Mit dem Januar-Update erreicht das überarbeitete Startmenü von Windows 11 nun alle Nutzer. Die Reaktionen reichen von Begeisterung bis Entsetzen – und dazwischen gibt es berechtigte Fragen.
Du öffnest dein Startmenü und stutzt: War das schon immer so riesig? Nein, war es nicht. Microsoft hat mit dem Sicherheits-Update vom Januar 2026 das neue Startmenü nun flächendeckend ausgerollt. Eigentlich wurde es schon im November 2025 eingeführt, aber Microsoft verteilt solche Änderungen schrittweise – bis jetzt hat es nur einen Teil der Nutzer erreicht.
Die Neuerung sorgt für Diskussionen. Das Menü ist jetzt etwa doppelt so hoch wie zuvor und bedeckt auf manchen Bildschirmen bis zu 90 Prozent der verfügbaren Fläche. Wer gleichzeitig die Phone-Link-Sidebar aktiviert hat, sieht praktisch nichts mehr vom Desktop. Für Microsoft ist das Absicht, für viele Nutzer eher ein Schock.
Alles auf einer Seite – endlich oder leider?
Die grundlegende Änderung klingt erstmal vernünftig: Die bisherige Trennung zwischen angehefteten Apps und der kompletten Programmliste entfällt. Statt zwischen verschiedenen Ansichten hin- und herzuwechseln, scrollst du jetzt durch eine einzige, durchgängige Ansicht. Oben findest du deine angehefteten Apps, in der Mitte die „Empfehlungen“ mit zuletzt verwendeten Dateien, und darunter die vollständige App-Liste.
Microsoft argumentiert, dass genau diese Zusammenführung die größere Fläche rechtfertige. Die Logik dahinter: Wenn alles auf einer Seite sein soll, braucht man eben mehr Platz. Das klingt nachvollziehbar, ignoriert aber, dass viele Nutzer gar nicht alle Bereiche gleichzeitig sehen wollen.
Dazu kommt ein neues „Kategorie-Layout“, das Programme automatisch in thematische Ordner wie „Produktivität“ oder „Unterhaltung“ sortiert. Das soll das visuelle Chaos reduzieren. Wer das nicht mag, kann auf eine klassischere Rasteransicht oder alphabetische Liste umschalten. Microsoft hat hier offenbar von Smartphone-Launchern gelernt – ob das auf dem Desktop funktioniert, ist eine andere Frage.
Auch das Suchfeld wurde optisch angepasst und entspricht jetzt der Höhe des neuen Startmenüs. Das Design ist konsistenter geworden, aber das löst das Grundproblem nicht: Das Menü nimmt einfach sehr viel Platz ein.
Die gute Nachricht: Der umstrittene „Empfohlen“-Bereich lässt sich jetzt in den Einstellungen komplett ausblenden. Das war eine der häufigsten Forderungen der Nutzer – Microsoft hat tatsächlich zugehört. Auch häufig genutzte und kürzlich installierte Apps lassen sich wahlweise ein- oder ausblenden.
Die Sache mit der Werbung
Weniger erfreulich ist, was Microsoft sonst noch ins neue Startmenü gepackt hat. Nutzer berichten von gelb hinterlegten Warnhinweisen mit Texten wie „Action advised – back up your PC“. Diese Prompts werben für OneDrive-Backups. Kritiker sehen darin aggressive Produktwerbung, verpackt als hilfreichen Hinweis.
Auch Copilot, Microsofts KI-Assistent, wird im Startmenü beworben. Der Konzern nennt das beschönigend „Tipps“ oder „Vorschläge“ – faktisch ist es Werbung für hauseigene Produkte.
Das ist kein neues Problem. Microsoft hat Windows in den letzten Jahren zunehmend als Werbefläche genutzt: Edge-Empfehlungen, OneDrive-Reminder, Bing-Integration in der Suche. Das neue Startmenü setzt diesen Trend fort, statt ihm entgegenzuwirken.
Immerhin: Die Werbung lässt sich abschalten. In den Einstellungen unter „Personalisierung“ → „Start“ findest du die Option „Empfehlungen für Tipps, Verknüpfungen, neue Apps und mehr anzeigen“. Schieberegler auf Aus, und das Startmenü wird zumindest werbefrei. Allerdings solltest du nach größeren Windows-Updates prüfen, ob die Einstellung noch aktiv ist – Microsoft hat in der Vergangenheit solche Präferenzen gelegentlich zurückgesetzt.
Smartphone-Design für den Desktop?
Analysten deuten das kategoriebasierte Design als Annäherung an mobile Interfaces. Die Idee dahinter: Wer sein Smartphone gewohnt ist, soll sich schneller zurechtfinden. Das mag für Tablet-Nutzer Sinn ergeben, auf einem klassischen Desktop-PC mit 27-Zoll-Monitor wirkt ein bildschirmfüllendes Startmenü allerdings eher wie ein Fremdkörper.
In Foren und sozialen Medien ist die Kritik entsprechend deutlich. Ein Kommentator brachte es auf den Punkt: „Jedesmal, wenn ich dieses Startmenü verwende, frage ich mich, wie man auf die komplett schwachsinnige Idee kommen kann, die angehefteten Programme nur mit dem maximal möglichen Mausweg erreichbar zu machen.“
Microsoft hatte nach eigenen Angaben über 300 Nutzer an einer Studie beteiligt, um das neue Design zu entwickeln. Angesichts von Millionen Windows-Nutzern ist das eine überschaubare Stichprobe – und offensichtlich nicht repräsentativ für alle Anwendungsfälle.
Was du jetzt tun kannst
Wenn dich das neue Startmenü stört, hast du mehrere Optionen:
Über die Einstellungen unter „Personalisierung“ → „Start“ kannst du festlegen, wie viele angeheftete Apps angezeigt werden und ob der Empfehlungsbereich sichtbar sein soll. Das macht das Menü nicht kleiner, aber übersichtlicher.
Die drei Ansichtsmodi – Kategorieansicht, Rasteransicht und klassische Liste – lassen sich über Schaltflächen direkt im Startmenü wechseln. Probier aus, welche Darstellung für dich am praktischsten ist.
Wer das alte Design wirklich zurückhaben will, kann auf Tools wie StartAllBack zurückgreifen oder über Registry-Eingriffe basteln. Das ist aber nur für fortgeschrittene Nutzer empfehlenswert.
Die ehrlichste Lösung: Gewöhn dich dran, das Startmenü möglichst selten zu benutzen. Die Windows-Taste plus Eingabe eines Programmnamens plus Enter ist ohnehin schneller als jedes Klick-Menü. Und wer seine wichtigsten Programme in die Taskleiste packt, braucht das Startmenü sowieso nur noch selten.
Das große Bild
Microsoft steht unter Druck. Der Support für Windows 10 ist im Oktober 2025 ausgelaufen, aber viele Nutzer zögern mit dem Umstieg. Das neue Startmenü ist Teil einer Strategie, Windows 11 als modernes, KI-integriertes System zu positionieren – mit Copilot, Cloud-Anbindung und zeitgemäßem Design.
Ob das aufgeht, hängt davon ab, wie gut Microsoft die Balance zwischen Innovation und Nutzerwünschen hinbekommt. Das übergroße Startmenü mit eingebauter OneDrive-Werbung ist kein gutes Zeichen. Aber immerhin: Die wichtigsten Störfaktoren lassen sich abschalten. Noch.