In Gmail ordnet ihr E-Mails mit Labels. Sie funktionieren ähnlich wie Ordner, eine Nachricht kann aber mehrere Labels haben. Ihr wollt eure Gmail-Labels zu einem anderen Account kopieren? Besonders einfach geht das auch 2026 noch mit Mozilla Thunderbird – trotz aller Cloud-Tools ist der Mail-Client nach wie vor die zuverlässigste Lösung für solche Migrationen.
Denn Thunderbird erkennt die Gmail-Labels als Ordner, und Gmail erkennt die Thunderbird-Ordner als Labels. Diese clevere Funktion funktioniert auch in der aktuellen Version Thunderbird 128 tadellos und ist vielen Nutzern gar nicht bekannt.
Hier die nötigen Schritte zum Kopieren von Labels zu einem anderen Gmail-Konto:
- Startet Thunderbird 128 oder neuer, und fügt beide Google-Konten mit IMAP hinzu. Geht dazu auf „Konto-Einstellungen“ im Hauptmenü und wählt „Konto hinzufügen“. Thunderbird unterstützt seit 2024 OAuth2 für Gmail nativ, die Einrichtung läuft daher automatisiert ab.
- Wartet, bis die Nachrichten synchronisiert wurden. Bei großen Postfächern kann das durchaus 30-60 Minuten dauern. Danach sollten alle Labels als Ordner in der Seitenleiste angezeigt werden.
- Haltet jetzt die [Strg]-Taste gedrückt, und markiert die zu kopierenden Labels des Quellkontos. Danach zieht ihr sie auf das Zweitkonto. Dadurch werden die Labels automatisch kopiert, samt allen enthaltenen E-Mail-Nachrichten.
Jetzt habt ihr Zeit – zum Beispiel für eine Tasse Kaffee oder gleich eine ganze Mahlzeit. Denn das Kopieren der Labels und Nachrichten kann mehrere Stunden dauern, besonders bei Konten mit tausenden E-Mails.
Warum Thunderbird und nicht Google Takeout?
Google bietet mit „Takeout“ zwar eine offizielle Export-Funktion, diese hat aber einen entscheidenden Nachteil: Die Labels gehen dabei verloren. Ihr erhaltet zwar alle E-Mails als .mbox-Dateien, müsst aber die gesamte Label-Struktur manuell neu aufbauen. Bei komplexen Organisationssystemen ist das praktisch unmöglich.
Alternative Methoden 2026
Neben Thunderbird gibt es mittlerweile auch andere Wege:
Gmail-zu-Gmail Migration über Google Workspace: Wenn ihr Google Workspace nutzt, könnt ihr über die Admin-Konsole Migrationen zwischen Konten durchführen. Das funktioniert aber nur innerhalb derselben Organisation.
Kommerzielle Tools: Anbieter wie BitTitan oder SysTools haben spezialisierte Gmail-Migrationswerkzeuge entwickelt. Diese kosten aber schnell 50-100 Euro und bieten für Privatnutzer keinen Mehrwert gegenüber Thunderbird.
IMAP-Sync-Tools: Programme wie imapsync oder OfflineIMAP können Labels theoretisch übertragen, sind aber deutlich komplizierter zu konfigurieren.
Was ihr beachten solltet
Die Thunderbird-Methode hat einige Eigenarten, die ihr kennen solltet:
- Geschwindigkeit: Gmail begrenzt IMAP-Zugriffe. Rechnet mit 200-500 E-Mails pro Minute, je nach Größe der Nachrichten.
- Label-Hierarchien: Verschachtelte Labels (wie „Projekte/2026/Website“) werden korrekt übertragen.
- Sonderzeichen: Labels mit Umlauten oder Sonderzeichen funktionieren problemlos.
- Größenbeschränkungen: Gmail hat ein 15-GB-Limit für kostenlose Konten. Prüft vorher, ob genug Speicher vorhanden ist.
Häufige Probleme und Lösungen
Manchmal bricht die Synchronisation ab oder Labels werden nicht erkannt. Das liegt meist an:
- IMAP deaktiviert: In beiden Gmail-Konten muss IMAP in den Einstellungen aktiviert sein („Einstellungen“ → „Weiterleitung und POP/IMAP“).
- Zwei-Faktor-Authentifizierung: Nutzt App-Passwörter oder die OAuth2-Authentifizierung in Thunderbird.
- Überlastung: Macht Pausen zwischen großen Kopiervorgängen, um Rate-Limits zu vermeiden.
Profi-Tipp für große Migrationen
Bei Postfächern über 10 GB solltet ihr etappenweise vorgehen: Kopiert zunächst nur die wichtigsten Labels und wartet deren Synchronisation ab. Gmail kann bei zu vielen parallelen Operationen temporäre Sperren verhängen.
Thunderbird bleibt auch 2026 die beste kostenlose Lösung für Gmail-Label-Migrationen. Die Kombination aus Zuverlässigkeit, Geschwindigkeit und Benutzerfreundlichkeit ist unschlagbar – auch wenn der erste Eindruck des etwas angestaubten Interfaces täuscht.
Nach dem Kopieren findet ihr alle Labels und E-Mails im Zweitkonto wieder – inklusive der ursprünglichen Ordnerstruktur und aller Metadaten. Perfekt für Kontowechsel oder Backup-Strategien.
Zuletzt aktualisiert am 21.04.2026

