In den 70er, 80er und 90er Jahren hat man sie überall gesehen: Kleine Geräte mit Tasten, einem Display und uns in manchen Dingen überlegen. Smartphones gab es da noch nicht – aber Taschenrechner. Kleine Geräte, die anfangs nur die vier Grundrechenarten konnten, dann irgendwann zu kleinen Alleskönnern wurden… Und schließlich vom Smartphone überflüssig gemacht worden sind. Der Taschenrechner feiert seinen 50. Geburtstag.

Erfunden und den ersten Taschenrechner der Welt gebaut hat der Physiker Jack Kilby, der damals bei Texas Instruments angestellt war. Texas Instruments hat integrierte Schaltkreise gebaut und verkauft. Kilby wollte mit seinem „Cal Tech“ getauften Rechner demonstrieren, was man mit integrierten Schaltkreisen alles anstellen kann, nämlich sogar Maschinen rechnen lassen.

 

 

 

50 Jahre Taschenrechner; Rechte: HNF

 

Eigentlich war der erste Taschenrechner der Welt, der am 29. März 1967 präsentiert wurde, mehr oder weniger eine Verkaufshilfe für die integrierten Schaltkreise, wie sie in jedem Computer oder Smartphone dutzendfach vorhanden sind. Kilby hatte einige Jahre zuvor auch den integrierten Schaltkreis selbst erfunden, 1958 war das – und dafür im Jahr 2000 den Nobelpreis für Physik erhalten. Eine recht späte Ehrung, aber eine verdiente. Kilby kam als erster auf die Idee, Transistoren, Widerstände und Kondensatoren in einer einzigen Schaltung zu vereinen. Die Grundlage moderner Computer.

Japaner bauen die ersten Taschenrechner

Das erste Modell sah noch wenig sexy aus, zumindest aus heutiger Sicht: Dick wie ein Wörterbuch, ohne Display – die Ergebnisse wurden, wie damals üblich, auf einen Papierstreifen gedruckt. Der erste Rechner wog zweieinhalb Pfund und konnte ohne Strom mit Batterien betrieben werden. Dennoch: Begeistert waren die Bosse bei TI nicht gerade. Gute Ideen werden oft erst mal unterschätzt, auch das Manuskript von „Harry Potter“ wurde von vielen Verlagen erst mal abgelehnt.

Nicht Texas Instruments, sondern der japanische Hersteller Canon baute dann die ersten Taschenrechner in Massenproduktion – in Lizenz. Im April 1970 kam der „Pocketronic“ auf den Markt. Auch hier wurden die Zahlen auf einem Papierstreifen gedruckt. Kostenpunkt für den Minirechner: 400 Dollar. Im „Handy-LE“, der im Jahr 1971 auf den Markt kam, war dann erstmals ein Display eingebaut. Auch Sanyo und Sharp – ebenfalls japanische Unternehmen – bauten früh die ersten Taschenrechner.

Erst teuer, dann Pfennigartikel

In Deutschland musste man für die ersten Rechner um die 2000 Mark bezahlen, so teuer wie ein Gebrauchtwagen. Doch schon 1974 gab es die ersten Geräte für unter 100 Mark, der Preisverfall war riesig. In der Tat waren Taschenrechner irgendwann so günstig in der Herstellung, dass sie verschenkt wurden.

Die angesprochenen Minirechner auf der Größe einer Kreditkarte konnten zwar nicht viel, waren aber Pfennigartikel und wurden verschenkt. Aus Umweltsicht ein Albtraum: Alles in einem Gerät. War die Batterie alle, musste man das Gerät entsorgen.

Leistungsfähigkeit gestiegen

Später kam Prozentrechnung dazu. Dann betrat Hewlett Packard (HP) den Markt und hat das wissenschaftliche Rechnen für Taschenrechner eingeführt. Plötzlich konnte man so ziemlich alles mit dem Taschenrechner berechnen, was vorstellbar war, Sinus, Cosinus, Tangens, mit Klammern und ohne, Wurzel… Alles. Das machte Taschenrechner für Schüler und Studenten interessant und natürlich für alle, die viel rechnen mussten.

HP hatte anfangs ein anderes Verfahren, wie man komplexere Formeln eingibt, UPN genannt, „Umgekehrte Polnische Notation“. Texas Instruments hat das nicht verwendet, dieses Verfahren hat sich durchgesetzt: Hier hat man Formeln so eingegeben, wie man sie kennt, mit Klammern, von links nach rechts.

Programmierbare Taschenrechner

Ich kann mich gut daran erinnern: In den 70er Jahren bereits kamen der TI-58 und der TI-59 auf den Markt, die konnte man programmieren! Eine kleine Sensation. Auf dem TI-59 konnte man die Programme sogar auf einem kleinen Magnetstreifen speichern und wieder einlesen. Mit solchen Taschenrechnern konnte man sich natürlich in Fächern wie Physik wunderbar die Arbeit erleichtern.

Nicht alle Lehrer haben das sofort begriffen, aber irgendwann waren Taschenrechner verboten im Unterricht. In den 80er Jahren gab es sogar Taschenrechner, die man in BASIC programmieren konnte, da war alles möglich.

Smartphone ersetzt Taschenrechner

Das Smartphone ist kleiner als ein Taschenrechner von einst – und kann mehr, das ist richtig. Vor allem muss man nicht mal mehr tippen. Digitale Assistenten wie Siri, Cortana, Google Assistant oder Alexa kann man befragen. Man sagt die Rechenaufgabe – und bekommt das Ergebnis vorgelesen.

Trotzdem werden noch Taschenrechner verkauft. In Schulen sind heute Handys verboten, Taschenrechner aber erlaubt, aber nur bestimmte Modelle. Die können Eltern für ihre Kinder kaufen. So werden immer noch rund 2,6 Millionen Geräte pro Jahr verkauft.

Ich habe noch ein paar alte Modelle zu Hause und benutze am Schreibtisch manchmal auch noch einen Taschenrechner. Aber mein Tipp: Wenn man mal sehen möchte, wie sich Taschenrechner entwickelt haben, empfehle ich einen Besuch im Heinz Nixdorf Forum in Paderborn. Das größte Computermuseum der Welt. Hier gibt es eine Wand mit rund 700 Taschenrechnermodellen. Sehr beeindruckend!