TransformersWohl so ziemlich alles ist Moden unterworfen. Und die liebe Presse, zu der ich selbst ja auch gehöre, liebt es, erst etwas hochzujubeln, um es dann irgendwann, wenn es erst mal Mainstream geworden ist, so allmählich zu demontieren. Irgendwann fällt dafür der Startschuss. Wenn es gut gemacht ist, kann das eine Errosion lostreten. Plötzlich schalten alle von Top auf Flop. Harry Potter wird es sicher irgendwann auch so (er)gehen. Doch jetzt sind erst mal die Trickeffekte im Kino dran, lange Jahre bestaunt und bejubelt (außer vielleicht vom strengen Feuilleton).

Denn der „Spiegel“ schreibt in seiner Ausgabe von morgen (06.08.2007) unter der Überschrift „Die digitale Sintflut“, das Publikum wende sich von Filmen mit Trickeffekten ab. Da wird Bruce Willis zitiert, der meint, schon seine 11-jährige Tochter könne computeranimierte Trickeffekte „mit bloßem Auge erkennen“. Das mag ja zutreffen in bekloppten Filmen wie „Stirb langsam 4.0“, wo ganz normale Cops vom LAPD auf den Flügeln von fliegenden(!) Starfightern rumtanzen. Da sollte wohl auch eine 11-Jährige wissen, dass das nicht geht, außer im Computer.

Aber die Trickeffekte in „Zodiac“ zum Beispiel, wo im Computer ganze Straßenzüge des San Francisco aus den 70er Jahren nachgebildet wurden, sind so unaufdringlich und gleichzeitig gut gemacht, dass man nur staunen kann. Ich bezweifle, dass Miss Willis junior diese Trickeffekte mit ihrem bloßen Auge als solche erkennt. Es kommt also darauf an, wie man sie einsetzt, und warum. Überhaupt, der Tenor des Artikels: Da wird so getan, als würden quasi alle aktuellen Filme mit Computertricks schlecht laufen, wegen der Trickeffekte. Als Beispiel wird „Evan Allmächtig“ genannt, der zweite Teil von „Bruce Allmächtig“, wo wieder mal Computertricks zum Einsatz kommen. Doch der Film ist in den USA gefloppt. Warum? Der „Spiegel“ unterstellt unterschwellig, wegen der langweiligen Tricks. Ich meine, wohl eher wegen der langweiligen Geschichte. Und vielleicht ja auch, weil Jim Carrey nicht mitspielt?? 😉

Den ungeheuten Erfolg des – zweifellos hirnlosen – Films „Transformers„, der ohne Computertricks gar nicht vorstellbar wäre (hier verwandeln sich Autos, Toaster und andere Technikgeräte zu Kampfrobotern), wird im „Spiegel“-Artikel nicht erwähnt. Der Streifen von Spektakel-Profi Bay hat weltweit bereits mehr als 500 Millionen Dollar eingespielt. Sieht also nicht so aus, als wären Trickeffekte an sich schon ein Grund, nicht mehr ins Kino zu gehen…

Von einem Trend kann also wohl beim besten Wille keine Rede sein.

1 Antwort
  1. etg
    etg sagte:

    Das ist so eine entweder-oder-Mentalität, die die Presse vertritt. Die reden in absoluten Meinungen und dann kann etwas nur gut oder schlecht sein, aber nicht differenziert eingesetzt werden.

    Ähnliches war schon bei den Besprechungen zu „Vacancy“ zu sehen, als der Film plötzlich die Antwort auf explizite Horrorfilme war und „alle Horrorfans“ nur darauf gewartet haben.

    Merke daher: Spiegel-Kritiken im Speziellen treffen fast nie meinen Geschmack.

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