Digitale Käufe: Warum ihr eure Musik und Games nicht besitzt

von | 05.04.2013 | Tipps

Wer sich heute in Onlineshops wie Apple Music, Spotify oder Steam mit digitalen Inhalten versorgt, erwirbt lediglich Nutzungsrechte – aber kein Eigentum. Eine CD oder Vinyl kann man weiterverkaufen, wenn man sie nicht mehr braucht. Bei digital gekaufter Musik, Games oder E-Books ist das völlig anders: Gerichte in den USA und Europa haben wiederholt entschieden, dass es nicht erlaubt ist, digital erworbene Inhalte weiterzuverkaufen – selbst wenn sie einem nicht mehr gefallen.

Diese rechtliche Realität zeigt sich besonders deutlich bei Musik-Streaming und digitalen Käufen. Während physische Medien unter das Erschöpfungsrecht fallen – ihr könnt sie also legal weiterverkaufen – gelten für digitale Güter andere Regeln. Der Grund: Beim Download oder Stream erwerbt ihr keine Kopie der Musik, sondern lediglich eine Lizenz zur Nutzung.

Das Scheitern von ReDigi und anderen Weiterverkaufs-Plattformen

Bereits 2013 sorgte die Plattform ReDigi für Aufsehen. Das Unternehmen wollte einen legalen Sekundärmarkt für digitale Musik schaffen. Zum Verkauf angebotene Tracks wurden sogar vorsorglich von der Festplatte des Verkäufers gelöscht. Eigentlich schien alles perfekt organisiert. Doch mehrere Musiklabels klagten erfolgreich dagegen – und US-Gerichte gaben ihnen recht.

Das Problem: Beim „Weiterverkauf“ digitaler Dateien entstehen zwangsläufig neue Kopien. Wenn ihr einen Song von eurem Smartphone auf ReDigi hochladet, wird eine Kopie erstellt. Diese gilt rechtlich nicht als „Weiterverkauf“, sondern als unerlaubte Vervielfältigung. ReDigi musste 2020 endgültig schließen.

Aktuelle Rechtslage in Deutschland und Europa

In Deutschland und der EU ist die Situation ähnlich eindeutig. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschied 2012 zwar, dass Software weiterverkauft werden darf – aber nur unter sehr strikten Bedingungen. Bei Musik, Filmen und E-Books greifen diese Ausnahmen nicht. Das bedeutet:

  • Streaming-Abos wie Spotify oder Apple Music gewähren nur temporäre Nutzungsrechte
  • Digital gekaufte Musik auf iTunes, Amazon Music oder Bandcamp darf nicht weiterverkauft werden
  • E-Books von Kindle, Tolino oder anderen Plattformen bleiben an euren Account gebunden
  • Auch Games auf Steam, Epic Games Store oder PlayStation können nicht legal weiterveräußert werden

NFTs: Keine Lösung für das Eigentumsproblem

Viele hofften, dass NFTs (Non-Fungible Tokens) das Eigentumsrecht an digitalen Gütern revolutionieren würden. Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. NFTs dokumentieren zwar den Besitz eines digitalen Zertifikats, gewähren aber keine Urheberrechte oder echtes Eigentum an den dahinterliegenden Inhalten. Der NFT-Hype um Musik-NFTs ist mittlerweile weitgehend verpufft.

Blockchain-basierte Alternativen auf dem Vormarsch

Interessanter sind neue Ansätze wie Audius, eine dezentrale Musik-Plattform, oder Blockchain-basierte Gaming-Ökosysteme. Hier werden tatsächlich übertragbare digitale Assets geschaffen. Künstler können ihre Musik direkt verkaufen, Fans erwerben echte Nutzungsrechte. Solche Plattformen stecken aber noch in den Kinderschuhen und haben winzige Nutzerzahlen verglichen mit Spotify oder Steam.

Was das für euch bedeutet

Die Realität ist ernüchternd: Online digitale Güter einzukaufen ist zwar bequem, aber mehr Rechte habt ihr dadurch nicht. Im Gegenteil – eure „Käufe“ sind oft nur langfristige Lizenzen. Wenn Apple entscheidet, einen Song aus iTunes zu entfernen, verschwindet er auch aus eurer Bibliothek. Wenn Netflix eine Serie aus dem Programm nimmt, ist sie weg.

Daher solltet ihr bei wirklich wichtigen Inhalten auf physische Medien setzen oder zumindest DRM-freie Downloads bevorzugen. Plattformen wie Bandcamp oder 7digital bieten Musik ohne Kopierschutz an – die könnt ihr wenigstens auf alle eure Geräte übertragen.

Ausblick: Kommt das Recht auf digitales Eigentum?

Politisch wächst der Druck auf eine Reform. Die EU diskutiert über ein „Recht auf digitales Eigentum“, erste Gesetzesentwürfe sind in Arbeit. Bis echte Änderungen kommen, vergehen aber noch Jahre. Solange bleibt die unbequeme Wahrheit: Digitale Käufe sind meist nur teure Lizenzen – echtes Eigentum sieht anders aus.

Zuletzt aktualisiert am 22.04.2026