Es klingt so gut: Kaum ist das alte Fahrrad zum Verkauf online, da meldet sich ein Interessent: Sofortige Zahlung, Abholung per Spedition bietet er an. Vorsicht: Meist ist das ein Betrugsversuch!
eBay selbst hat lange auf ein eigenes Zahlungssystem umgestellt. Die Käufer zahlen an eBay, eBay leitet die Zahlung an den Verkäufer weiter. Das mag auf der einen Seite an einem gewissen Kontrollzwang von eBay selbst liegen, schützt aber auch Käufer und Verkäufer gleichermaßen. eBay steht als Zwischenstation auch für die Echtheit der Zahlungsvorgänge ein.

Anders sieht es bei eBay Kleinanzeigen aus: Käufer und Verkäufer kommunizieren direkt miteinander, unkontrolliert und offen für Betrugsmaschen. So sind Account-Übernahmen nicht selten, und auch der Zahlungsvorgang wird angegriffen.
Das Schema der Speditions-Betrüger
Käufer – in den meisten bekannten Fällen vom Profilbild her junge, gut aussehende Frauen – melden sich per WhatsApp oder direkt über die Plattform und bieten an, die sperrige Ware sofort zu bezahlen und dann von einer Spedition abholen zu lassen. Weil sie weiter weg wohnen, keine Transportmöglichkeit haben. Danach gibt es verschiedene Vorgehensmodelle:
Variante 1: Die gefälschte Bankbestätigung
Ihr sollt die IBAN schicken, damit die Überweisung erfolgen kann. Kurze Zeit später kommt dann eine Bestätigung „Deiner Bank“, dass der Betrag eingegangen sei. Diese Bestätigung ist gefaked, aus der IBAN lässt sich ja die Bank auslesen und einfach eine vermeintlich echte E-Mail fälschen. Die so erbeuteten IBANs werden verkauft oder missbräuchlich genutzt, die Ware schnell von einer vermeintlichen Spedition abgeholt.
Variante 2: Der Überzahlungs-Trick
Eine weitere Vorgehensweise: Die Bestätigung enthält einen viel zu hohen Betrag – angeblich ein „Versehen“. Der Käufer bittet um Rücküberweisung der Differenz. Da das ursprüngliche Geld nie eingegangen ist, überweist ihr euer eigenes Geld an die Betrüger.
Variante 3: PayPal-Fake
Neuerdings kommen auch gefälschte PayPal-Bestätigungen zum Einsatz. Diese sehen täuschend echt aus und gaukeln eine erfolgte Zahlung vor. Besonders perfide: Die Betrüger nutzen echte PayPal-Absenderadressen durch E-Mail-Spoofing.
Neue Maschen 2026: KI macht Betrug professioneller
Betrüger setzen mittlerweile verstärkt auf KI-generierte Profilbilder und Texte. Die Nachrichten klingen dadurch natürlicher, die Profilbilder wirken authentischer. Auch deepfake Videocalls kommen zum Einsatz, um Vertrauen zu schaffen. Chatbots können inzwischen stundenlang überzeugend kommunizieren und auf Nachfragen eingehen.
Besonders tückisch: KI analysiert eure Verkaufsanzeigen und passt die Betrugsmasche gezielt an. Verkauft ihr ein Motorrad, kommt die Geschichte vom Geschenk für den Freund. Bei Möbeln ist es die neue Wohnung in einer anderen Stadt.
Warnsignale erkennen
- Zu schnelle Zusage: Echter Interessent stellt Fragen zum Zustand, Alter, Defekten
- Speditionsabholung: Bei kleineren Gegenständen völlig unüblich
- Kommunikation über WhatsApp: Wechsel weg von der Plattform
- Perfektes Deutsch: Während früher schlechte Übersetzungen verrieten, nutzen Betrüger heute KI für perfekte Texte
- Drängen zur Schnelligkeit: „Muss heute noch klären wegen Spedition“
- E-Mail-Bestätigungen: Echte Banken senden nie unaufgefordert Überweisungsbestätigungen

So schützt ihr euch
Die goldene Regel gilt immer noch: Erst das Geld (selbst überprüft auf dem Konto oder bar in der Hand), dann die Ware!
Zusätzliche Schutzmaßnahmen:
– Nutzt sichere Zahlungsmethoden: eBay Kleinanzeigen bietet seit 2025 „Sicher bezahlen“ auch für Privatverkäufer an
– Besteht auf Barzahlung bei Abholung oder Übergabe an einem öffentlichen Ort
– Prüft Bankbestätigungen direkt in eurem Online-Banking
– Bei PayPal: Loggt euch direkt auf paypal.de ein, nicht über Links in E-Mails
– Videocalls: Bittet um spontane Gesten oder das Zeigen eines bestimmten Gegenstands
Was tun bei Betrug?
Falls ihr bereits Opfer geworden seid:
1. Sofort die Bank kontaktieren und IBAN sperren lassen
2. Anzeige bei der Polizei erstatten
3. Screenshots aller Nachrichten sichern
4. eBay Kleinanzeigen den Vorfall melden
5. Bei PayPal-Betrug: Käuferschutz beantragen
Die Aufklärungsquote bei Online-Betrug ist leider gering, da die Täter meist im Ausland agieren. Prävention ist der beste Schutz. Lasst euch nie unter Zeitdruck setzen – seriöse Käufer haben Verständnis für eure Vorsichtsmaßnahmen.
Zuletzt aktualisiert am 22.02.2026