Wo wird welches Bier gezischt?

von | 22.07.2015 | Tipps

Bier wird überall auf der Welt getrunken. Aber welche Marke hat wo die meisten Fans? Moderne Datenanalyse und interaktive Karten zeigen nicht nur die populärsten Biersorten der Erde, sondern auch faszinierende Trends im globalen Bierkonsum.

In Düsseldorf trinkt man Alt – in Köln bevorzugt man Kölsch. Gibt es einen besseren Beweis dafür, dass die Geschmäcker in punkto Bier unterschiedlich sind? Überall trinkt man andere Biersorten besonders gern. Jeder Deutsche trinkt statistisch gesehen etwa 95 Liter Bier pro Jahr – das sind knapp 0,26 Liter täglich. Da ich gar kein Bier trinke, muss es jemanden geben, der sich dafür deutlich mehr gönnt. Aber so ist das halt mit Statistiken.

biersorten

Globale Bier-Landschaft im Wandel

Sehr interessant ist, wo welches Bier besonders häufig und gerne getrunken wird. Während früher hauptsächlich lokale und regionale Brauereien den Markt dominierten, zeigen aktuelle Daten von Marktforschungsunternehmen wie Euromonitor und Statista ein faszinierendes Bild: Große internationale Konzerne wie Anheuser-Busch InBev, Heineken und Carlsberg haben ihre Marktanteile global massiv ausgeweitet.

Interessanterweise hat fast jedes Land dennoch sein eigenes Lieblingsbier. In Deutschland führt nach wie vor Krombacher die Beliebtheitsskala an, gefolgt von Beck’s und Warsteiner. In den USA dominiert Bud Light, während in Brasilien Skol der Favorit ist. China, mittlerweile der größte Biermarkt der Welt, schwört auf Snow Beer – eine Marke, die außerhalb Asiens praktisch unbekannt ist.

Craft Beer Revolution verändert alles

Ein Phänomen, das die traditionellen Bier-Landkarten völlig durcheinandergewirbelt hat: die Craft Beer Revolution. Seit etwa 2015 entstehen weltweit kleine, unabhängige Brauereien, die mit kreativen Rezepturen und lokalen Zutaten experimentieren. Deutschland allein zählt mittlerweile über 1.500 Brauereien – so viele wie seit den 1920er Jahren nicht mehr.

Besonders spannend: Moderne Apps wie Untappd, BeerMenus oder RateBeer sammeln Millionen von Bewertungen und zeigen in Echtzeit, welche Biere wo gerade angesagt sind. Diese Daten offenbaren Trends, die traditionelle Marktforschung oft übersieht. IPA (India Pale Ale) beispielsweise hat sich vom Nischensegment zum globalen Mainstream-Phänomen entwickelt.

Digitale Tools für Bier-Entdecker

Wer heute wissen will, welches Bier wo populär ist, hat deutlich bessere Werkzeuge als vor zehn Jahren. Google Trends zeigt Suchvolumen für verschiedene Biermarken nach Regionen aufgeschlüsselt. Social Media Analytics von Plattformen wie Instagram oder TikTok verraten, welche Biere am häufigsten gepostet werden.

Besonders aufschlussreich sind Lieferdienst-Daten: Platforms wie Flaschenpost, REWE Lieferservice oder Getränke Hoffmann analysieren Bestellungen und können präzise sagen, welche Biere in welchen Stadtteilen am meisten gekauft werden. Diese Micro-Targeting-Daten zeigen oft überraschende lokale Präferenzen.

Nachhaltigkeit wird zum Kaufkriterium

Ein Trend, der die Bier-Landschaft seit 2020 massiv prägt: Nachhaltigkeit. Brauereien setzen verstärkt auf regionale Zutaten, Mehrweg-Verpackungen und CO2-neutrale Produktion. Marken wie Neumarkter Lammsbräu oder die Berliner Brauerei BRLO haben sich als Pioniere des nachhaltigen Bierbrauens positioniert.

Verbraucher*innen achten zunehmend auf Herkunft und Produktionsbedingungen. Apps wie CodeCheck oder EcoScore helfen dabei, die Nachhaltigkeits-Bilanz verschiedener Biermarken zu vergleichen. Dieser Bewusstseinswandel verändert Kaufentscheidungen merklich – und damit auch die Popularitäts-Rankings.

Alkoholfreie Alternativen boomen

Nicht zu vergessen: Der explosive Wachstum bei alkoholfreien Bieren. Was früher als geschmackliche Notlösung galt, ist heute ein Milliardenmarkt. Marken wie Jever Fun, Erdinger Alkoholfrei oder Beck’s Blue haben ihre Rezepturen perfektioniert und sprechen bewusste Konsument*innen an.

Gerade bei jüngeren Zielgruppen (18-35 Jahre) wächst dieser Markt zweistellig. Fitness-Trends, bewusste Ernährung und Verzicht auf Alkohol im Alltag treiben diese Entwicklung. Viele traditionelle Brauereien investieren massiv in alkoholfreie Varianten ihrer Klassiker.

Fazit: Bier-Vorlieben werden komplexer

Die Zeiten, in denen eine einfache Weltkarte die Bier-Präferenzen abbilden konnte, sind vorbei. Heute bestimmen lokale Craft Beer Szenen, Nachhaltigkeits-Bewusstsein, Social Media Trends und digitale Verfügbarkeit mit, welches Bier wo populär wird. Die Vielfalt ist größer denn je – und das ist definitiv eine gute Entwicklung für alle Bier-Liebhaber*innen.

Zuletzt aktualisiert am 13.04.2026