Kommandozeile direkt im gewünschten Ordner öffnen

von | 12.05.2012 | Tipps

Die Kommandozeile ist nach wie vor eines der mächtigsten Tools für Power-User – egal ob ihr Windows 11, macOS oder Linux verwendet. Während sich viele Aufgaben bequem mit der Maus erledigen lassen, seid ihr mit Terminal-Befehlen oft deutlich schneller. Das Problem: Wenn ihr die Eingabeaufforderung startet, landet ihr meist im Benutzerverzeichnis. Von dort aus müsst ihr euch erst zum gewünschten Ordner durchhangeln.

Zum Glück haben moderne Betriebssysteme elegante Lösungen für dieses Problem entwickelt. Hier zeige ich euch alle aktuellen Methoden, um die Kommandozeile direkt im gewünschten Ordner zu öffnen.

Windows 11 und 10: PowerShell im Kontextmenü

In Windows 11 hat Microsoft das klassische Kontextmenü überarbeitet. Klickt ihr mit der rechten Maustaste auf einen Ordner, seht ihr zunächst das neue, reduzierte Menü. Klickt auf „Weitere Optionen anzeigen“ oder verwendet die Tastenkombination Shift + F10, um das vollständige Kontextmenü zu erreichen. Dort findet ihr „In Terminal öffnen“ – das startet standardmäßig die PowerShell im gewählten Ordner.

Alternativ haltet ihr die Shift-Taste gedrückt und macht einen Rechtsklick in einen leeren Bereich eines Ordners im Windows-Explorer. Dann erscheint direkt der Eintrag „PowerShell-Fenster hier öffnen“ oder „Terminal hier öffnen“.

Der Windows Terminal-Trick

Noch eleganter funktioniert es mit dem Windows Terminal, das seit Windows 11 standardmäßig installiert ist. Navigiert im Explorer zum gewünschten Ordner und klickt in die Adresszeile. Gebt dort „wt“ ein und drückt Enter. Das Windows Terminal öffnet sich automatisch im aktuellen Verzeichnis. Ihr könnt auch „cmd“ oder „powershell“ eingeben – beide öffnen die entsprechende Kommandozeile direkt im Ordner.

macOS: Terminal mit Drag & Drop

Auf dem Mac gibt es mehrere Wege zum Ziel. Der einfachste: Öffnet das Terminal und zieht den gewünschten Ordner aus dem Finder direkt in das Terminal-Fenster. Der Pfad wird automatisch eingefügt, ihr müsst nur noch Enter drücken.

Eleganter ist der Service „Neues Terminal beim Ordner“. Geht in die Systemeinstellungen > Tastatur > Kurzbefehle > Dienste und aktiviert „Neues Terminal beim Ordner“. Anschließend könnt ihr im Finder mit der rechten Maustaste auf einen Ordner klicken und „Neues Terminal beim Ordner“ auswählen.

Linux: Abhängig von der Desktop-Umgebung

Die meisten Linux-Distributionen haben diese Funktion bereits integriert. In Ubuntu mit GNOME macht ihr einen Rechtsklick in einen Ordner und wählt „In Terminal öffnen“. Bei KDE Plasma heißt der Eintrag „Konsole hier öffnen“. Falls der Menüpunkt fehlt, könnt ihr ihn meist über die Einstellungen der jeweiligen Desktop-Umgebung hinzufügen.

Profi-Tipp: Eigene Shortcuts erstellen

Für Windows-Power-User gibt es noch einen Geheimtipp: Erstellt euch eine Registry-Datei, um weitere Terminal-Optionen ins Kontextmenü zu integrieren. Ihr könnt beispielsweise sowohl CMD als auch PowerShell als separate Einträge hinzufügen oder sogar das Ubuntu-Subsystem für Linux (WSL) direkt starten.

Dazu erstellt ihr eine .reg-Datei mit folgendem Inhalt:

Windows Registry Editor Version 5.00

[HKEY_CLASSES_ROOTDirectoryshellOpenCmdHere]
@="Eingabeaufforderung hier öffnen"

[HKEY_CLASSES_ROOTDirectoryshellOpenCmdHerecommand]
@="cmd.exe /s /k pushd "%V""

Speichert die Datei mit der Endung .reg und führt sie aus. Nach einem Neustart des Explorers habt ihr den gewünschten Kontextmenü-Eintrag.

WSL und Docker: Moderne Entwicklungsumgebungen

Für Entwickler sind auch das Windows Subsystem for Linux (WSL) und Container-Umgebungen interessant. Mit WSL könnt ihr Linux-Befehle direkt unter Windows ausführen. Gebt in einem Ordner einfach „wsl“ in die Adresszeile ein, und ihr landet im entsprechenden Linux-Pfad.

Docker-Nutzer können mit „docker run“ Container direkt mit dem aktuellen Verzeichnis als Volume mounten. Das ist besonders praktisch für Entwicklungsprojekte.

Mobile Alternativen: Termux für Android

Selbst auf dem Smartphone gibt es Möglichkeiten: Die App Termux bringt eine vollwertige Linux-Umgebung auf Android-Geräte. Zwar gibt es hier kein klassisches „Ordner öffnen“, aber ihr könnt mit cd-Befehlen zu jedem zugänglichen Verzeichnis navigieren.

Cloud-Integration: Terminal in Visual Studio Code

Moderne Code-Editoren wie Visual Studio Code haben integrierte Terminals, die automatisch im Projekt-Ordner starten. Das ist besonders praktisch für Webentwickler und Programmierer. Auch cloud-basierte Entwicklungsumgebungen wie GitHub Codespaces oder GitPod bieten diese Funktion.

Die Zeiten umständlicher Navigation durch Ordnerstrukturen in der Kommandozeile sind definitiv vorbei. Moderne Betriebssysteme machen es euch leicht, direkt dort zu starten, wo ihr arbeiten wollt.

Zuletzt aktualisiert am 25.04.2026