Orkut, Google Wave, Picasa, Vine, MegaUpload, Google Stadia, Internet Explorer, Clubhouse… Namen, die mal in aller Munde waren. Heute sind sie Geschichte. Die Tech-Welt ist ein gnadenloser Friedhof gescheiterter Ideen, überhypter Projekte und verpasster Chancen. Wer sich gerne an diese digitalen Geister erinnert, findet bei productgraveyard.com eine faszinierende Sammlung verstorbener Tech-Projekte.
Die Liste liest sich wie ein Who’s Who der Tech-Fails. Da ist Netscape, der Browser-Pionier, der von Microsoft plattgemacht wurde. Google+ sollte Facebook den Garaus machen – ein 2,8 Milliarden Dollar teurer Flop. Microsofts Zune wollte den iPod stürzen und wurde selbst gestürzt. Yahoo kaufte Tumblr für eine Milliarde und verkaufte es später für schlappe 3 Millionen an Automattic.
Besonders bitter: Die Corona-Zeit brachte ihre eigenen Opfer hervor. Quibi verbrannte 1,75 Milliarden Dollar in weniger als einem Jahr mit dem Versuch, Premium-Videocontent für Smartphones zu etablieren. Clubhouse erlebte 2021 einen Höhenflug und verschwand ebenso schnell wieder in der Bedeutungslosigkeit, als andere Plattformen Audio-Features nachahmten.
2024 und 2025 waren besonders brutal für Tech-Projekte. Google Stadia wurde nach nur vier Jahren eingestellt – trotz Milliardeninvestitionen in Cloud-Gaming. Meta’s Horizon Worlds, einst als Metaverse-Zukunft angepriesen, dümpelt mit enttäuschenden Nutzerzahlen vor sich hin. Twitter/X unter Elon Musk verlor massiv an Relevanz und Werbekunden.
Spannend wird es bei den KI-Projekten der letzten Jahre. Während ChatGPT triumphiert, sind dutzende andere KI-Startups bereits wieder verschwunden. Character.AI wurde für 2,5 Milliarden von Google übernommen – ein Zeichen dafür, dass nur die Großen überleben. Kleinere KI-Tools verschwinden täglich vom Markt, weil sie mit OpenAI, Google oder Microsoft nicht mithalten können.
Die Krypto-Blase von 2021-2022 hinterließ ebenfalls einen riesigen Friedhof. Terra Luna, FTX, unzählige NFT-Projekte – alle weg. Was als Revolution angepriesen wurde, entpuppte sich oft als aufgeblasene Spekulationsblase.
Product Graveyard dokumentiert nicht nur die Todesfälle, sondern auch die Todesursachen. Manche Projekte sterben an mangelnder Nachfrage (Google Glass), andere an schlechtem Timing (Segway), wieder andere an interner Konkurrenz (Google Reader wurde eingestellt, um Google+ zu pushen). Besonders perfide: Wenn Konzerne erfolgreiche Dienste kaufen und dann systematisch kaputt machen.
Die Seite zeigt auch interessante Muster auf. Google ist der unbestrittene König des Projekt-Mordens – von Google Buzz über Google Allo bis hin zu Google Poly. Microsoft folgt dicht dahinter mit Windows Phone, Kinect und zuletzt Cortana. Selbst Apple hat Leichen im Keller: Newton, Ping und die ursprüngliche HomePod-Version.
Was lehrt uns dieser digitale Friedhof? Erstens: Auch Tech-Giganten scheitern regelmäßig. Zweitens: Der Markt ist gnadenlos – egal wie viel Marketing-Budget dahintersteckt. Drittens: Nutzer sind unberechenbar und lassen sich nicht zu ihrem Glück zwingen.
Manche tote Projekte erleben sogar eine Wiederauferstehung. Vinyl-Schallplatten totgesagt, heute beliebter denn je. Instant-Kameras durch Digital abgelöst, dann durch Fujifilm Instax neu erfunden. Die Tech-Welt ist zyklisch.
Besonders tragisch sind die Projekte, die ihrer Zeit voraus waren. Palm PDAs hatten Smartphone-Features, bevor es Smartphones gab. Second Life war Virtual Reality, bevor VR massentauglich wurde. Friendster war Social Media vor Facebook.
Product Graveyard lebt von der Community. Über „Submit Autopsy Report“ könnt ihr weitere verstorbene Projekte melden. Die Sammlung wächst täglich – ein lebendiges Denkmal für gescheiterte digitale Träume. Perfekt für alle, die sich gerne an die guten alten Zeiten erinnern, als das Internet noch experimenteller war und nicht von fünf Mega-Konzernen dominiert wurde.
Stöbert ruhig durch die Liste. Sie ist gleichzeitig unterhaltsam, lehrreich und melancholisch. Und wer weiß – vielleicht entdeckt ihr ein Projekt wieder, das ihr völlig vergessen hattet.
Zuletzt aktualisiert am 01.04.2026

