Brand Detector: Plugin enttarnt Amazons 200+ Eigenmarken

von | 05.12.2021 | Digital

Amazon verkauft in seinem Online-Shop über 200 Eigenmarken. Um die besser erkennbar zu machen, gibt es ein kostenloses Plugin namens „Amazon Brand Detector“ – wichtiger denn je in Zeiten undurchsichtiger Marktplätze.

Online-Shopping ist längst zur Normalität geworden, und Amazon dominiert diesen Markt wie kein anderer. Der weltgrößte Online-Händler fungiert für viele Menschen als erste Anlaufstelle für praktisch alles, was kaufbar ist. Doch was vielen nicht bewusst ist: Amazon ist längst nicht mehr nur Plattform für andere Hersteller und Händler, sondern mischt als Eigenmarkenhersteller in nahezu allen lukrativen Produktkategorien mit.

Amazons Eigenmarken-Imperium wächst rasant

Was bei Echo-Geräten (Alexa), Kindle-Readern oder Fire-Tablets offensichtlich ist, verschleiert Amazon bei hunderten anderen Produkten geschickt. Mittlerweile betreibt der Konzern über 200 Eigenmarken – von „Amazon Basics“ über „Goodthreads“ (Kleidung) bis hin zu „Happy Belly“ (Lebensmittel) und „Solimo“ (Haushaltswaren).

Die Strategie ist simpel und effektiv: Amazon analysiert über seine Plattform, welche Produkte besonders gut laufen und hohe Margen versprechen. Diese Daten nutzt der Konzern dann, um eigene Varianten zu entwickeln und zu vermarkten. Dabei profitiert Amazon von seinem privilegierten Zugang zu Suchergebnissen und Empfehlungsalgorithmen.

Besonders problematisch wird es, wenn Amazon unter wenig transparenten Markennamen agiert. Namen wie „Rivet“, „Stone & Beam“ oder „Pinzon“ lassen kaum vermuten, dass dahinter der Handelsriese steckt. Teilweise lizenziert Amazon auch Marken an Dritthersteller oder kooperiert mit anderen Unternehmen:

Ultrasport ist eine Amazon-Marke, die an Dritthersteller lizenziert ist. Details zu den Herstellern finden Sie in der Produktverpackung.

Brand Detector entlarvt versteckte Amazon-Marken

Für Konsumenten ist dieses Marken-Wirrwarr völlig undurchsichtig. Abhilfe schafft der Amazon Brand Detector von der Non-Profit-Organisation The Markup. Diese kostenlose Browser-Erweiterung macht Amazon-Eigenmarken auf einen Blick sichtbar: Produkte von Amazon-Marken werden gelb hinterlegt und mit einem deutlichen Hinweis versehen.

Das Tool basiert auf einer ständig aktualisierten Datenbank aller bekannten Amazon-Eigenmarken. Die Entwickler haben dabei nicht nur die offensichtlichen Marken wie „Amazon Basics“ erfasst, sondern auch die versteckten Labels, bei denen die Amazon-Zugehörigkeit nur im Kleingedruckten steht.

Was ihr mit dieser Information anfangt, bleibt euch überlassen. Manche Käufer möchten bewusst Amazon-Eigenmarken meiden, um kleinere Hersteller zu unterstützen. Andere suchen gezielt nach Amazon-Produkten, weil sie auf die Qualitätskontrolle und Rückgaberichtlinien des Konzerns vertrauen.

Amazon hat sehr viele Eigenmarken

Amazon hat sehr viele Eigenmarken

Installation und Funktionsweise

Der Brand Detector funktioniert als Browser-Erweiterung für Chrome, Firefox, Safari und alle Chromium-basierten Browser wie Microsoft Edge oder Brave. Die Installation erfolgt über die jeweiligen Browser-Stores und dauert nur wenige Sekunden.

Einschränkung: Das Plugin funktioniert ausschließlich in der Desktop-Version von Amazon im Browser, nicht in der Smartphone-App. Da jedoch viele Nutzer für größere Einkäufe ohnehin den Desktop verwenden, ist diese Limitierung verschmerzbar.

Die Erweiterung arbeitet im Hintergrund und benötigt keine Konfiguration. Sobald ihr eine Amazon-Produktseite besucht, prüft das Tool automatisch, ob es sich um eine Amazon-Eigenmarke handelt. Bei einem Treffer erscheint die charakteristische gelbe Markierung mit zusätzlichen Informationen zur Marke.

Datenschutz und Transparenz

Da The Markup eine gemeinnützige Organisation für investigativen Journalismus ist, legt sie besonderen Wert auf Datenschutz. Der Brand Detector sammelt keine persönlichen Daten und sendet keine Informationen über euer Surfverhalten. Der Quellcode ist öffentlich einsehbar, was Transparenz über die Funktionsweise gewährleistet.

Warum Transparenz wichtig ist

Die mangelnde Transparenz bei Amazon-Eigenmarken ist nicht nur ein Verbraucherschutz-Problem, sondern hat auch wettbewerbsrechtliche Dimensionen. Kritiker werfen Amazon vor, seine marktbeherrschende Stellung zu missbrauchen, indem der Konzern Verkaufsdaten anderer Händler analysiert und dann mit eigenen Produkten in direkter Konkurrenz tritt.

In den USA und der EU laufen bereits kartellrechtliche Verfahren zu diesen Praktiken. Verbraucher können mit Tools wie dem Brand Detector zumindest informierte Kaufentscheidungen treffen.

Ein „China Shop Detector“ wäre übrigens mindestens genauso nützlich. Dieser könnte vor dubiosen Drittanbietern warnen, die oft mit Fake-Bewertungen, minderwertiger Qualität und versteckten Zusatzkosten durch Zoll und fehlende Umsatzsteuer operieren. Bis dahin hilft der Brand Detector wenigstens dabei, Amazons Eigenmarken-Imperium zu durchschauen.

Auch Saugroboter „Astro“ ist eine Amazon-Eigenmarke

Zuletzt aktualisiert am 23.02.2026