Versteckte Pinselgrößen in MS Paint freischalten

von | 19.08.2017 | Windows

Das klassische Paint von Microsoft wirkt auf den ersten Blick wie ein Dinosaurier aus der digitalen Steinzeit. Keine Ebenen, überschaubare Werkzeuge, spartanische Oberfläche. Trotzdem nutzen auch 2026 noch Millionen von Anwendern das simple Zeichenprogramm – und das hat gute Gründe. Mit den richtigen Tricks lassen sich durchaus beeindruckende Grafiken erstellen. Einer der wichtigsten Kniffe betrifft die Pinselstärke.

Auf den ersten Blick bietet Paint nur vier verschiedene Pinselgrößen an. Das stimmt aber nur bedingt. Microsoft hat nämlich einen versteckten Mechanismus eingebaut, mit dem sich die Pinselstärke stufenlos anpassen lässt – völlig unabhängig von den vordefinierten Größen im Menü.

Der versteckte Pinsel-Trick

Der Trick funktioniert auch in der aktuellen Windows 11-Version von Paint: Zuerst das Pinsel-Werkzeug auswählen. Dann die [Strg]-Taste gedrückt halten und gleichzeitig im Ziffernblock die [+]-Taste drücken. Bei jedem Tastendruck wird der Pinsel um eine Stufe größer. Für kleinere Pinsel funktioniert das Ganze umgekehrt mit [Strg] + [-] im Ziffernblock.

Dieser Trick funktioniert übrigens nicht nur mit dem Standard-Pinsel, sondern auch mit anderen Werkzeugen wie dem Marker oder der Sprühdose. Die individuelle Größe bleibt dabei erhalten, bis ihr eine der vordefinierten Größen aus dem Menü auswählt – dann springt Paint wieder auf die Standardwerte zurück.

Paint 3D vs. klassisches Paint

Interessant: Microsoft hatte zwischenzeitlich versucht, das klassische Paint durch Paint 3D zu ersetzen. Das Experiment ist gescheitert. Paint 3D wurde 2024 eingestellt, während das ursprüngliche Paint ein überraschendes Comeback feierte. Microsoft spendierte dem Klassiker sogar neue Features: Dunkler Modus, verbesserte Zoom-Funktionen und optimierte Touch-Bedienung für Tablets.

Warum Paint immer noch relevant ist

In Zeiten von Photoshop, GIMP und KI-gestützten Bildbearbeitungsprogrammen mag Paint antiquiert wirken. Aber gerade die Einfachheit ist oft ein Vorteil. Für schnelle Screenshots-Bearbeitung, simple Grafiken oder digitale Notizen ist Paint unschlagbar schnell. Das Programm startet in Millisekunden, braucht kaum Speicher und überfordert niemanden mit komplexen Menüs.

Besonders praktisch: Paint öffnet sich automatisch, wenn ihr einen Screenshot mit der Windows-Taste + Shift + S macht und anschließend auf die Benachrichtigung klickt. So landet der Screenshot direkt im Editor und kann sofort bearbeitet werden.

Weitere versteckte Paint-Features

Neben dem Pinsel-Trick gibt es noch andere nützliche Funktionen, die nicht sofort ersichtlich sind:

  • Transparenter Hintergrund: Bei eingefügten Bildern lässt sich mit dem Auswahl-Werkzeug der Hintergrund transparent schalten
  • Pixelgenaues Arbeiten: Mit der Lupe (Strg + Pluszeichen) könnt ihr bis auf Pixelebene zoomen und präzise arbeiten
  • Tastenkürzel für Werkzeuge: P für Pinsel, B für Eimer, T für Text – deutlich schneller als Mausklicks
  • Rückgängig-Speicher: Paint merkt sich deutlich mehr Arbeitsschritte als früher, Strg + Z funktioniert dutzende Male

Paint und moderne Workflows

Selbst in professionellen Umgebungen hat Paint seine Berechtigung. Webdesigner nutzen es für schnelle Mockups, Entwickler für simple Diagramme, Content-Creator für Thumbnail-Bearbeitung. Die geringe Dateigröße der Paint-BMP-Files ist dabei oft gewünscht – etwa wenn es auf schnelle Ladezeiten ankommt.

Tipp: Über „Speichern unter“ könnt ihr auch in moderne Formate wie PNG oder JPEG exportieren. Paint unterstützt inzwischen alle gängigen Bildformate, inklusive WebP.

Fazit: Unterschätzte Power

Paint mag simpel aussehen, aber mit den richtigen Kniffen wird daraus ein durchaus mächtiges Werkzeug. Der variable Pinsel ist nur einer von vielen versteckten Features, die das kleine Programm überraschend vielseitig machen. In einer Welt voller überladener Software ist diese Einfachheit Gold wert – und Microsoft hat das offenbar erkannt.

Zuletzt aktualisiert am 02.04.2026