Panono: Die vergessene Wurf-Kamera, die 360-Grad-Fotografie erfand

von | 28.11.2013 | Tipps

360-Grad-Kameras sind heute allgegenwärtig – von der Insta360 bis zur GoPro Max. Doch kaum jemand erinnert sich an den Pionier, der diese Revolution eigentlich angestoßen hat: die Panono-Ballkamera. Eine kugelrunde Kamera, die man buchstäblich in die Luft wirft und die am höchsten Punkt automatisch ein Rundum-Panorama aufnimmt.

Die Idee war genial: 36 Kameramodule, gleichmäßig in einem tennisballgroßen Gehäuse verteilt, jedes mit zwei Megapixel Auflösung – macht zusammen 72 Megapixel. Gyrosensoren erkannten den Scheitelpunkt des Wurfes und lösten alle Kameras synchron aus. Die entstandenen Einzelbilder wurden anschließend zu einem nahtlosen 360-Grad-Panorama zusammengerechnet.

Panono war seiner Zeit voraus. 2011 gegründet, sammelte das Berliner Startup über Crowdfunding 1,25 Millionen Dollar ein. Die Kamera kostete ursprünglich rund 1.500 Euro, später 599 Euro. Doch trotz innovativer Technik und medialer Aufmerksamkeit konnte sich Panono nicht am Markt behaupten und stellte 2018 den Betrieb ein.

Was war das Problem? Die Technik war noch nicht massenmarkttauglich. Die Bildqualität der einzelnen Sensoren war begrenzt, die Stitching-Software anfällig für Fehler, und die Zielgruppe zu klein. Gleichzeitig kamen günstigere 360-Grad-Kameras auf den Markt, die zwar nur zwei Linsen hatten, aber deutlich praktischer waren.

Heute, 2026, ist der 360-Grad-Markt völlig anders. Die Insta360 X4 liefert 8K-Aufnahmen für unter 500 Euro, Meta baut 360-Grad-Features direkt in seine VR-Headsets ein, und selbst Smartphones können mittlerweile brauchbare Panoramen erstellen. Was früher Spezialausrüstung war, ist Mainstream geworden.

Trotzdem war Panono wichtig für die Entwicklung. Die Berliner haben bewiesen, dass Konsumenten Interesse an immersiven Aufnahmen haben – nur eben nicht bereit waren, komplizierte Technik zu akzeptieren. Die heutigen 360-Grad-Kameras sind direkter Nachfahre dieser Pionierarbeit.

Interessant ist auch der Timing-Aspekt: Panono kam zu früh. 2013 gab es noch kein TikTok, keine VR-Headsets für Normalverbraucher, keine Plattformen für 360-Grad-Content. Heute sieht das anders aus: YouTube und Facebook unterstützen 360-Grad-Videos nativ, VR-Brillen sind erschwinglich, und immersive Medien haben ihre Nische gefunden.

Die Wurf-Mechanik bleibt übrigens einzigartig. Keine der heutigen 360-Grad-Kameras bietet diese spektakuläre Aufnahmemethode. Stattdessen setzen moderne Geräte auf Handhaltung, Stative oder Drohnen-Integration. Praktischer, aber auch weniger aufregend.

Für Content-Creator von heute sind 360-Grad-Aufnahmen Standard-Werkzeug geworden. Immobilienmakler nutzen sie für virtuelle Besichtigungen, Reiseblogger für immersive Destination-Videos, und Unternehmen für interaktive Produktpräsentationen. Was Panono als Spielzeug für Tech-Enthusiasten positionierte, ist Business-Tool geworden.

 

Die Lehren aus Panono sind wertvoll: Innovative Technik allein reicht nicht. Es braucht das richtige Timing, eine klare Zielgruppe und vor allem Plattformen, die den Content auch sinnvoll ausspielen können. Panono hatte die Vision, aber das Ökosystem war noch nicht bereit.

Heute, wo 360-Grad-Content selbstverständlich ist, wirkt die Wurf-Kamera fast nostalgisch. Ein faszinierendes Stück Tech-Geschichte, das den Grundstein für eine ganze Gerätekategorie legte – auch wenn es selbst nicht überlebt hat.

Zuletzt aktualisiert am 20.04.2026