nicht sprechen. Man weiß von 70 Fällen allein in den USA, hinzu kommen noch Dutzende Vorfälle in Europa und Asien. Rund 2,5 Millionen Geräte sind weltweit in Umlauf, rund 1,5 Millionen davon bereits in den Händen von Kunden. Eine Million weitere Geräte bei Providern, die ihre Kunden damit versorgen wollten.

In Deutschland sind es nur wenige Tausend Geräte, da der Verkauf hier später begonnen hat als in Asien und USA. Es werden aber weltweit alle Geräte zurückgerufen, damit der Akku ausgetauscht wird (hier zum Austauschprogramm). Der Verkauf wurde gestoppt, der Weiterverkauf auf unbestimmte Zeit verschoben.

 Samsung Galaxy Note S7

Kann man denn mittlerweile sagen, wo genau das Problem liegt?

Es liegt eindeutig am Akku des Geräts. Doch nicht alle Samsung Galaxy Note S7 sind mit demselben Akku ausgestattet: 70% der gebauten Geräte mit einem Akku von Samsung selbst, die restlichen 30% mit einem Akku des chinesischen Herstellers ATL. Nur die Geräte mit Samsung-Akku sind betroffen: Hier gibt es diverse dokumentierte Vorfälle. Mittlerweile weiß man: Die Akkus explodieren nicht nur beim Ladeprozeß, sondern offensichtlich besteht auch eine Gefahr während der Nutzung.

Im Netz kursiert ein Video von einer Frau, deren Samsung Galaxy Note S7 auf dem Cafétisch liegend explodiert. Die US-Verbraucherschutzbehörde CPSC warnt alle Besitzer, ihr Gerät abzuschalten und nicht mehr einzuschalten. Mit Quantas und Virgin Australia verbieten erste Airlines die Verwendung des Smartphone an Bord.

s7 note

Was ist, wenn jemand sich weigert, sein Smartphone auszutauschen?

Da hat sich Samsung zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen. Der Hersteller will alle Geräte der betroffenen Serie, also alle Geräte mit Samsung-eigenen Akkus, die bis zum 30. September nicht ausgetauscht wurden, aus der Ferne sperren. Das soll die Besitzer solcher Geräte zwingen, ihre betroffenen Geräte auszutauschen.

 

Wir wollen immer leistungsfähigere Akkus – müssen wir damit rechnen, immer öfter Probeme mit Akkus zu bekommen – und der Fall mit dem Samsung Galaxy Note S7 ist nur ein Vorbote?

Es stimmt schon: Die Herausforderungen für die Akku-Hersteller sind enorm. Alle wollen Akkus, die Akkus müssen immer kleiner werden und gleichzeitig mehr leisten. Deshalb probieren die Akkuhersteller andere Akku-Arten aus. Gleichzeitig nimmt der Druck zu, die großen Hersteller schnell mit große Mengen an Akkus zu beliefern.

Da bleibt möglicherweise die Sorgfalt beim Testen auf der Strecke. Das darf natürlich nicht sein. Es gibt immer wieder mal Schwierigkeiten mit Akkus. Kein Wunder, denn in Akkus laufen chemische Prozesse ab. Aber von einer sich ankündigenden Welle von Schwierigkeiten ist nicht zu rechnen.

akkus

Wie ist Samsung mit der Krise umgegangen?

Wenn wir mal unterstellen, dass Samsung nicht vorher schon wusste, dass die Akkus aus eigener Fertigung eine Gefahr darstellen können, hat Samsung eigentlich vorbildlich reagiert: Der Hersteller hat schnell die Öffentlichkeit informiert, den weiteren Verkauf in aller Welt gestoppt und einen Rückruf gestartet. Das alles kostet nicht nur wahnsinnig viel Geld, man schätzt, über vier Milliarden Dollar, sondern bedeutet auch einen erheblichen Imageverlust.

Nach allem, was man sagen kann, hat Samsung aber eindeutig die Priorität auf Sicherheit gelegt. Das ist gut. Nun  muss allerdings noch geklärt werden, warum die Akkus überhaupt explodieren können – und wieso das nicht in entsprechenden Belastungstests herausgekommen ist.