WARNUNG: Gefälschter Microsoft-Blue-Screen

von | 24.10.2016 | Tipps

Erscheint ein Blue-Screen, ist Windows abgestürzt und es liegt ein gravierendes Problem mit dem PC vor. Nicht so allerdings bei der gefälschten Software, die angeblich von Microsoft stammt und falsche Blue-Screens anzeigt. Vor dieser und ähnlicher Malware müsst ihr euch nach wie vor in Acht nehmen – die Betrugsmethoden haben sich sogar verfeinert.

Das Schad-Programm gelangt durch einen ungewollten Download auf die Festplatte des Opfers und nennt sich einfach nur setup.exe – wobei ein Icon verwendet wird, das dem offiziellen Symbol der Microsoft Security Essentials ähnlich sieht.

Hicurdismos, so der Name der ursprünglichen Malware, schaltet die Maus ab und zeigt auf dem Blue-Screen eine Telefon-Nummer an, die man anrufen soll, um sich weitere Viren oder bezahlte gefälschte Software unterschieben zu lassen.

hicurdismos-blue-screen

Moderne Varianten des Fake-Blue-Screen-Betrugs

Was einst mit simplen gefälschten Blue-Screens begann, hat sich zu einem ausgeklügelten Betrugsnetzwerk entwickelt. Cyberkriminelle nutzen heute deutlich raffiniertere Methoden:

Browser-Lock-Betrug: Statt echte Malware zu installieren, sperren moderne Versionen einfach den Browser mit JavaScript und zeigen gefälschte Fehlermeldungen an. Diese wirken täuschend echt und imitieren Windows-Systemfehler oder Virenwarnungen.

KI-generierte Stimmen: Bei den Support-Hotlines arbeiten Betrüger mittlerweile teilweise mit KI-generierten Stimmen, die seriöser klingen als echte Personen. Das macht es schwerer, den Schwindel zu erkennen.

Deepfake-Videoanrufe: Besonders perfide sind Varianten, bei denen angebliche Microsoft-Techniker per Videoanruf Hilfe anbieten – oft mit KI-manipulierten Gesichtern echter Microsoft-Mitarbeiter.

So funktioniert der Betrug heute

Die Masche läuft meist nach folgendem Schema ab:

  1. Infektion: Ihr landet auf einer präparierten Website oder klickt auf einen manipulierten Link in E-Mails oder sozialen Medien
  2. Fake-Fehlermeldung: Der Browser zeigt eine gefälschte Systemwarnung oder einen Blue-Screen
  3. Panik erzeugen: Drastische Warnungen vor Datenverlust oder Identitätsdiebstahl sollen euch zum schnellen Handeln bewegen
  4. Kontaktaufnahme: Eine Telefonnummer wird eingeblendet, die angeblich zu Microsoft oder einem anderen seriösen Anbieter gehört
  5. Remote-Zugriff: Am Telefon überzeugen euch die Betrüger, eine Fernwartungssoftware zu installieren
  6. Abzocke: Mit Vollzugriff auf euren PC „finden“ die Kriminellen weitere „Probleme“ und verlangen Geld für die „Reparatur“

Erkennungsmerkmale und Schutzmaßnahmen

Echte Blue-Screens zeigen niemals Telefonnummern oder Kontaktdaten an. Microsoft kontaktiert euch niemals unaufgefordert wegen Computerproblemen.

Typische Warnsignale:
– Telefonnummern oder E-Mail-Adressen auf Fehlermeldungen
– Dramatische Warnungen vor sofortigem Datenverlust
– Aufforderungen, kostenpflichtige Software zu installieren
– Ungewöhnlich perfektes Deutsch bei angeblich lokalen Support-Mitarbeitern
– Drängen zu sofortigen Entscheidungen ohne Bedenkzeit

Sofortmaßnahmen bei Verdacht:
– Browser schließen (Tastenkombination Alt+F4 oder Task-Manager)
– Bei hartnäckigen Pop-ups: Computer neu starten
– Niemals die angegebenen Nummern anrufen
– Keine Software installieren, die von unbekannten Quellen empfohlen wird
– Bei bereits erfolgtem Anruf: Sofort auflegen und keine Fernwartung zulassen

Browser-Schutz und moderne Abwehr

Moderne Browser haben ihre Sicherheitsmechanismen deutlich verbessert:

Microsoft Edge erkennt solche Betrügereien durch erweiterte SmartScreen-Filter und KI-basierte Mustererkennung noch zuverlässiger.

Chrome und Firefox nutzen ähnliche Technologien und warnen vor bekannten Betrugsseiten.

Safari auf Mac-Systemen blockiert automatisch verdächtige Pop-ups und JavaScript-Fallen.

Dennoch solltet ihr zusätzliche Schutzmaßnahmen ergreifen:
– Regelmäßige Browser-Updates installieren
– Pop-up-Blocker aktivieren
– JavaScript für unbekannte Websites restriktiv handhaben
– Adblocker verwenden (blockieren oft auch Scam-Anzeigen)
– Niemals Admin-Rechte für verdächtige Downloads vergeben

Was tun bei erfolgreichem Betrug?

Falls ihr bereits Opfer geworden seid:

  1. Sofort handeln: Computer vom Internet trennen
  2. Passwörter ändern: Alle wichtigen Zugangsdaten von einem sicheren Gerät aus ändern
  3. Bank informieren: Bei Preisgabe von Zahlungsdaten sofort die Bank kontaktieren
  4. Anzeige erstatten: Betrug bei der örtlichen Polizei oder online bei der Cybercrime-Meldestelle anzeigen
  5. System überprüfen: Vollständigen Virenscan durchführen oder Computer professionell prüfen lassen

Die gefälschten Blue-Screens sind nur die Spitze des Eisbergs bei modernen Tech-Support-Betrügereien. Bleibt wachsam und vertraut eurem gesunden Menschenverstand – seriöse Unternehmen kontaktieren euch niemals unaufgefordert wegen angeblicher Computerprobleme.

Zuletzt aktualisiert am 06.04.2026